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Ein Tag im Leben eines Universitätsdozenten in Gaza: „Zunächst einmal steht die mühsame Aufgabe an, meinen Laptop aufzuladen“

vor 12 Stunden
5 Min. Lesezeit

Trotz Internetausfällen und Stromunterbrechungen kämpft Mahmoud darum, seinen Student*innen eine Ausbildung zu ermöglichen


Von Seham Tantesh und Hoda Osman, The Guardian, 24. September 2026

(Originalbeitrag in englischer Sprache und dazugehörendem Bild- und Videomaterial)

 

Es ist Zeit für Mahmoud Seydams Online-Vorlesung über Museumsarchitektur. Er hockt sich vor die Stufe, die er als Tisch bezeichnet, und klappt seinen Laptop auf.

„Ist Mohammed der Einzige, der da ist?“ Er holt sein Handy heraus und schreibt in den Chat der Studierenden, dass die Vorlesung gleich beginnt. Jetzt sind zwei Studierende da. Mahmoud beschließt, noch ein wenig zu warten, bis die anderen dazukommen.

„Heute haben wir eine einfache Präsentation: einen Überblick über die Gestaltung von Museen.“ Er bittet seine Studierenden, sich das Museum wie Honig in einem Glas vorzustellen. „Das Museum ist ein wunderschöner Innenraum. Es wird zu einem Element, das Menschen anzieht.“

Die Internetverbindung bricht ab und unterbricht die Vorlesung.

Mahmoud, Leiter des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Angewandte Kunst am University College of Science and Technology in Khan Younis und Dozent an der Al-Aqsa-Universität, wirkt nicht frustriert. Er ist daran gewöhnt.

In seinem gewohnt ruhigen und professionellen Ton nimmt er eine Sprachnachricht für seine Studierenden auf: „Hallo zusammen … Es scheint ein Problem mit dem Internet zu geben, daher werde ich die Vorlesung aufnehmen, sie auf YouTube hochladen und euch den Link schicken.“

So sieht ein Tag im Leben eines Universitätsdozenten in Gaza aus.

 

Morgendämmerung


Schon das Schlafen selbst ist ein Kampf. In einem Zelt zu schlafen ist nicht einfach. Die Angst beherrscht alles … denn es gibt kein Gefühl von Sicherheit.

Man vergleicht sein Leben vor dem Krieg mit dem jetzigen und ist psychologisch nicht in der Lage, diese Realität zu akzeptieren. Man lebt in einem Zelt, das vor nichts schützt und keinerlei Privatsphäre bietet. Wegen des Lärms kann man nicht einmal in Ruhe arbeiten.

Ganz zu schweigen von der Angst vor einem Notfall. Es gab schon einmal einen Angriff auf die Zelte um uns herum. Man hat Angst um die Kinder, dass einem Familienmitglied etwas zustoßen könnte. Man hat Angst, erneut vertrieben zu werden. Wir wurden mehr als 15-mal vertrieben, unter anderem von einem Ort, der unbequem, unsicher und unbewohnbar war, an einen Ort, der noch schlimmer war – manchmal mussten wir all unsere Habseligkeiten zurücklassen, nur um unser Leben zu retten. Wir haben drei oder vier Nächte auf der Straße, auf dem Gehsteig, geschlafen.

Nachts bist du voller Angst. Ich wache gegen Morgengrauen auf, bete und schalte mein Handy ein. Ich mache mir eine Tasse Kaffee und setze mich vor das Zelt, um auf Nachrichten von Studierenden und Kolleg*innen zu antworten, die über Nacht eingegangen sind. Einen Teil des Akkus meines Handys hebe ich mir extra für diese Aufgabe auf. Es fällt mir leichter, ihnen Sprachnachrichten zu schicken, als zu tippen. So beginne ich meinen Tag.

 

Morgen


Die morgendlichen Aufgaben beginnen mit dem Wasserholen. Mahmoud schnappt sich einen Plastikkanister und geht zu der Stelle, an der der Wassertankwagen hält. Seine Kinder – drei Söhne und eine Tochter, die Ingenieurwesen, Krankenpflege und Informatik studieren – helfen oft mit. Er bringt das Wasser zurück zum Zelt und gießt es in ihren Wassertank, dann in Eimer unterschiedlicher Größe und Farbe, die vor ihrem Zelt stehen.

Wir nutzen diese Eimer, um einen Teil des Wassers für den täglichen Bedarf aufzubewahren, damit es so lange wie möglich reicht, denn der Tank fasst nur 200 Liter. Wir haben keine weiteren Tanks. Sie wurden alle zerstört, als unser Haus bombardiert wurde. Und wir bekommen nicht jeden Tag Wasser.

