Genocide Watch: Gaza und die zehn Phasen des Völkermords
Das Modell der „Zehn Phasen des Völkermords“ dient dazu, Völkermord zu verhindern, nicht ihn im Nachhinein zu dokumentieren. Prävention erfordert Maßnahmen in jeder Phase. Die internationale Gemeinschaft hatte in jeder der hier dokumentierten zehn Phasen die Möglichkeit zu intervenieren, hat dies jedoch nicht getan. Darüber hinaus hat Genocide Watch die Vereinigten Staaten als aktiv mitschuldig an den Handlungen Israels identifiziert. Die Geschichte wird nicht nur festhalten, was dem palästinensischen Volk angetan wurde, sondern auch, was von denjenigen, die die Macht hatten, dies zu verhindern, zugelassen und ermöglicht wurde.
Von Karolina Bonde, Genocide Watch, 2. Oktober 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Völkermord ist eines der schwersten Verbrechen im Völkerrecht und wird definiert als Handlungen, die mit der Absicht begangen werden, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten. Dieses Verbrechen beginnt nicht erst mit Massengräbern. Er beginnt mit Sprache, Gesetzen und der schleichenden Auslöschung der Menschlichkeit eines Volkes. Dr. Gregory Stanton beschreibt diesen Prozess in „Ten Stages of Genocide“ (Zehn Phasen des Völkermords), einem Warnsystem, das aus den Trümmern Ruandas, des Holocausts, Armeniens und weiterer Ereignisse entstanden ist.
Im September 2025 kam eine Kommission der Vereinten Nationen (UN) zu dem Schluss, dass Israel in Gaza Völkermord begangen hat; zu diesem Ergebnis gelangten auch Amnesty International, B’tselem, Human Rights Watch und die International Association of Genocide Scholars (IAGS). Genocide Watch hat mehrere „Genocide Emergency Alerts“ herausgegeben.
Der aktuelle israelische Angriff auf den Gazastreifen begann nach dem 7. Oktober 2023, im Anschluss an die völkermörderischen Angriffe der Hamas in Israel, bei denen mehr als 1.200 Menschen getötet und rund 250 Menschen als Geiseln genommen wurden. Israels Militäroperation hat den Tod von mehr als 73.000 Zivilist*innen verursacht und über 173.000 Zivilist*innen verletzt. Die Gewalt hat zu Verletzungsmustern geführt, die mit intensiven Kampfhandlungen in Verbindung stehen.
Völkermord ist ein Prozess, kein Einzelereignis, der sich in nichtlinearen Phasen entwickelt. Diese Phasen überschneiden sich, beschleunigen sich gegenseitig und verstärken sich gegenseitig. In Gaza konnten wir die Entwicklung in Echtzeit mitverfolgen, und dieser Bericht veranschaulicht, wie die einzelnen Phasen abliefen. Dieser kurze Bericht kann nicht jede einzelne begangene völkermörderische Handlung erfassen und sollte auch nicht als endgültige Darstellung des Völkermords verstanden werden. Er dient vielmehr als Beleg dafür, dass das gesamte Rahmenwerk der „Zehn Phasen des Völkermords“ systematisch umgesetzt wurde.
I. Klassifizierung
Alle Kulturen verfügen über Kategorien, um Menschen in „wir“ und „sie“ zu unterteilen. In bipolaren Gesellschaften, in denen es keine gemischten Kategorien gibt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Völkermords am größten. Der Entzug oder die Verweigerung der Staatsbürgerschaft einer Gruppe ist ein rechtlicher Weg, ihr die Bürger- und Menschenrechte zu verweigern.
In Gaza
Seit 2004 ist Gaza einer Klassifizierung unterworfen. Israel verhängte eine Blockade zu Land, zu Wasser und in der Luft und kontrollierte damit den Verkehr aller Menschen und Güter in das und aus dem Gebiet. Palästinenser*innen in Gaza dürfen ohne israelische Genehmigung nicht reisen, und Genehmigungen waren schwer oder gar nicht zu erhalten. Israelische Gerichte stuften die Palästinenser*innen in Gaza offiziell als „feindliche Einheit“ ein und entzogen den Zivilist*innen damit den rechtlichen Schutz.
