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Inmitten des anhaltenden Völkermords verschärft sich die Nahrungsmittelkrise im Gazastreifen durch die Schließung von Stützpunkten der Organisation World Central Kitchen

  • 20. Juli
  • 7 Min. Lesezeit

Bericht von B’tselem, 15. Juli 2026

(Originalbericht in englischer Sprache)

 

Unmittelbar nach dem von der Hamas angeführten Angriff am 7. Oktober 2023 verhängte Israel eine vollständige Blockade über den Gazastreifen. In den folgenden Monaten untersagte Israel zeitweise die Einfuhr von Lebensmitteln und Wasser über die von ihm kontrollierten Landübergänge. Zudem zerstörte es den Großteil der zivilen Infrastruktur für die Lebensmittelproduktion und -verteilung. Die Hilfsgüter, deren Einfuhr Israel auf internationalen Druck hin zugelassen hat, reichen bei weitem nicht aus, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Die gravierenden Engpässe haben zu starken Preisanstiegen im gesamten Gazastreifen geführt, wodurch der Zugang zu Lebensmitteln für den Großteil der verarmten Bevölkerung weiter eingeschränkt wurde. Darüber hinaus führen die Vertreibung von mehr als 90 % der Bevölkerung und der verwehrte Zugang zu Infrastruktur sowie zu Kochutensilien wie Kochgas und sauberem Wasser dazu, dass die Bewohner*innen des Gazastreifens sich nicht selbst versorgen können. Israel hat Hunderttausende Menschen in eine fast vollständige Abhängigkeit von humanitärer Hilfe getrieben.

Ab Juli 2025 wurden fast täglich Todesfälle im Zusammenhang mit Hunger und Unterernährung im Gazastreifen gemeldet. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums waren bis Oktober 2025 455 Menschen unter diesen Umständen gestorben, darunter 151 Kinder. Hunderttausende weitere Menschen leiden unter den langfristigen körperlichen und psychischen Folgen des Hungers.

Ende 2025 und Anfang 2026 führte Israel ein neues Registrierungssystem für internationale Hilfsorganisationen ein und setzte es um. Dutzende Organisationen, darunter Oxfam, Ärzte ohne Grenzen (MSF), CARE und Action Against Hunger, warnten, dass die neuen Auflagen dazu führen könnten, dass sie ihre Arbeit im Gazastreifen einstellen müssten. Die Organisationen wiesen darauf hin, dass diese neuen israelischen Maßnahmen die humanitären Hilfsmaßnahmen untergraben würden, darunter die Lebensmittelversorgung, Suppenküchen und andere unverzichtbare Dienste.

Nach Beginn des völkermörderischen Angriffs Israels auf den Gazastreifen bauten Basisinitiativen und internationale Organisationen wie unter anderem die UNRWA und World Central Kitchen (WCK) ein Netzwerk von Suppenküchen im gesamten Gazastreifen auf. Während der israelische Angriff andauert, spielen diese Ausgabestellen eine immer wichtigere Rolle für das Überleben der Bewohner*innen des Gazastreifens. Allein WCK hat seit Oktober 2023 mehr als eine halbe Milliarde Dollar in Nahrungsmittelhilfe für den Gazastreifen investiert. Als Israel im März 2025 eine vollständige Blockade verhängte und damit die Hungersnot verschärfte, weitete WCK seine Aktivitäten im Gazastreifen auf etwa eine Million Mahlzeiten pro Tag aus. Für die meisten Familien stellten die Suppenküchen die einzige Mahlzeit des Tages dar. Auch wenn diese Mahlzeiten sowohl hinsichtlich ihrer Zusammensetzung als auch ihrer Menge keine vollständige Ernährung gewährleisten, spielen sie doch eine entscheidende Rolle bei der Linderung des Hungers und gehören nach wie vor zu den wenigen zivilen Hilfsmechanismen, die im Gazastreifen noch aktiv sind.

