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„Dunkelheit, Flammen, Schreie“: Palästinensisches Dorf von israelischen Siedlern terrorisiert

  • vor 4 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Bei einem nächtlichen Pogrom durch Dutzende Siedler wurden im abgelegenen Dorf Tuba im Westjordanland Bewohner*innen verletzt, Häuser niedergebrannt und Solaranlagen zerstört.


Von Basel Adra, +972Mag, 7. August 2026

(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

Die WhatsApp-Nachricht traf am Mittwoch um 21:50 Uhr ein. Es war ein verzweifelter Hilferuf von Hamza Abu Jundiya, einem 22-Jährigen aus dem Dorf Tuba in Masafer Yatta: „Die Siedler zünden die Häuser an.“

Um 22:11 Uhr folgte eine weitere Nachricht: „Schickt Krankenwagen und Feuerwehrleute. Es gibt verletzte Kinder und Häuser brennen.“

Diese wenigen Worte fassen den Horror zusammen, der sich in dieser Nacht in dem kleinen Dorf am südlichen Rand des besetzten Westjordanlands abspielte. Es war bereits zuvor Ziel von Brandanschlägen durch israelische Siedler gewesen, doch diesmal schien es sich um ein Ereignis von ganz anderem Ausmaß zu handeln.

Die Anfahrt nach Tuba ist nie einfach. Die unbefestigte Straße, die zum Dorf führt, ist durch die Winterregenfälle beschädigt und ausgewaschen, da es den Palästinenser*innen verboten ist, sie zu reparieren; jede derartige Maßnahme würde in einem Gebiet, in dem Baugenehmigungen unmöglich zu bekommen sind, als „illegaler Bau“ gelten. Im besten Fall dauert die Fahrt etwa 30 Minuten.

Von meinem Heimatdorf At-Tuwani aus dauerte es früher nur fünf bis zehn Minuten. Doch die Errichtung des Außenpostens Havat Ma’on und der Siedlung Ma’on hat uns den direkten Zugang zur Straße abgeschnitten, sodass Tuba bei jedem Ausbruch von Gewalt zunehmend isoliert ist.

Für die Familien, die in jener Nacht in ihren Häusern gefangen waren, erschien jede verstreichende Minute endlos. Rana Maghnam, 37, saß mit ihrer 7-jährigen Stieftochter Razan im Gästezimmer, als der Angriff begann. „Ich schaute aus dem Fenster und sah eine Gruppe von Siedlern den Hügel hinunterrennen“, berichtet sie. „Ich trat nach draußen, und der erste Siedler, der unser Haus erreichte, kam direkt auf uns zu. Er trug einen Stock und begann sofort, auf mich einzuschlagen, während mein Mädchen sich hinter mir versteckte. Wir rannten in ein anderes Zimmer, um uns in Sicherheit zu bringen, aber der Siedler folgte uns“, so Maghnam. „Razan wurde von einem Stein getroffen, der von außerhalb des Hauses geworfen wurde und sie an der Nase und der Oberlippe traf. Dann holte der Siedler uns wieder ein und schlug mich auf den Kopf und den Arm.“

Durch den Angriff erlitt Maghnam gebrochene Finger an der rechten Hand und eine tiefe Kopfwunde, die mit acht Stichen genäht werden musste. Sie wurde in ein Krankenhaus in der nächstgelegenen Stadt Yatta gebracht, wo sie notärztlich versorgt wurde. Doch auch lange nachdem die Wunden genäht worden waren, ließen sich die Erinnerungen an jene Nacht nicht auslöschen. Es fällt ihr immer noch schwer, die Angst zu beschreiben, die sie empfand, als Dutzende israelischer Siedler in ihr Dorf einfielen. „Es war eine schreckliche Nacht. Überall hallten Schreie, Weinen, das Geräusch von Schlägen und zerbrechendem Glas wider. Flammen schlugen aus dem [Gäste-]Zimmer empor, in dem wir gesessen hatten, und Rauch drang in den Raum, in dem wir uns versteckt hatten, nachdem sie die Stühle, Sofas und Holzmöbel vor dem Haus in Brand gesteckt hatten.“

Als endlich das Tageslicht anbrach, zeigte sich das ganze Ausmaß der Zerstörung: Drei Häuser waren bis zur Unkenntlichkeit niedergebrannt. Das Stromnetz des Dorfes war durch die Brände schwer beschädigt worden, und die Siedler hatten etwa zwei Dutzend der Solarmodule des Dorfes zerschlagen. Fünf Bewohner*innen, darunter drei Kinder, wurden verletzt.

Auf ihrem Weg aus dem Dorf hatten die Siedler die Worte „1:0 für die Juden“ auf Hebräisch auf den Schafstall einer Familie gesprüht – eine Botschaft, die die Bewohner*innen nicht nur als Vandalismus, sondern als Jubelfeier über ihr Leid empfanden.

