Zum 12. Todestag des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish

Sein ganzes Werk ist als eine Antwort auf die Lebenswirklichkeit und existentielle Not der Palästinenser zu verstehen, aber selbst dort, wo er direkt auf zeitgeschichtliche Ereignisse reagiert, gelingt es ihm häufig, das metaphorisch Allgemeine am Schicksal der Palästinenser herauszuarbeiten.

Stefan Weidner in seinem Nachruf in der Frankfurter Allgemeinen[1]

Gestern, am 9. August 2020, jährte sich der Todestag von Mahmoud Darwish zum 12. Mal.

Der palästinensische Dichter wurde 1941 in al-Birwa bei Akko geboren. 1948, während der Nakba, flüchteten er und seine Familie in den Libanon, von wo aus sie nach der Staatsgründung von Israel heimlich nach Palästina/Israel zurückkehrte. Da ihr Heimatdorf al-Birwa zerstört worden war, musste sich die Familie im Dorf Dair al-Asad niederlassen. Bereits als 14-jähriger wurde Darwish nach einer Protestaktion zum ersten Mal verhaftet und in ein israelisches Gefängnis gebracht. Nach mehrfachen Inhaftierungen aufgrund seines politischen Engagements verließ Darwish das Land und lebte fortan in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt, so beispielsweise Paris, Kairo, Tunis, Beirut, Amman und ab 1996 wieder - unter anderem - in Ramallah. Erst im Juli 2007, knapp einem Jahr vor seinem Tod, sollte er zum ersten Mal wieder in Haifa auftreten.

Nicht nur sein umfassendes und weltbekanntes dichterisches Werk ist unvergessen, sondern auch seine politische Arbeit für das palästinensische Volk. Von 1987 bis 1993 war er Mitglied des Palästinensischen Nationalrats und am 14. November 1988 Mitverfasser der Proklamation des Palästinensischen Staates.

„Er war ein Liebender aus Palästina und er war ein Liebender von Palästina. (…) Wir werden Mahmoud Darwish für immer dankbar sein dafür, wie er es vermochte, der Sehnsucht des palästinensischen Volkes nach Freiheit, Liebe und Leben Ausdruck zu verleihen. Seine unerschütterliche Hingabe im Kampf gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Ablehnung inspiriert uns bis heute. Sie gibt uns die Kraft, weiterhin standhaft und unerschrocken zu bleiben auf unserem Weg zu Freiheit und Unabhängigkeit für das palästinensische Volk“, so das PLO Executive Committee Mitglied Dr. Hanan Ashrawi anlässlich des neunten Todestages des palästinensischen Dichters im Jahr 2017.

In besonderer Erinnerung wird der Vertretung des Staates Palästina auch sein Wienbesuch in den 1990er Jahren bleiben, wo er als Teil einer Delegation von Yassir Arafat teilnahm.

Denk an den Anderen (2005)

Denk an den Andern

Wenn du dein Frühstück bereitest, denk an den Andern

und vergiss nicht das Futter der Tauben.

Wenn du in deine Kriege ziehst, denk an den Andern

und vergiss nicht jene, die Frieden fordern.

Wenn du deine Wasserrechnung begleichst, denk an die Andern,

die ihr Wasser aus den Wolken saugen müssen.

Wenn du zu deinem Hause zurückkehrst, deinem Hause, denk an den

Andern und vergiss nicht das Volk in den Zelten.

Wenn du schlafen willst und die Sterne zählst, denk an den Andern,

der hat keinen Raum zum Schlafen.

Wenn du dich mit Wortspielen befreist, denk an den Andern

und denk an jene, die die Freiheit der Rede verloren.

Wenn du an die Anderen in der Ferne denkst, denke an dich,

und sage : wäre ich doch eine Kerze im Dunkeln.

Übersetzer: : Hakam Abd al-Hadi (2004)

[1] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/nachruf-auf-mahmoud-darwish-ich-bin-joseph-o-vater-1679883.html

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