Druck seitens Israels bringt eine wichtige Organisation zum Schweigen, die sich für palästinensische Kinder einsetzt
- 9. Apr.
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Kinderrechtsorganisation Defence for Children International-Palestine (DCIP) schließt nach jahrelanger Verfolgung durch die israelische Regierung.
Von Bill Van Esveld, Human Rights Watch, 9. April 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Seit seiner Gründung im Jahr 1991 war die Organisation „Defense for Children International-Palestine“ (DCIP) eine der zuverlässigsten Informationsquellen über das Leben palästinensischer Kinder unter israelischer Besatzung. Am 7. April stellte die Organisation jedoch ihre Arbeit ein, aufgrund von, wie sie mitteilte, „Herausforderungen, die sich aus der gezielten Kriminalisierung palästinensischer Menschenrechtsorganisationen durch Israel ergeben“. Es ist ein Beweis für das Engagement seiner Mitarbeiter*innen, dass DCIP so lange durchgehalten hat.
Das israelische Militär verbot DCIP und fünf weitere palästinensische Menschenrechts- und zivilgesellschaftliche Organisationen im Jahr 2021 und erklärte sie zu „terroristischen Organisationen“. Die Vorwürfe des Militärs waren unbegründet – wie internationale Menschenrechtsorganisationen, die Vereinten Nationen und Regierungen, die sie untersuchten, feststellten –, aber sie waren schwer zu bekämpfen, da sie, wie so oft bei Strafverfahren des israelischen Militärs, auf „geheimen Beweisen“ beruhten.
Europäische Staaten setzten ihre Finanzhilfen für die Organisation aus, benötigten mehr als ein Jahr, um die israelischen Vorwürfe zu untersuchen, und kamen schließlich zu dem Schluss, dass diese unbegründet waren. Einen Monat, nachdem die Europäische Union ihre Untersuchung abgeschlossen hatte, stürmten israelische Streitkräfte die Büros von DCIP in Ramallah, beschlagnahmten Ausrüstung und Kundenakten und schweißten die Türen zu. Wie DCIP feststellen musste, hüllten sich die Vereinigten Staaten in Schweigen.
Es ist nicht schwer zu erkennen, warum DCIP ins Visier geriet. Tag für Tag, seit Jahrzehnten, dokumentiert DCIP Misshandlungen von Kindern durch das israelische Militär, von willkürlichen Verhaftungen, Folter, erzwungenen Geständnissen und unfairen Gerichtsverfahren bis hin zum unnötigen Einsatz tödlicher Gewalt. Die Arbeit der Organisation floss in einen UNICEF-Bericht aus dem Jahr 2013 ein, der feststellte, dass „die Misshandlung palästinensischer Kinder im israelischen Militärhaftsystem weit verbreitet, systematisch und institutionalisiert ist“.
Die Berichte von DCIP haben entscheidend dazu beigetragen, israelische Übergriffe auf Kinder ins Rampenlicht zu rücken, und viele davon haben weltweite Aufmerksamkeit und Empörung hervorgerufen. Ein solcher Fall ist der von Mohammed Bani Odeh (5), seinem Bruder Othman (6) und ihren Eltern Wa’ad und Ali, die letzten Monat von einem Weihnachtseinkauf auf dem Heimweg waren, als israelische Streitkräfte ihr Auto mit Kugeln durchsiebt und sie alle getötet haben. Wie DCIP feststellte, wurden zwei weitere Brüder, der 8-jährige Mustafa und der 11-jährige Khaled, verwundet, überlebten jedoch. Als sie aus dem Auto taumelten, schlugen israelische Streitkräfte auf sie ein.
In unzähligen Fällen wären die Misshandlungen palästinensischer Kinder – deren Leben vorzeitig beendet und deren Leichen ihren Familien vorenthalten wurden – ohne die unschätzbare Dokumentations- und Berichterstattungsarbeit von DCIP möglicherweise nie ans Licht gekommen. Die Zahl der Kinder, die von israelischen Streitkräften sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland gewaltsam vertrieben, willkürlich inhaftiert und getötet werden, ist außerordentlich hoch. Andere kriminalisierte und ins Visier genommene palästinensische Menschenrechtsorganisationen halten irgendwie immer noch durch. Diese unverzichtbaren Botschafter, wie DCIP, werden heute mehr denn je gebraucht.




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