Im Mai 2026 begann WCK, seine Aktivitäten im Gazastreifen zurückzufahren, was zum Teil auf finanziellen Druck und die oben beschriebenen zusätzlichen Beschränkungen zurückzuführen war, die Israel den Hilfsorganisationen auferlegt hatte. Bis dahin betrieb WCK sechs Küchen: zwei in Gaza-Stadt, im Stadtteil al-Karamah und in der a-Shuhadaa-Straße im Stadtteil a-Rimal, zwei in Khan Yunis, im Stadtteil Asdaa und im Stadtteil al-Qararah, sowie zwei in Deir al-Balah im Stadtteil al-Musadar. Jede Küche bereitete täglich 250.000 bis 300.000 Mahlzeiten zu und versorgte damit etwa 300 Vertriebenenlager im gesamten Gazastreifen. WCK beschäftigte in seinen sechs Küchen etwa 1.800 Einheimische.

Ende April 2026 wurde die Küche in der a-Shuhadaa-Straße geschlossen, und ihre 60 Mitarbeiter*innen wurden in die verbleibenden WCK-Küchen in Gaza versetzt. Am 20. Mai 2026 entließ WCK 480 Mitarbeiter*innen, die seit Januar 2026 in den Küchen beschäftigt waren, und reduzierte den Betrieb. Am 22. Juni 2026 kündigte die Organisation die Schließung von zwei weiteren Küchen an, eine in Khan Yunis und eine in Deir al-Balah, und etwa 350 weitere Mitarbeiter*innen wurden entlassen.

Heute gibt es im Gazastreifen nur noch drei WCK-Küchen: die Zaytuna-Küche in Gaza-Stadt, die Salam-Küche in Deir al-Balah und die Damyan-Küche in Khan Yunis. Sie beschäftigen insgesamt etwa 1.000 Mitarbeiter*innen und produzieren zusammen nur etwa 200.000 Mahlzeiten pro Tag für mehr als zwei Millionen Bewohner*innen des Gazastreifens, die angesichts der anhaltenden Hungersnot ums Überleben kämpfen.

Die Bewohner*innen des Gazastreifens sind nach wie vor fast vollständig auf Suppenküchen angewiesen, die weiterhin lebenswichtige, wenn auch unzureichende Nothilfe leisten. Diese Küchen können weder eine langfristige Ernährungssicherheit gewährleisten noch ein stabiles System der Lebensmittelproduktion und -versorgung ersetzen. Dazu sind ein massiver Wiederaufbau der Infrastruktur, die Öffnung der Grenzübergänge und ein kontinuierlicher Zugang zu humanitärer Hilfe von außen erforderlich. Da die Infrastruktur nach wie vor in Trümmern liegt, bedeutet die Schließung der Suppenküchen einen weiteren Schlag für die Ernährungssicherheit im Gazastreifen, da die Gesundheit und das Überleben der Bewohner*innen dadurch noch stärker gefährdet werden.

 

 

Erfahrungsbericht von Hanin Abu Mandil

 

 

Hanin, eine 36-jährige Mutter von vier Kindern aus dem Flüchtlingslager al-Maghazi im Zentrum des Gazastreifens, berichtete vom Hunger ihrer Kinder und ihrer verlorenen Kindheit.

 

Aufgezeichnet von Olfat Al-Kurd für B’tselem, 07. Juni 2026

(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

„Es fällt mir schwer, über das Leid meiner Familie während des Krieges zu sprechen: mein Mann Jihad, 37, und unsere Kinder Nadine, 13, Jihad, 9, Omar, 7, und Fatimah, 3. Unsere Situation ist schmerzhaft und qualvoll. Seit Beginn des Krieges reißen die Luftangriffe und Schüsse nicht ab. Wir leben in der Nähe der vom israelischen Militär markierten gelben Linie, östlich des Flüchtlingslagers al-Maghazi.

