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Neuer B'tselem-Bericht: Auszüge, Zahlen und Daten aus „The Elimination Project“

vor 2 Tagen
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Stunden

„Wie viele Beweise brauchen Sie noch, bevor Sie handeln? Seit fast drei Jahren baut Israel systematisch die Voraussetzungen für eine kollektive Existenz der Palästinenser im Westjordanland ab. Das ist das „Eliminierungsprojekt“. Und damit kommen wir zur Verantwortung der internationalen Gemeinschaft. Erklärungen schützen niemanden, solange sie nicht in Taten umgesetzt werden. Jeder Tag ohne sinnvolle Maßnahmen gibt Israel mehr Zeit, dieses Projekt zu vertiefen und eine Umkehrung zu erschweren. Zeit ist eine der wichtigsten Ressourcen, die die internationale Gemeinschaft Israel gewährt.“

Yuli Novak, Leiterin der Organisation B’tselem, auf der Pressekonferenz zur Veröffentlichung des neuen Berichts „The Elimination-Project“, 15. September 2026

 

 

The Elimination Project – Zusammenfassung, B’tselem, September 2026

(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

„Um die Realität zu verstehen, die sich derzeit im Westjordanland abzeichnet, ist es notwendig, die ideologischen Wurzeln und Herrschaftsstrukturen zu untersuchen, auf denen dieser israelische Mechanismus der Auslöschung beruht. Der Begriff „Logik der Auslöschung“, geprägt vom australischen Historiker Patrick Wolfe, beschreibt, wie ein kolonialistisches Siedlungsprojekt darauf abzielt, die Existenz der indigenen Bevölkerung als Kollektiv und seine Verbindung zum Land zu schwächen, zu zerschlagen und zu beseitigen. Die Auslöschung kann durch direkte Maßnahmen zur Verringerung der indigenen Präsenz erfolgen, darunter Tötung, Vertreibung und die Beschränkung auf kleine Enklaven. Sie kann jedoch auch die Form eines fortwährenden Mechanismus annehmen, der rechtliche, planerische, wirtschaftliche und geografische Maßnahmen nutzt, um Flüchtlinge an der Rückkehr zu hindern, Menschen ihres Landes zu enteignen, Gemeinschaften zu zersplittern, Bewegungsfreiheit zu kontrollieren und soziale sowie politische Institutionen anzugreifen. Diese Maßnahmen wirken zusammen, um die Voraussetzungen zu zerstören, die für die indigene Bevölkerung notwendig sind, um ihre kollektive Existenz auf dem Land aufrechtzuerhalten.“ (S. 3)

„Das zionistisch-israelische Projekt weist die wesentlichen Merkmale des Siedlerkolonialismus auf: die Etablierung jüdisch-israelischer Souveränität in einem Raum, der von einer indigenen palästinensischen Bevölkerung bewohnt wird, bei gleichzeitiger Untergrabung der palästinensischen Existenz durch Marginalisierung, Vertreibung, Enteignung und Zersplitterung. Die Definition des zionistisch-israelischen Projekts als Siedlerkolonialismus leugnet weder die historischen, religiösen und kulturellen Verbindungen der Jüdinnen Juden zu diesem Raum noch die fortwährende Präsenz einer jüdischen Gemeinschaft dort oder die lange Geschichte der Verfolgung, Vertreibung und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden. Die Frage, die sich in Bezug auf das zionistisch-israelische Projekt stellt, ist nicht, ob eine jüdische Verbindung zu diesem Raum besteht, sondern betrifft die Art und Weise, wie das zionistische Projekt darauf abzielte, eine exklusive jüdisch-israelische Souveränität in einem Raum zu etablieren, in dem Palästinenser*innen lebten und weiterhin leben.“ (S. 4)