 

„Sie haben das Haus in Brand gesteckt, während ich noch drinnen war.“

Am nächsten Morgen war in einem der ausgebrannten Häuser alles schwarz geworden. Geschmolzene Stromkabel hingen von der Decke. Der Boden war mit Asche bedeckt. Der Kühlschrank war nur noch eine verbogene Metallhülle. Selbst 15 Stunden nach dem Brand war der Rauchgeruch so überwältigend, dass das Atmen schwerfiel.

Die 17-jährige Sujood Mahmoud Awad steht in den Überresten des Hauses ihrer Familie und beschrieb, was sie in der Nacht zuvor erlebt hatte. „Ich saß im Haus, als ich draußen Geräusche hörte. Ich schaute auf und sah, wie Siedler Steine gegen die Fenster warfen. Ich rannte ins Badezimmer und versteckte mich. Ich rief meinen Vater, der im Nebenzimmer schlief. Mein Bruder Joud, der elf Jahre alt ist, schlief in seinem Zimmer. Ein Siedler packte ihn am Hals, würgte ihn und warf ihn nach draußen. Sie kamen zurück ins Haus. Ich konnte hören, wie Dinge zerstört wurden. Sie warfen den Kühlschrank und die Waschmaschine auf den Boden und steckten dann das Haus in Brand, während ich noch drinnen war und vor Angst zitterte.“

In diesem Moment war sie sich nicht sicher, ob sie das jemals lebend überstehen würde. „Ein Siedler fing an, gegen die Badezimmertür zu schlagen. Die Tür schlug mir ins Gesicht und ich fiel zu Boden. Als die Siedler endlich gingen, füllte dichter Rauch das Haus. Das Feuer breitete sich rasch von Raum zu Raum aus. Ich rannte voller Angst nach draußen, konnte aber nicht atmen. Wegen des Rauchs brach ich vor dem Haus zusammen.“

Ihr Vater, Mahmoud Awad, erwachte zu dem, was er als den schlimmsten Albtraum aller Eltern beschreibt. „Unser Haus brannte, ebenso wie das Haus meines Bruders Mohammad, zwei Heulager und ein Zelt, das wir als Abstellraum nutzten. Ich eilte los, um meine Kinder zu suchen. Ich hatte drei Feuerlöscher, aber zwei davon funktionierten nicht. Ich versuchte alles, um das Feuer zu löschen, aber es gelang mir nicht. Wir haben nicht die Feuerlöschausrüstung, die wir brauchen.“

Hilflos musste er zusehen, wie das Dorf von Dunkelheit verschlungen wurde. „Der Strom fiel aus, und das Dorf versank in völliger Dunkelheit. Es gab nur Rauch, Flammen, Weinen und Schreie. Wir standen da, unfähig, das Feuer aufzuhalten, während wir zusehen mussten, wie es unsere Häuser verschlang und alles darin zerstörte. Ich rannte immer wieder hin und her, trug Wasserbehälter und versuchte, die Flammen zu löschen, aber jedes Mal, wenn ich näher kam, erstickte ich fast am Rauch und musste mich zurückziehen“, fährt er fort. „Es blieb nichts übrig außer Steinen und verbogenem Metall.“

Alles, was die Familie besaß, verschwand innerhalb weniger Minuten. „Das Essen, die Möbel, die Matratzen, die Decken – alles war weg.“

 

„Sie haben Überwachungskameras, Flutlichter und unser Badezimmer zerstört“

Hamza, dessen Nachricht mich in jener Nacht erstmals auf den Angriff aufmerksam gemacht hatte, berichtete, dass die Siedler, nachdem sie das Haus seines Cousins Radwan in Brand gesteckt hatten, auf das Haus seiner Familie zusteuerten. „Einer der Siedler trug zwei Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit bei sich. Meine Mutter, meine Schwestern und die Kinder rannten ins Haus und versteckten sich. Mein Vater, mein Bruder und ich blieben draußen, um unser Haus zu verteidigen. Es gelang uns, sie daran zu hindern, es in Brand zu setzen, aber sie bewarfen mich mit Steinen, die mich an der Hand und am Rücken trafen. Sie zerstörten drei Überwachungskameras, die Flutlichter rund um das Haus und unser Bad“, fährt er fort. „Außerdem zerschlugen sie die Fenster, um ins Haus einzubrechen. Meine Mutter wurde von Glassplittern im Gesicht getroffen.“

Als sich immer mehr Dorfbewohner*innen versammelten und zum Haus eilten, um bei der Verteidigung zu helfen, zogen sich die Siedler schließlich in Richtung des nahegelegenen Außenpostens Havat Ma’on zurück, der nur wenige Minuten von Tuba entfernt liegt. Es handelt sich um denselben Außenposten, von dem aus Dutzende Siedler kürzlich mein eigenes Dorf At-Tuwani angegriffen hatten: Sie steckten die Moschee sowie Häuser und Autos in Brand, zerschlugen Fenster und sprühten „Rache“ an die Wände.

