Es muss eine Untersuchung über den möglichen Einsatz Israels von verbotenen thermischen Waffen eingeleitet werden, die dazu führen, dass die Körper der Opfer schmelzen oder verdampfen
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Von Euro-Med Human Rights Monitor, 30. April 2024
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Palästinensische Gebiete – Es muss dringend ein internationales Expert*innenkomitee eingerichtet werden, das die Waffen untersucht, die Israel im Rahmen seines seit dem 7. Oktober 2023 andauernden Völkermords im Gazastreifen einsetzt, darunter auch den möglichen Einsatz von Bomben, die so hohe Hitze erzeugen, dass die Körper der Opfer verdampfen.
Zeug*innenaussagen, die Euro-Med Human Rights Monitor erhalten hat, offenbaren ein neues, schreckliches Ausmaß an Tötungen im Gazastreifen: Opfer, deren Körper offenbar aufgrund der Bombardierung von Wohnhäusern durch Israel verdampft oder geschmolzen sind.
Der Einsatz massiver Zerstörung durch die israelische Armee in ganzen Wohnvierteln während ihres Völkermordkrieges im Gazastreifen hat zu einer erschreckend hohen Zahl von Opfern geführt. Dies weckt Befürchtungen über den möglichen Einsatz von „thermischen Waffen” oder sogenannten „Vakuumbomben”, die in Militärkreisen für ihre Wirksamkeit bei der Zerstörung von Höhlen und unterirdischen Tunnelkomplexen bekannt sind.
Tausende Opfer werden weiterhin vermisst, entweder weil es aufgrund unzureichender Ausrüstung und technischer Kenntnisse unmöglich war, sie unter den Trümmern zu bergen, oder weil ihre Leichen entweder von der israelischen Armee versteckt wurden oder nicht mehr existieren. Eine Reihe der Opfer, die bei diesen schrecklichen israelischen Angriffen auf Wohngebäude getötet wurden, sind verschwunden und möglicherweise zu Asche geworden, was Fragen über die Art der bei den Angriffen eingesetzten Bomben aufwirft.
Ahmed Omar verlor 15 Mitglieder seiner Familie, darunter seine Eltern, bei einem israelischen Luftangriff auf ihr Haus in Gaza-Stadt am 15. Oktober 2023. Omar berichtete Euro-Med Monitor, dass Familienangehörige und Zivilschutzteams nach dem israelischen Angriff verzweifelt versuchten, die Leichen der Opfer zu bergen. Von den Leichen der drei Opfer Raghad Saleh Farwaneh (14), Ola Saleh Farwaneh (7) und Rahaf Ahmed Qanita (8) fehlte jedoch jede Spur, obwohl sie sich zum Zeitpunkt des Angriffs im Haus befanden.
Jamal Awni verlor sieben Familienmitglieder bei einem israelischen Bombenangriff auf ein Haus, in das sie am 6. Januar 2024 in der Stadt Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen geflohen waren. Awni berichtete Euro-Med Monitor, dass alle Bemühungen, seine 28-jährige Tochter Shaima zu finden, erfolglos geblieben seien, und dass man befürchte, ihre Leiche sei verschwunden.
Darüber hinaus hat der Zivilschutz von Gaza mehrere Erklärungen zur Auflösung der Leichen der Opfer und ihrer Umwandlung in Asche veröffentlicht. Diese Erklärungen enthalten Informationen über das Massengrab, das im April 2024 im Nasser Medical Complex in Khan Yunis im Süden des Gazastreifens entdeckt wurde.
Es muss eine internationale Untersuchung zu Israels mutmaßlichem Einsatz international verbotener Waffen eingeleitet werden, darunter thermobarische Bomben, die zunächst mit kleinen konventionellen Sprengstoffen eine Wolke aus hochentzündlichen Partikeln oder Tröpfchen erzeugen. Ein zweiter Sprengkörper zündet dann die Wolke aus brennbaren Materialien und erzeugt extrem hohe Temperaturen von bis zu 2500 Grad Celsius, die zu schweren Verbrennungen der Haut und innerer Körperteile führen und Leichen bis zur vollständigen Schmelzung oder Verdampfung verkohlen, insbesondere in Bereichen, in denen die Explosionswolke dichter ist. Die Ermittler*innen müssen die genaue Art der verwendeten Waffen bestimmen; vorläufige Schätzungen deuten darauf hin, dass bestimmte Leichen möglicherweise auch irgendwann nach dem Tod begonnen haben, sich in Asche zu zersetzen – eine Folge der durch Thermobomben verursachten Bedingungen.
Die Haager Konventionen von 1899 und 1907, die Genfer Konventionen von 1949 und das humanitäre Völkerrecht verbieten den Einsatz von thermobarischen Bomben gegen Zivilist*innen in bevölkerten Zivilgebieten. Das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs stuft den Einsatz von thermobarischen Bomben ebenfalls als Kriegsverbrechen ein.
Israel hat eine lange Geschichte der Verletzung wichtiger völkerrechtlicher Normen, beispielsweise durch Missachtung der Grundsätze des Schutzes in bewaffneten Konflikten, darunter militärische Notwendigkeit, Unterscheidung und Verhältnismäßigkeit. Dies gilt insbesondere für den aktuellen Militäreinsatz Israels im Gazastreifen, bei dem es häufig zu verheerenden Angriffen kommt, ohne Rücksicht auf das Leben und die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu nehmen.
Die israelische Armee hat und setzt weiterhin eine Vielzahl von Waffen und Munition ein, zusätzlich zu ihrer unverhältnismäßig zerstörerischen Gewaltanwendung gegen palästinensische Zivilist*innen und deren Eigentum. Dies verstößt gegen das humanitäre Völkerrecht, einschließlich der Vierten Genfer Konvention von 1949, die sich speziell mit dem Schutz von Zivilist*innen in Kriegszeiten befasst.
Die Ergebnisse der Untersuchungen bestimmter glaubwürdiger internationaler Organisationen und Gremien zum anhaltenden Völkermord Israels sowie die erschreckenden Statistiken über die Zahl der Getöteten und das Ausmaß der Zerstörung im Gazastreifen stützen die Vermutung, dass Israel Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat. Dies erfordert eine umfassende internationale rechtliche und gerichtliche Untersuchung, Mechanismen zur Rechenschaftspflicht und ernsthafte Bemühungen, um israelische Führer und Soldaten zur Verantwortung zu ziehen, sicherzustellen, dass sie die Konsequenzen tragen, und den Opfern und ihren Familien gemäß dem Völkerrecht Entschädigungen zu gewähren.
Euro-Mediterranean Human Rights Monitor ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation zum Schutz der Menschenrechte mit Sitz in Genf.




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