Während des gesamten Krieges, der immer noch andauert, wurden wir wegen der Bombardements von Angst und Schrecken geplagt und fühlen uns gedemütigt und erniedrigt. Mein Mann und ich haben beide einen Hochschulabschluss, aber natürlich sind wir beide arbeitslos und finanziell sehr schlecht gestellt. Es ist schwer, das Leid hier zu beschreiben: endlose Stunden in der Schlange vor den Gemeinschaftsküchen zu stehen, um einen kleinen Teller mit Essen zu bekommen, der nicht ausreicht, um unseren Hunger zu stillen, oder um Wasser zu erhalten.

Seit Kriegsbeginn ist die Gegend um das Flüchtlingslager al-Maghazi gefährlich, weshalb wir innerhalb des Lagers mehrmals umziehen mussten. Jedes Mal wurde uns befohlen, einen Bereich zu räumen, und kurz darauf wurde dieser bombardiert. Zu Beginn des Krieges stillte ich Fatimah noch, doch aufgrund des Nahrungsmittelmangels und der hohen Preise auf dem Markt litt ich an Unterernährung und hatte Mühe, sie weiter zu stillen. Es gab auch einen Mangel an Säuglingsnahrung, und selbst wenn sie erhältlich war, waren die Preise extrem hoch und wir konnten sie uns nicht leisten. Auch Windeln verschwanden schnell aus den Geschäften und wurden sehr teuer, sodass ich stattdessen Stoffstücke verwenden musste. Infolgedessen entwickelte meine Tochter Infektionen und Hautpilzerkrankungen.

Im Januar 2024, als wir zum ersten Mal aus unserem Zuhause vertrieben wurden, war ich überrascht, Panzer am Beginn der Straße in der Nähe unseres Hauses zu sehen. Es war sehr kalt, und wir sind den ganzen Weg bis nach Deir al-Balah gelaufen. Wir nahmen nur ein paar Kleidungsstücke und Decken mit. Von dort aus reisten wir nach Rafah und blieben dort etwa anderthalb Monate. Nachdem sich das Militär aus dem Flüchtlingslager al-Maghazi zurückgezogen hatte, kehrten wir zurück. Als wir ankamen, war ich schockiert über das Ausmaß der Zerstörung. Unser Haus stand zwar noch, aber es hatte weder Fenster noch Türen und war beschädigt und verwahrlost. Trotzdem zogen wir es vor, zu Hause zu sein, anstatt in einem Zelt zu leben.

Nach unserer Rückkehr begann die Zeit des Hungers und der Mehlknappheit. Mein Mann ging zu den Hilfsverteilungsstellen, um Mehl zu holen. Wenn ich Brot backte, musste ich es vor den Kindern verstecken, damit ein Kilogramm Mehl für zwei oder drei Tage reichte. Wir waren wegen des Hungers gezwungen, so zu leben. Manchmal bekamen wir überhaupt nichts zu essen und gingen hungrig schlafen.

Wir Frauen in Gaza haben jegliches Gefühl für unsere Weiblichkeit verloren. Die Frauen hier stehen nun Schulter an Schulter mit den Männern in den Schlangen vor den Gemeinschaftsküchen und an den Wasserausgabestellen. Wir sind gezwungen, zu den Hilfszentren zu gehen, um das Nötigste zu beschaffen, das unsere Familien zum Überleben brauchen.

Meine Tochter Fatimah erlitt während des Krieges schwere Verbrennungen. Ich kochte gerade Wasser über dem Feuer, als ein Bombenangriff alles erschütterte und der Topf auf sie fiel. Sie erlitt Verbrennungen dritten Grades und brauchte lange, um sich davon zu erholen. Wenn ich sie ins Krankenhaus brachte, um ihre Verbände wechseln zu lassen, kam es vor, dass ich in Ohnmacht fiel, weil ich den schrecklichen Anblick nicht ertragen konnte. Als ich wegen meiner eigenen Unterernährung aufhören musste, sie zu stillen, weinte ich um sie. Ich legte ihr immer ein Stück Brot unter das Kopfkissen, damit sie etwas zu essen hatte, wenn sie morgens hungrig aufwachte. Manchmal brach ich ein Stück Brot in drei Teile, um ihren Hunger zu stillen. Auch ihre Geschwister gaben ihr etwas von ihrem Essen ab.