Junge Männer und Freiwillige aus benachbarten Dörfern eilten herbei, um bei der Löschung der Brände zu helfen, noch bevor die Rettungskräfte eintreffen konnten; aufgrund des Zustands der Straße erreichten die Krankenwagen Tuba erst fast eine Stunde nach Beginn des Angriffs. Dichter Rauch hüllte das Dorf ein, während die Bewohner*innen mit Taschenlampen durch die Dunkelheit eilten, nach Überlebenden suchten, den Verletzten halfen und verzweifelt versuchten, zu retten, was noch zu retten war.

Die israelische Polizei traf etwa 40 Minuten nach Beginn des Angriffs ein und näherte sich aus Richtung Havat Ma’on. Die israelischen Soldaten, die für die Sicherheit in diesem Teil des Westjordanlands zuständig sind, trafen erst mehr als eine Stunde nach Beginn des Angriffs ein. Anwohner*innen berichten, die Polizei sei von einem niedergebrannten Gebäude zum nächsten gegangen, habe Fotos gemacht und Videos aufgenommen – Routineverfahren, die ihrer Erfahrung nach selten zur strafrechtlichen Verfolgung der Angreifer führen. Unterdessen verhielten sich die Soldaten den Dorfbewohner*innen gegenüber offen feindselig. Sie drohten den Anwohner*innen mit Festnahme und gingen mit auf Zivilist*innen gerichteten Waffen durch die ausgebrannten Häuser.

Wäre die Polizei wirklich daran interessiert, die Verantwortlichen zu identifizieren, wüsste sie genau, wo sie suchen müsste. Die Siedler kamen aus dem nahegelegenen Außenposten und der Siedlung – Orte, die mit einigen der modernsten Überwachungskameras in der Gegend ausgestattet sind. Doch die Bewohner*innen haben keine Hoffnung, dass ihre Angreifer vor Gericht gestellt werden; stattdessen müssen sie sich auf das nächste Pogrom vorbereiten.

Am Freitagnachmittag waren bereits drei Siedler aus Havat Ma’on wieder im Dorf und belästigten die Bewohner*innen. Diese Angriffe fügen den betroffenen Gemeinden nicht nur tiefgreifenden physischen und psychischen Schaden zu, sondern verursachen auch eine immense finanzielle Belastung, die nur selten ausgeglichen wird. Familien, deren Häuser, Fahrzeuge und persönliches Eigentum verbrannt oder zerstört wurden, müssen verheerende Verluste hinnehmen, die oft ihre Ersparnisse und den über ein ganzes Leben hinweg angesammelten Besitz zunichte machen.

Der Wiederaufbau eines Hauses, der Ersatz lebensnotwendigen Eigentums und die Wiederherstellung auch nur eines grundlegenden Gefühls der Normalität erfordern Ressourcen, über die die meisten betroffenen Familien schlichtweg nicht verfügen. Infolgedessen hinterlassen diese Angriffe langanhaltende humanitäre, wirtschaftliche und soziale Folgen, die ganze Gemeinden noch lange nach dem Ende der Gewalt beeinträchtigen.

In einer Erklärung der israelischen Polizei wurde bestätigt, dass „Ermittler der Polizeidienststelle Hebron und kriminaltechnische Ermittler der israelischen Polizei zum Tatort entsandt wurden“ und „mit der Sicherung von Beweismitteln, kriminaltechnischen Befunden und Zeugenaussagen begonnen haben“. Das +972 Magazine fragte, was die Polizei unternimmt, um Angriffe von Siedlern auf palästinensische Dörfer in diesem Gebiet zu verhindern, und ein Sprecher antwortete, dass „die Verantwortung für die Verhinderung und die Reaktion auf Vorfälle in den Zonen A und B bei der IDF liegt“ – doch Tuba und die benachbarten palästinensischen Dörfer von Masafer Yatta liegen in Zone C.

Auf die Bitte von +972 um eine Stellungnahme hin erklärte die israelische Armee: „Am Mittwoch wurden israelische Truppen in das Gebiet von Khirbet Tuba im Sektor der Yehuda-Brigade entsandt, nachdem gemeldet worden war, dass israelische Zivilisten Häuser in Brand gesetzt und Palästinenser*innen in der Gegend angegriffen hätten. Dabei wurden mehrere Palästinenser*innen verletzt, darunter ein Mädchen und eine Frau. Zudem wurden mehrere Gebäude in Brand gesetzt. Nach ihrem Eintreffen durchsuchten die Einsatzkräfte das Gebiet und stellten abgebrannte Gebäude, Graffiti sowie Sachschäden fest. Die Verdächtigen waren bereits vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte geflohen. In der Nacht betraten Beamte des Polizeibezirks Judäa und Samaria unter dem Schutz der israelischen Armee das Gebiet, um Zeug*innenaussagen, Erkenntnisse und Beweismittel für die Ermittlungen zu sammeln.“

 

Basel Adra ist Aktivist, Journalist und Fotograf aus dem Dorf At-Tuwani in den südlichen Hebron-Hügeln.


 

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