Bürgermeister von Bethlehem: Netanjahu verzerrt die Realität der palästinensischen Christen


Der Bürgermeister von Bethlehem, Adv. Anton Salman, veröffentlichte gestern, am 15. Oktober 2018, eine Stellungnahme „in Bezug auf die Bemerkungen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu über Bethlehem und die Situation der palästinensischen Christen“. Netanjahu hatte am Sonntag beim Christian Media Summit, einem Treffen von christlichen JournalistInnen aus aller Welt in Jerusalem, in seiner Ansprache gemeint, dass „Israel das einzige Land im Nahen Osten“ sei, wo „die christliche Community gedeiht und wächst“. Netanjahu kritisierte die „Behandlung der Christen im palästinensischen Autonomiegebiet“, wo seinen Worten nach „genauso wie im gesamten Nahen Osten, Christen eingeschränkt, bedrängt und verfolgt werden“. Der Bevölkerungsanteil der Christen habe sich daher von achtzig auf zwanzig Prozent reduziert.


Inoffizielle Übersetzung von Passagen der Stellungnahme von Adv. Salman:


„Das gestrige Statement vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ist ein weiterer Versuch von Seiten Israels, die Realität der israelischen Besatzung und insbesondere die Auswirkungen der israelischen Politik auf die palästinensisch-christliche Bevölkerung seit 1948 zu verzerren“, so Bürgermeister Salman in seinem offenen Brief. „Wenn Netanjahu tatsächlich besorgt ist über die Situation der palästinensischen Christen, hierbei insbesondere in der Bethlehemer Umgebung, dann würde er jene 22,000 Dunum Land zurückgeben, die illegal für die Expansion der völkerrechtswidrigen israelischen Siedlungen annektiert wurden. Er würde die Mauer niederreißen, die Bethlehem zum ersten Mal seit 2000 Jahren Christentum von Jerusalem trennt, er würde aufhören, die Bewegungsfreiheit der PalästinenserInnen einzuschränken, so auch von jenen tausenden PalästinenserInnen in der Diaspora, deren Rückkehr aufgrund Israels Kontrolle der Registrierung der palästinensischen Bevölkerung unmöglich ist. Allein in Jordanien, nur wenige Kilometer von uns entfernt, leben mindestens 20 000 palästinensische Christen aus Bethlehem, denen die Familienzusammenführung verwehrt bleibt und die Bethlehem aufgrund der israelischen Restriktionen nicht einmal besuchen können, auch nicht, um Weihnachten zu feiern. (…)


Wir möchten Netanjahu dazu raten, Christen nicht länger dafür zu benutzen, die israelische Besatzung schön zu reden. Das Beste, was er für eine Zukunft in Frieden und Koexistenz, in der die christliche Bevölkerung wieder gedeiht, tun kann ist, seinen Verpflichtungen innerhalb des internationalen Rechts, inklusive Resolution 478 bezüglich Jerusalem und 2334 bezüglich Siedlungen, nachzukommen; die illegalen kolonialen Siedlungen und die Annexions-Mauer, die Bethlehem umgibt, abzureißen; die Besatzung von Palästina vollständig zu beenden und den Menschen die Rückkehr in ihre Städte zu erlauben. (…)


Ich möchte die Gelegenheit nutzen, alle Kirchen in Jerusalem als auch den Vatikan dazu aufzurufen, ihre Stimmen gegen den Missbrauch von Religion für politische Zwecke zu erheben. Es kann nicht mehr toleriert werden, dass die Bibel fälschlicherweise dazu genutzt wird, Verbrechen und Verletzungen – die entgegen der von Jesus Christus verbreiteten Werte stehen – zu rechtfertigen.“



Der Brief von Adv. Anton Salman im englischen Original:


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