Im Vertriebenenleben sehen wir uns mit Dingen konfrontiert, die wir niemals erwartet hätten. Das Zelt muss ständig repariert werden. Hinzu kommt die mühsame Aufgabe, mein Handy und meinen Laptop aufzuladen, um meinen Tag zu beginnen und meine Arbeit zu erledigen.

Manchmal frühstücken wir, manchmal nicht. Derzeit haben wir Mehl, und wir kneten und backen im Zelt, aber das Brot wird durch die Hitze schlecht, und dann gibt es kein Frühstück. Die Mahlzeiten sind unregelmäßig, aber wenn ich mich in die Arbeit vertiefe, vergesse ich das Essen.

 

Nachmittag


Mahmoud beginnt, alles für die Vorlesung des Tages vorzubereiten. Kaum hat er seinen Laptop an die Steckdosenleiste angeschlossen, fährt das System herunter. Er hat sich Grundkenntnisse in Solarenergietechnik angeeignet, um diese wiederkehrenden Ausfälle zu bewältigen. Er schnappt sich den Besen, steigt auf einen Plastikstuhl und wischt den Staub von den Solarmodulen auf dem Dach des Zeltes. Er nimmt die Vorlesung zum Thema Museumsgestaltung auf, und dann ist es Zeit, sich auf den Weg zu den Büros von „Scholars Without Borders“ zu machen, dem provisorischen Hauptquartier der Hochschule.

Nicht alles läuft online ab; es gibt Besprechungen und studentische Angelegenheiten, bei denen man persönlich anwesend sein muss. Die Entfernung zu „Scholars Without Borders“ beträgt etwa 6 km. Normalerweise gehe ich zu Fuß, weil die Verkehrssituation so schwierig ist: Die Straßen sind holprig und überall wimmelt es von Zelten und Karren. Heute habe ich einen Karren genutzt, der von einem alten Auto gezogen wurde – es ist die Art von Karren, die normalerweise von einem Pferd oder einem Esel gezogen wird – und anschließend ein heruntergekommenes Tuk-Tuk. Ich brauche eine Stunde, um dorthin zu gelangen.

Unter diesen Umständen weiterzumachen und weiterhin mein Bestes zu geben – ehrlich gesagt finde ich das unglaublich schwierig. Die grundlegenden Lebensbedürfnisse müssen gedeckt sein, damit ein Mensch in seiner Arbeit hervorragende Leistungen erbringen kann. Die Menschen verfügen derzeit nicht einmal über das absolute Minimum zum Leben.

Die praktische Umsetzung des Lernens ist extrem schwierig geworden. Die meisten Lehrveranstaltungen finden online statt. Die meisten grundlegenden Hilfsmittel und Materialien, die für den Lernprozess benötigt werden, sind nur noch schwer zugänglich oder gar nicht mehr verfügbar.

Schon in der Anfangsphase des Krieges haben wir festgestellt, dass die Universitäten gezielt angegriffen wurden. Die Universität hat eine gewisse symbolische Bedeutung. Sie vereint alle zukünftigen Talente und das gesamte Potenzial, sei es unter den Studierenden oder im Lehrpersonal.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt waren wir in ein Gebiet zwischen Rafah und Khan Younis vertrieben worden, von wo aus meine Universität aus der Ferne zu sehen war. Ich habe mit eigenen Augen die Militärangriffe auf die Universitätsgebäude und -einrichtungen gesehen. Als der Waffenstillstand gebrochen wurde, tauchte ein Video auf, das die Zerstörung aller Universitätsgebäude zeigte – eine vollständige Nivellierung des Geländes.

Wir machen mit einem gewissen Maß an Geduld und Ausdauer weiter.

 

Abend


Vor dem Krieg konnte man mit seiner Familie in ein Restaurant essen gehen.

Als Architekt interessierte ich mich auch sehr für archäologische Stätten und Kulturerbe, und ich schaute oft in einigen der Antiquitätenläden vorbei, um mich umzusehen.

All das ist nun verloren. Es bleibt keine Zeit für Freizeit; wir können kaum das Nötigste sichern. Unser Leben läuft wie eine Maschine. Jeder Tag gleicht dem nächsten.

Meine Eltern und meine beiden Geschwister leben in Zelten in der Nähe, etwa zehn Minuten zu Fuß entfernt. Meine Eltern sind – aufgrund des Krieges, von Krankheiten und ihres hohen Alters – sehr mitgenommen. Das ist eine Verantwortung, deshalb besuche ich sie fast jeden Tag, um zu sehen, ob sie etwas brauchen.

Manchmal sitze ich vor meinem Zelt und unterhalte mich mit anderen, um nach dem langen Tag etwas abzuschalten. Dann setze ich meine Kommunikation mit den Schülern fort. Das hört erst auf, wenn ich schlafen gehe. Vom Aufwachen bis zum Schlafengehen hat man kaum Zeit für etwas anderes als die Aufgaben, die man erledigen muss.



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