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Der Minister für Krätze ist noch lange nicht fertig damit, die israelische Gesellschaft in den Abgrund zu reißen

vor 4 Tagen
4 Min. Lesezeit

Überbelegung, Schmutz und medizinische Vernachlässigung haben unter palästinensischen Gefangenen eine Krätze-Epidemie ausgelöst – und Itamar Ben-Gvir hat geschworen, die Bedingungen noch weiter zu verschlechtern.


Von Amira Hass, Haaretz, 15. September 2026

(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

Ein Hausarzt aus Ramallah, der 71-jährige Dr. Mazen Rantisi, der am 21. Juni wegen des „Verbrechens“ verhaftet wurde, ehrenamtlich für eine alteingesessene palästinensische Organisation tätig zu sein, die kostenlose medizinische Versorgung anbietet, wurde in eine Isolationsstation im Ganot-Gefängnis im Negev verlegt. Doch er wurde nicht als Strafe dorthin gebracht; er wurde in die Isolationsstation für Palästinenser*innen verlegt, die sich während ihrer Haft in einem israelischen Gefängnis mit der Hautkrankheit Krätze angesteckt haben.

Ein palästinensischer Häftling, der zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, erzählte mir bei seiner Entlassung vor etwa einem Jahr, dass auch er sich in den letzten Monaten seiner Haft mit dieser Krankheit angesteckt hatte. „18 Jahre lang war ich ein Gefangener in einer Gefängniszelle“, sagte er. „Mit Krätze wurde ich zu einem Gefangenen in meinem eigenen Körper.“

Er hatte keine Möglichkeit, dem quälenden Juckreiz, dem hartnäckigen Ausschlag, den Pickeln, den kleinen Bläschen oder den Folgeinfektionen zu entkommen, die sich ausbreiteten, weil die Gefängnisbehörden ihm nicht rechtzeitig eine angemessene Behandlung zukommen ließen. Das Gleiche gilt für Tausende anderer palästinensischer Häftlinge.

Die Krankheit wird durch winzige Milben verursacht, die gerade einmal einen Viertel Millimeter lang sind. Die Milben graben mit ihrem Mund und ihren Vorderbeinen Gänge und Tunnel in die Haut. In diesen Tunneln legen sie dann ihre Eier ab.

Damit diese Milben jedoch auftreten und ihre Aufgabe – sich einzunisten, zu vermehren und Juckreiz zu verursachen – erfolgreich erfüllen können, benötigen sie eine geeignete Umgebung – nämlich jene Bedingungen, die der israelische Strafvollzugsdienst gemäß der Anweisung des Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, absichtlich geschaffen hat, um die Haftbedingungen in Bezug auf Verpflegung, die Möglichkeit zur Aufrechterhaltung von Sauberkeit und guter Hygiene, die Anzahl der Quadratzentimeter pro Person sowie medizinische Vernachlässigung zu verschlechtern.

Erhalten Dr. Rantisi und seine Leidensgenossen derzeit die notwendige Behandlung für diese Hautkrankheit, abgesehen davon, dass sie isoliert sind? Seine Familie weiß es nicht. Nur durch Zufall erfuhren sie, dass er nach Ganot in der Nähe von Mitzpeh Ramon im Süden Israels verlegt worden war: Der Anwalt, der ihn im Ofer-Gefängnis in der Nähe der Siedlung Givat Ze’ev im Westjordanland besuchen wollte, wurde mit der Begründung abgewiesen, der Häftling sei nicht dort. Und nur durch Zufall erfuhr seine Familie, dass Dr. Rantisi krank war: Der Antrag des Anwalts auf ein Treffen mit ihm an seinem neuen Haftort wurde wegen seiner Hautkrankheit abgelehnt. Das war vor etwa 12 Tagen.

Doch selbst wenn sich Dr. Rantisi wieder erholt, wird seine Familie ihn nicht sehen können. Familienbesuche sind verboten. Schon vor dem 7. Oktober 2023 fanden die Behörden Wege, diese einzuschränken.

