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Anlässlich des Muttertags am 10. Mai: Die unermessliche Widerstandskraft der Frauen von Gaza

  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Die Frauen hier sind sowohl die Hauptversorgerinnen als auch die Hauptbetreuerinnen geworden und sorgen in Abwesenheit ihrer Ehemänner, Väter und Söhne für den Lebensunterhalt ihrer Familien.


Von Huda Skaik, The Nation, 7. Mai 2026

(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

Frauen verfügen über eine unschätzbare Stärke – eine Resilienz, die auf Überleben und nicht auf freier Entscheidung beruht –, und die Frauen in Gaza mussten besonders stark sein. Seit Beginn des Völkermords durch Israel im Oktober 2023 haben sie eine der schwersten humanitären Krisen der jüngeren Geschichte durchlebt.

Die Zahlen sind erschütternd: In den letzten zweieinhalb Jahren wurden in Gaza über 12.400 palästinensische Frauen getötet, dazu mehr als 18.500 Kinder. Diese Todesfälle sind nicht nur Statistiken – sie stehen für zerstörte Leben, zerrissene Familien und eine ganze Gemeinschaft, die im Schatten der Zerstörung lebt. Doch selbst angesichts solcher Brutalität geben die Frauen in Gaza nicht auf. Sie tragen ihre Gemeinschaften und dienen als Säulen der Ausdauer inmitten der Trümmer einer Gesellschaft, die fast vollständig ausgelöscht wurde.

Die Frauen hier sind sowohl zu den Hauptversorgerinnen als auch zu den Hauptbetreuerinnen geworden; sie sind dafür verantwortlich, Nahrung, Wasser und Unterkunft zu beschaffen, sich um die Verletzten zu kümmern und ihre Familien in Abwesenheit von Ehemännern, Vätern und Söhnen zu versorgen. Sie sind ständig gezwungen, qualvolle Entscheidungen zu treffen, da die Gesundheitssysteme zusammenbrechen und der Zugang zu medizinischer Versorgung stark eingeschränkt ist. Familien kämpfen darum, für verletzte oder chronisch kranke Kinder eine Behandlung zu erhalten, während die Krankenhäuser überlastet sind und es zu kritischen Versorgungsengpässen kommt. Anhaltende Gewalt, eingeschränkter Zugang zu Notfalldiensten und der Mangel an Ausrüstung für das Zivilschutzteam haben in einigen Fällen dazu geführt, dass Familien ihre Angehörigen nicht rechtzeitig erreichen oder ihnen helfen konnten.

Doch in überfüllten Vertriebenenlagern, in Unterkünften, die den Elementen schutzlos ausgeliefert sind, und in Behelfsunterkünften, die kaum Schutz bieten, halten sie durch – nicht aus freier Wahl, sondern weil es keine Alternative gibt. Es sind Mütter, die ihre Kinder bei Amputationen ohne Betäubung trösten, Töchter, die ihre Eltern begraben, und Ehefrauen, die die unerträgliche Trauer über den Verlust ihres Mannes durch einen einzigen Luftangriff tragen. Ihr Leid ist sowohl körperlicher als auch psychischer Natur, doch sie kümmern sich weiterhin um die nächste Generation, selbst wenn ihre eigenen Körper vor Erschöpfung versagen.

Frauen aus Gaza stehen stundenlang mit ihren Säuglingen in der Schlange, um Wasser zu holen. Sie suchen in Krankenhäusern nach ihren vermissten Söhnen. Sie erinnern sich an die Namen ihrer Toten und beten für sie, damit ihre Kinder nicht zu bloßen Zahlen verkommen. Sie bringen ihren verbliebenen Kindern weiterhin das Lesen bei, das Beten und die Hoffnung – selbst wenn die Zukunft in Gaza ungewiss erscheint.

Krankenhäuser und Notunterkünfte sind zu Orten geworden, an denen die Mutterschaft immer wieder auf die Probe gestellt wird. Frauen gebären ohne Schmerzmittel, ohne Betäubung und ohne angemessene medizinische Versorgung, manchmal auf dem Boden von Krankenhäusern oder in überfüllten Klassenzimmern, die zu Notunterkünften umfunktioniert wurden. Neugeborene kommen in eine Welt voller Unterernährung und Hunger, verschmutztem Wasser und unerbittlicher Bombardements. Für viele Frauen endet die Angst nicht mit der Geburt, sondern beginnt erst damit.

Die Vertreibung hat den Frauen noch mehr Stabilität, Privatsphäre und Sicherheit geraubt. Frauen tragen die Verantwortung dafür, ihre Kinder zu beschützen, während Zelte unter winterlichem Regen oder sommerlicher Hitze zusammenbrechen, die sanitären Einrichtungen versagen und Krankheiten sich ausbreiten. In Zelten und Notunterkünften sind grundlegende Verrichtungen – Waschen, Menstruation, Stillen – zu einem täglichen Kampf geworden. Mädchen werden zu schnell erwachsen und lernen Angst, bevor sie Freiheit erfahren.