„Das in diesem Bericht ausführlich beschriebene Projekt der Auslöschung im Westjordanland vollzieht sich innerhalb der Strukturen dieses Regimes durch einen zweigleisigen Prozess: Israel zerstört die palästinensische Existenz und gestaltet gleichzeitig den Raum neu, um die israelische Kontrolle und Präsenz auszuweiten und zu institutionalisieren. Land und Ressourcen werden in israelische Kontrolle überführt; Siedlungen, Außenposten und landwirtschaftliche Betriebe breiten sich aus; und die Systeme in den Bereichen Recht, Planung, Infrastruktur und Finanzierung etablieren eine zusammenhängende, dauerhafte israelische Präsenz. Die beiden Prozesse sind miteinander verflochten: Die Zerschlagung der palästinensischen Existenz ermöglicht die Ausweitung der israelischen Kontrolle und Präsenz, während diese Ausweitung die Vertreibung und Zersplitterung der palästinensischen Bevölkerung verfestigt und vertieft.“ (S.5)

„Die derzeitige Eskalation im Westjordanland vollzieht sich parallel zu dem Völkermord, den Israel an den Palästinenser*innen im Gazastreifen begeht. In Gaza hat die Logik der Auslöschung ihre extremste Form angenommen; im Westjordanland manifestiert sie sich in anderen Formen, und zwar durch die fünf im Bericht beschriebenen Handlungsfelder. Diese beiden Schauplätze sind nicht voneinander getrennt. Die Normalisierung der Massenmorde und der massiven Zerstörung, die Israel dem Gazastreifen zufügt, hat die Grenzen der Gewalt, die als legitim angesehen und vom israelischen Regime gegen Palästinenser*innen eingesetzt wird, dramatisch erweitert.“ (S. 5)

 

. . . .

 

1,087

Anzahl der Palästinenser*innen, die zwischen 7. Oktober 2023 und 30. Juni 2026 von Israel im Westjordanland getötet wurden, darunter 242 Kinder und 21 Frauen


64

Anzahl der gesamten Hirtengemeinden, die seit Oktober 2023 im Westjordanland gewaltsam vertrieben wurden


31,3 %

Arbeitslosenquote im Westjordanland im Jahr 2024, gestiegen von 13,1 % im Jahr 2022


8 bis 20 %

Anteil der im Schuljahr 2023/24 geschlossenen Schulen im Westjordanland


33.000

Anzahl jener palästinensischer Bewohner*innen, die aus ihren Häusern in den Flüchtlingslagern Jenin, Tulkarm and Nur Shams – ohne die Möglichkeit, zurückzukehren – vertrieben wurden


1.000.000

Anzahl der Dunum Land (Stand Juli 2026), die Israel seit 1967 mithilfe von Siedlern unter seine Kontrolle gebracht hat; dies entspricht einer Fläche von 100 000 Hektar


925

Anzahl der neuen Bewegungssperren und Checkpoints


32

Anzahl der Gefangenen aus dem Westjordanland, die in israelischen Gefängnissen getötet

wurden


185

Anzahl der neu errichteten Siedlungen und Außenposten


60

Anzahl der von Israel verhafteten palästinensischen Journalist*innen aus dem Westjordanland


2.427

Anzahl der Beschwerden, die gegen israelische Soldat*innen wegen Übergriffe auf Palästinenser*innen und deren Eigentum bei den militärischen Strafverfolgungsbehörden eingereicht wurden, in nur 22,7% der Fälle davon wurden überhaupt Ermittlungen eingeleitet


0,9%

Anzahl der Fälle, in denen davon Anklage erhoben wurde


93,6 %

aller zwischen 2005 und 2025 eröffneten Ermittlungsakten gegen Israelis aufgrund von Fällen von Gewalt gegen Palästinenser*innen endeten ohne Anklage. Nur 3 % führten zu einer vollständigen oder teilweisen Verurteilung. Straffreiheit beschränkt sich nicht auf die Bestrafung im Nachhinein. Sie schafft Bedingungen, unter denen Täter*innen davon ausgehen können, dass das System hinter ihnen steht, und ermöglicht so die Fortsetzung der Gewalt.

 

 

Vollständiger Bericht, alle Graphiken und Zeug*innenaussagen abrufbar unter:

The Elimination Project, B’tselem, September 2026



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