Noch während seines Aufenthalts in Ofer berichtete Dr. Rantisi einer Anwältin des „Public Committee Against Torture in Israel“ von den skandalös unhygienischen Zuständen. Die Gefängnisbehörden machten es den Häftlingen unmöglich, sich sauber zu halten, erklärte er ihr. Abgesehen von der beispiellosen Überbelegung (zum Beispiel zehn Häftlinge in einer Zelle, die für sechs Personen ausgelegt ist), der hohen Luftfeuchtigkeit und der mangelnden Belüftung erhalten sie keinerlei Wechselkleidung (abgesehen von zwei Paar Unterhosen). Es gibt weder Reinigungsmittel für den Boden noch Besen, Wischmopp oder Lappen. Alle Insassen teilen sich ein und dasselbe Stück Seife, dessen Gestank furchtbar ist; es gibt kein Waschmittel (der Strafvollzugsdienst erklärte damals, all diese Aussagen seien Verleumdungen).

Aus allen Gefängnissen kommen identische Berichte über unhygienische Bedingungen, denen die Insassen ausgesetzt sind. Der für Krätze zuständige Minister Itamar Ben-Gvir besuchte Damoun, ein Frauengefängnis in der Nähe von Haifa, an einem nicht bekannten Tag im August. Laut einem Bericht auf der Website des Öffentlichen Komitees gegen Folter wurden die palästinensischen Insassinnen mit gefesselten Händen vor ihn geführt.

Trotzdem wagten sie es, ihm zu sagen, dass sie nicht genug Wasser und nicht genügend Möglichkeiten zum Duschen hätten, dass ihnen medizinische Versorgung verweigert werde und dass die Wärter sie gewaltvoll behandelten. Dem Bericht des Komitees zufolge kündigte Ben-Gvir an, er beabsichtige, die Haftbedingungen noch weiter zu verschlechtern und sie auf „das absolute Minimum“ zu reduzieren.

Auf welchen neuen Tiefpunkt will Ben-Gvir die israelische Gesellschaft führen? Auf welchen neuen Tiefpunkt krimineller Gehorsamkeit ist die Strafvollzugsbehörde bereit, sich zu begeben? Zusätzlich zu den unhygienischen Bedingungen und der Überbelegung, die Krankheiten begünstigen, sorgen die Gefängnisbehörden bereits dafür, palästinensische Häftlinge auf zahlreiche andere Weisen zu misshandeln.

Dazu gehören widerwärtiges Essen in kargen Mengen; das Zwingen der Häftlinge, während der vier mal täglich stattfindenden Zählungen und beim Transport innerhalb des Gefängnisses schmerzhafte, demütigende Körperhaltungen einzunehmen; plötzliche Razzien der Wärter*innen in den Zellen, die von Schlägen und Tritten, Tränengas und Beschimpfungen begleitet werden; die Beschlagnahmung von Matratzen während des Tages; die Verkürzung der Zeit im Hof; sowie ein Verbot des Lesens, Schreibens, Radiohörens oder Fernsehens.

Derzeit sind mehr als 9.000 Palästinenser*innen in israelischen Gefängnissen inhaftiert. Doch laut Daten, die dem HaMoked-Zentrum für die Verteidigung des Einzelnen vorliegen, waren bis Ende Juli nur etwa 1.500 vor Gericht gestellt und verurteilt worden. Der Rest besteht aus Administrativhäftlingen (d. h. Personen, die ohne Gerichtsverfahren festgehalten werden), Häftlingen, deren Verfahren noch nicht abgeschlossen sind oder noch nicht begonnen haben, sowie Bewohner*innen des Gazastreifens, die als unrechtmäßige Kämpfer eingestuft werden.

Israel hat den Grundsatz „unschuldig bis zum Beweis der Schuld“ gegenüber Palästinenser*innen noch nie beachtet. Darüber hinaus lässt sich darüber streiten, ob die Begriffe „Verbrechen“ und „Schuld“ im Kontext einer illegalen militärischen Besatzung und Unterdrückung, die bereits seit 60 Jahren andauert, überhaupt zutreffend sind. Doch unabhängig davon haben rechtliche Definitionen und die Schwere der Anklagen oder Verurteilungen nichts mit der Tatsache zu tun, dass die Gefängnisbehörden und die Justiz verpflichtet sind, Haftbedingungen zu gewährleisten, die dem Begriff „menschlich“ gerecht werden.

Mehr als 9.000 inhaftierte Palästinenser*innen leben unter Bedingungen täglicher Folter, die von den Israelis bewusst geschaffen wurden – angefangen bei Kabinettsminister*innen über Gefängnisbeamt*innen, Militärrichter*innen und Gefängnisärzt*innen, die wegsehen, bis hin zu den rangniedrigsten Gefängniswärter*innen. Sie alle spiegeln unsere Gesellschaft wider.



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