Die psychische Belastung ist erdrückend. Von den Frauen in Gaza wird erwartet, dass sie die Last der Trauer, des Traumas und der Verantwortung tragen und gleichzeitig für ihre Kinder einen Anschein von Normalität aufrechterhalten. Sie ertragen den emotionalen Schmerz, ihre Angehörigen still zu begraben, damit andere öffentlich trauern können. Und trotz alledem halten sie durch – nicht aus angeborener Widerstandskraft, sondern weil ein Zusammenbruch keine Option ist. Zu wanken bedeutet, die vollständige Auslöschung eines Volkes und einer Kultur zu riskieren.

Viele Frauen in Gaza mussten mehrere Rollen gleichzeitig übernehmen und wurden über Nacht zu Alleinerziehenden. Andere haben ihre gesamte Familie verloren. Einige, wie die Kinderärztin Dr. Alaa Al-Najjar, haben das Unvorstellbare überlebt – sie verlor neun Kinder und ihren Ehemann bei einem einzigen Luftangriff –, setzte aber ihr Engagement für ihre Arbeit als Ärztin fort.

Amal Ammar, die Ehefrau des Journalisten Yahya Sobeih, der von der israelischen Besatzungsmacht getötet wurde, zieht ihre Kinder nun alleine groß. Baraa, Kennan und Sanaa wachsen jeden Tag heran und vermissen ihren Vater Yahya. Wie sie wurden auch die Ehefrauen der Journalisten Ismail Al-Ghoul, Anas Al-Sharif und Roshdi Sarraj durch gezielte Tötungen in die Rolle der alleinerziehenden Mütter gedrängt – eine Realität, die unzählige andere Frauen teilen, deren Leben durch den Völkermord unwiderruflich verändert wurde.

Inmitten all dessen haben sich einige Frauen zudem der gefährlichen Aufgabe gestellt, den andauernden Völkermord zu dokumentieren. Palästinensische Journalistinnen, die in einem der für Reporter*innen gefährlichsten Umfelder der Welt arbeiten, berichten weiterhin von dem Leid um sie herum. Sie berichten aus den Trümmern, aus überfüllten Notunterkünften und aus Krankenhäusern, die kurz vor dem Zusammenbruch stehen, während sie gleichzeitig die Trauer über ihre eigenen persönlichen Verluste mit sich tragen. Ihre Rolle ist entscheidend – nicht nur für ihre Gemeinschaft, sondern für die Welt, die die Zerstörung Gazas allzu oft ignoriert hat. Diese Frauen schwingen Kameras, Mikrofone und Stifte anstelle von Waffen, und doch wurde ihr Mut mit Gewalt beantwortet. Viele wurden getötet, während sie die Gräueltaten um sich herum dokumentierten, doch ihre Geschichten leben weiter und sorgen dafür, dass das Leid Gazas nicht in Vergessenheit gerät.

Eine der mutigsten Persönlichkeiten unter ihnen ist Mariam Abu Daqqa, deren Stimme zu einem Symbol für Entschlossenheit und Wahrheit geworden ist. Trotz ständiger Bombardements berichtet sie weiterhin über die Realitäten des Lebens unter Belagerung und dokumentiert das Grauen, damit die Welt es sehen kann. Doch sie ist nicht allein. Journalistinnen in ganz Gaza arbeiten trotz überwältigender Gefahr weiter, wohl wissend, dass Schweigen ihr Leiden nur noch weiter verlängern würde.

Die Frauen in Gaza überleben nicht nur einen Völkermord – sie klammern sich an einen zerbrechlichen Hoffnungsschimmer. Sie sind die Stärksten, weil sie bereits alles gegeben haben, um ihre Familien am Leben zu erhalten. Für sie bleibt die Frage: Wie lange müssen sie diese Last noch tragen? Wie lange müssen sie das Unerträgliche noch ertragen, während die Welt wegschaut?

Während die internationale Gleichgültigkeit anhält, setzen die Frauen von Gaza ihren Kampf fort – nicht nur um ihr Überleben, sondern um eine Zukunft, die immer ungewisser erscheint. Sie tun dies mit außergewöhnlichem Mut, angetrieben nicht von Hoffnung, sondern von dem unerbittlichen Willen, ihre Familien und ihr Volk am Leben zu erhalten, an einem Ort, an dem sich jeder Tag wie ein Kampf ums nackte Überleben anfühlt.

 

Huda Skaik ist Anglistikstudentin und Journalistin in Gaza.


 

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