Enthüllt: Israels Lehrplan zur „Beeinflussung des öffentlichen Bewusstseins“
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Eine durchgesickerte Ausschreibung des Verteidigungsministeriums legt das Ausbildungsprogramm der Armee zur Manipulation der öffentlichen Meinung in Israel und im Ausland offen.
Von Illy Pe’ery, +972Mag, 4. Juni 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache: https://www.972mag.com/leaked-idf-propaganda-israel-intelligence/)
Das israelische Verteidigungsministerium schult Soldat*innen und andere Ministeriumsmitarbeiter*innen in der Durchführung psychologischer Operationen, die darauf abzielen, „das öffentliche Bewusstsein“ in Israel und im Ausland zu beeinflussen. Dies geht aus einer internen Ausschreibung des Verteidigungsministeriums hervor, die im vergangenen Juli veröffentlicht und dem israelischen Investigativmedium „The Hottest Place in Hell“ zugespielt wurde. Die Kurse, die auf Hebräisch und Englisch von nicht dem Militär angehörenden Wissenschaftler*innen gehalten werden, richten sich an Verteidigungspersonal im In- und Ausland sowie an nicht näher bezeichnete „ausländische Partner*innen“.
Zu den Angeboten gehören Kurse darüber, wie Daten genutzt werden können, um die Einstellungen und Handlungen von Zielgruppen diskret zu beeinflussen, die Informationsbeschaffung für solche Operationen sowie die Ausbildung von Influencer*innen. Die meisten Kurse sind auf „offensive“ Einflussoperationen ausgerichtet – also solche, die darauf abzielen, die Überzeugungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Zielgruppen aktiv zu stören oder zu manipulieren, anstatt lediglich eine bestehende Erzählung zu schützen. Dazu gehören Schulungen zu Werbe- und Marketinginhalten sowie Kurse zu Cyberkriegsführung und Informationsbeschaffung über Zielgruppen.
In einem Kurs lernen die Teilnehmer*innen, „Black-Hat“-Techniken anzuwenden – ein Begriff, der Manipulationsmethoden bezeichnet, mit denen die Regeln von Technologieplattformen in Bezug auf Cyberkriminalität, Cyberkrieg oder andere böswillige Aktivitäten umgangen werden. In dem Kurs der Armee wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieses Modul für „die Verbreitung und Bewerbung illegaler Inhalte mithilfe technologischer Werkzeuge und Lösungen – also auf einem Weg, der Facebook und Google umgeht“ – konzipiert ist.
Ein weiterer Kurs vermittelt den Teilnehmer*innen, wie sie „Informationsoperationen zum Zweck der Beeinflussung des öffentlichen Bewusstseins auf lokaler und internationaler Ebene“ planen, einschließlich der Erstellung und Verbreitung von auf eine Zielgruppe zugeschnittenen Botschaften, der Bewertung ihrer Wirkung und der Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse auf „zukünftige Operationen“.
Obwohl der Lehrplan die Ziele oder den Inhalt der in den Kursen vermittelten psychologischen Operationen und Einflusskampagnen nicht ausdrücklich nennt, heißt es an mehreren Stellen, dass die Ausbildung im Einklang mit den „Überlegungen und Erwartungen“ der politischen Führung Israels durchgeführt wird. Mit anderen Worten: auf Anweisung der Regierung.
Das Verteidigungsministerium beabsichtigte, einen Auftragnehmer für zwei Jahre unter Vertrag zu nehmen, mit der Option, den Vertrag auf insgesamt bis zu vier Jahre zu verlängern. Der erste Kurs sollte im August 2025 beginnen.
Die Ausschreibung stand Einrichtungen offen, die vom israelischen Rat für Hochschulbildung akkreditiert sind. Von den Dozent*innen wurde verlangt, dass sie über „Doktorgrade und/oder Professuren in den Bereichen Einflussnahme, Bewusstseinsbildung, Sicherheit und Terrorismus, Massenkommunikation [oder] digitale und Netzwerkkommunikation“ sowie über „mindestens vier Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Einflussnahme [oder] Einflussaufklärung in verschiedenen Sicherheitsorganisationen“ verfügen.
„Grundlagen der Propaganda“
Laut Ausschreibung umfasst das Ausbildungsprogramm acht Kurse pro Jahr: drei zu Einflussoperationen, zwei zu „Einflussaufklärung“ und drei zur Ausbildung von „Online-Aktivist*innen“. Jeder Kurs ist für bis zu 40 Teilnehmer*innen ausgelegt, was bedeutet, dass das Programm jährlich rund 320 „Einfluss-Expert*innen“ ausbilden könnte.
Der Lehrplan ist in thematische Cluster unterteilt. Einer davon mit dem Titel „Grundlagen der psychologischen Kriegsführung, Propaganda, Täuschung, Legitimität und öffentlicher Diplomatie sowie Segmentierung von Zielgruppen mit Schwerpunkt auf ausländischem Publikum“ umfasst Unterricht zur Identifizierung feindlicher Einflussversuche, Narrative und Bildsprache sowie zu Deepfakes, psychologischer Kriegsführung, Propaganda, Täuschung, Legitimität und öffentlicher Diplomatie.