Wir überstanden diese Zeit mit Konserven wie Kichererbsen, Bohnen und Erbsen, die ich für die Kinder erhitzte, damit sie sich satt fühlten.

Seit dem Waffenstillstand hat sich nicht wirklich etwas geändert. Die Schießereien gehen weiter, Kugeln und Granatsplitter dringen in die Häuser ein, und fast jeden Tag befiehlt das israelische Militär den Menschen im Lager, ihre Häuser zu räumen. Auch der Hunger ist trotz der Medienberichte nicht wirklich vorbei. Die Gemeinschaftsküche ist nach wie vor unsere Hauptnahrungsquelle. Wir stehen abwechselnd in der Schlange für Essen und Wasser, und das ist unser Tagesablauf.

Oft sind es meine Söhne Jihad und ‘Omar, die zur Hilfsküche im Dorf al-Musader gehen, etwa zwei Kilometer von unserem Zuhause entfernt. Sie brechen gegen 6:00 Uhr morgens auf und kommen gegen 11:00 Uhr mit einem Teller Auberginen, Okra oder Erdäpfeln und manchmal Reis zurück – ganz ohne Fleisch. Sehr oft bekommen sie nicht genug für eine sechsköpfige Familie. Manchmal kommen sie mit leeren Händen zurück, wenn das Essen besonders knapp ist und mehr Menschen in der Schlange stehen als Mahlzeiten zur Verfügung stehen.

Am meisten schmerzt es, dass meine Kinder für Essen anstehen, anstatt zur Schule zu gehen. Es schmerzt, dass ihre schulische Zukunft verloren ist und sich ihre gesamte Welt darum dreht, an Essen und Wasser zu kommen. Außerdem ist das Essen aus den Suppenküchen von sehr schlechter Qualität und kaum für den menschlichen Verzehr geeignet. Vor etwa drei Monaten wurde der Betrieb der Küche in al-Musaddar zurückgefahren, und jetzt bekommen wir kaum noch Essen von dort. Manchmal kommen die Kinder mit völlig leeren Töpfen zurück.

Das Leben in Gaza ist sehr teuer. Wir gehen auf den Markt und können uns nichts leisten. Eines Tages haben wir einen Apfel und eine Banane gekauft und sie unter uns allen aufgeteilt. So sieht das Leben für die meisten Menschen in Gaza aus. Selbst Menschen mit einem Einkommen können aufgrund der Lebensmittelknappheit und der hohen Preise kaum überleben. Heute hat mich meine kleine Tochter Fatimah gebeten, ihr Pommes frites zu machen. Ich mache „Pommes frites“ aus Nudeln, und wenn keine Nudeln da sind, brate ich Brot mit Gewürzen. Selbst Brot ist bei uns zu Hause rationiert. Mein Sohn Omar teilt sein Fladenbrot immer in zwei Hälften, damit es den ganzen Tag reicht.

Meinen Kindern wurde das Recht genommen, zu lernen, zu spielen und so zu leben wie andere Kinder. Alle hier leiden furchtbar. Ich schäme mich, mit meinen Freund*innen und Verwandten über mein Leid zu sprechen, weil wir alle in derselben Situation sind – gebrochene und gedemütigte Menschen, die ihre Würde verloren haben. Unsere Würde wurde völlig mit Füßen getreten. Ich fühle mich sehr verzweifelt, habe aber niemanden, an den ich mich wenden kann, und niemanden, der mir zuhört. Mein ganzes Leben besteht aus Schmerz, Traurigkeit und Leid.“


 

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