Ein weiterer Themenbereich, der sich auf „Kampagnenplanung, -durchführung und -auswertung“ konzentriert, umfasst Schulungen zu den „Überlegungen und Erwartungen“ der politischen Führungsebene sowie zu den Themen „militärische Aufklärung“, „kulturelle Aufklärung“ und „Fähigkeiten zur Informationsbeschaffung und -analyse im Bereich der Einflussnahme“.
Einige der Kurse – darunter solche zu Einflussoperationen, Einflussaufklärung und Online-Aktivismus – werden für „ausländische Partner*innen“, deren Identität nicht näher bezeichnet wird, auf Englisch abgehalten. Für diese Teilnehmer*innen hat das Verteidigungsministerium einen speziellen Lehrplan erstellt, der das Studium des „amerikanischen Ansatzes“ – also der US-amerikanischen Perspektiven und kulturellen Normen – sowie die Durchführung von Einflusskampagnen auf internationaler Ebene umfasst.
Um diesen ausländischen Einrichtungen die Teilnahme zu ermöglichen, hat das Ministerium festgelegt, dass die Kurse „nicht klassifiziert“ sein werden. Dennoch sieht die Ausschreibung strenge Vertraulichkeitsmaßnahmen vor, die die zivilen Dozent*innen von den Auszubildenden trennen. Akademischen Einrichtungen ist es untersagt, die Rollen der Studierenden in der Geheimdienstgemeinschaft gegenüber Dozent*innen und der breiten Öffentlichkeit offenzulegen, und Auftragnehmer dürfen nur die Vornamen der Auszubildenden erhalten, ohne Angabe der Zugehörigkeit zu einer Einheit.
Aus dem Dokument geht zudem hervor, dass das Militär diese Einflussoperationen in seinen übergeordneten Nachrichtendienstapparat integriert. Der Kurs „Influence Intelligence“ soll die Teilnehmer*innen darin schulen, die Informationsbeschaffungssysteme der Armee zu nutzen, um Einflusskampagnen mit Daten zu versorgen, und dabei stets im Blick zu behalten, „was an anderen Orten auf der Welt geschieht“.
Über die Bereitstellung von Rohmaterial für psychologische Operationen hinaus wird der Nachrichtendienst auch als Instrument zur Messung ihrer Wirkung dargestellt. Das Ergebnis ist ein geschlossener Regelkreis: Der Nachrichtendienst sammelt Daten über Zielgruppen; Einflusskampagnen versuchen, deren Wahrnehmung zu formen; und Nachrichtendienstinstrumente werden dann eingesetzt, um in Echtzeit zu beurteilen, ob die Botschaften gewirkt haben oder verfeinert werden müssen.
Der Abschnitt über „kulturelle Intelligenz“ erweitert diese Logik auf den Bereich der sozialen und psychologischen Profilerstellung. Die Teilnehmer*innen werden darin geschult, Zielgruppen – insbesondere ausländische Zielgruppen – anhand ihrer kulturellen Codes, sozialen Sensibilitäten und politischen Kontexte zu analysieren, um Botschaften zu formulieren, die mit größerer Wahrscheinlichkeit ankommen und überzeugen.
Auf eine Bitte um Stellungnahme hin beschrieb ein Sprecher der israelischen Armee das Programm als „akademischen Kurs für Personal, das in der israelischen Armee an Einfluss- und Bewusstseinsbildung tätig ist“ und fügte hinzu, dass dessen Zweck die „persönliche Weiterentwicklung“ sei. Er bekräftigte, dass es „gemäß den Gesetzen und klaren Verfahren sowie in Übereinstimmung mit den Anweisungen der politischen Führungsebene“ arbeite.
Wie jedoch eine aktuelle Untersuchung von „The Hottest Place in Hell“ aufdeckte, beschränkt das Militär diese Methoden nicht auf den Bereich der „persönlichen Bereicherung“. Zwischen Oktober 2023 und Dezember 2024 führte die Pressestelle der israelischen Streitkräfte eine psychologische Operation durch, die sich sowohl an ein israelisches als auch an ein internationales Publikum richtete – unter dem Deckmantel einer „gemeinnützigen Nachrichtenorganisation“, die sich auf die „Faktenprüfung“ von Behauptungen im Zusammenhang mit dem Krieg Israels gegen den Gazastreifen spezialisiert hatte.
Im Rahmen dieser Operation wurden Dutzende von Videos veröffentlicht, die die Standpunkte des israelischen Militärs propagierten, ohne dass dies ordnungsgemäß offengelegt wurde, während Influencer*innen in Israel und im Ausland rekrutiert wurden, um Botschaften zu verbreiten, die direkt vom Militär vorgegeben wurden. Was damals als isolierte Initiative aufgedeckt wurde, scheint nun Teil einer umfassenderen, langfristigen Bemühung des israelischen Verteidigungsapparats zu sein, Einflussoperationen auf nationaler – und sogar internationaler – Ebene zu institutionalisieren.
Illy Pe’ery ist investigative Journalistin und Redaktionsmitarbeiterin beim unabhängigen israelischen Online-Magazin „The Hottest Place in Hell“.




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