II. Symbolisierung
Klassifizierungen werden mit Namen oder anderen Symbolen versehen. In Verbindung mit Hass können diese Symbole den unwilligen Angehörigen von geächteten Gruppen aufgezwungen werden. Beispiele hierfür sind der gelbe Stern für Jüdinnen und Juden unter der Nazi-Herrschaft und der blaue Schal für Menschen aus der Ostzone im Kambodscha der Roten Khmer.
In Gaza
Seit 1981 wendet Israel in den besetzten palästinensischen Gebieten ein farbcodiertes Ausweissystem an, bei dem Palästinenser*innen grüne Ausweise ausgestellt werden, um ihre Bewegungsfreiheit sowie ihren Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung einzuschränken und sie gleichzeitig als kontrollierte Bevölkerungsgruppe zu kennzeichnen.
III. Diskriminierung
Eine dominante Gruppe nutzt Gesetze, Bräuche und politische Macht, um anderen Gruppen ihre Rechte zu verweigern, angetrieben von einer ausgrenzenden Ideologie, die die Viktimisierung schwächerer Gruppen legitimiert. Dies zeigte sich in den Nürnberger Gesetzen von 1935, durch die Jüdinnen und Juden die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wurde, sowie in der Verweigerung der Staatsbürgerschaft für die Rohingya in Myanmar, was 2017 zu einem Völkermord führte.
In Gaza
In Israel/Palästina ist Diskriminierung gesetzlich verankert. Adalah, das Rechtszentrum für die Rechte der arabischen Minderheit in Israel, unterhält eine Datenbank mit über 65 israelischen Gesetzen, die Palästinenser*innen direkt oder indirekt diskriminieren und ihre Rechte in den Bereichen Staatsbürgerschaft, politische Teilhabe, Land, Wohnen, Bildung und Inhaftierung einschränken. Eckpfeiler dieses Rechtsrahmens ist das Nationalstaatsgesetz von 2018, das festlegt, dass das Recht auf Selbstbestimmung ausschließlich dem jüdischen Volk zusteht.
IV. Entmenschlichung
Die eine Gruppe leugnet die Menschlichkeit der anderen und setzt deren Mitglieder mit Tieren, Ungeziefer, Insekten oder Krankheiten gleich. Der Mehrheit wird beigebracht, die andere als weniger als menschlich anzusehen, und sie wird dazu indoktriniert, zu glauben, dass „wir ohne sie besser dran sind“.
In Gaza
Nach den Angriffen der Hamas am 7. Oktober 2023 wurde auf höchster Ebene des israelischen Staates entmenschlichende Sprache verwendet. Verteidigungsminister Yoav Gallant erklärte: „Wir kämpfen gegen menschliche Tiere und handeln entsprechend. Es wird keinen Strom, keine Lebensmittel und keinen Treibstoff geben.“ Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berief sich auf den biblischen Amalek, das feindliche Volk, das König Saul auf Gottes Geheiß hin ausrotten sollte, und stellte die Zivilbevölkerung Gazas als ein uraltes Übel dar, das vernichtet werden müsse.
Über solche Reden hinaus hat Amnesty International 102 Äußerungen israelischer Amtsträger*innen zwischen Oktober 2023 und Juni 2024 ausgewertet, in denen Palästinenser*innen entmenschlicht oder zu Völkermordhandlungen aufgerufen wurde; 22 davon stammten von hochrangigen Amtsträger*innen, die die Offensive direkt leiteten. Soldaten vor Ort benutzten dieselbe Sprache: Verifiziertes Filmmaterial zeigt, wie sie dazu aufrufen, Gaza „auszulöschen“, und die Zerstörung von Häusern, Moscheen, Schulen und Universitäten bejubeln.
V. Organisation
Völkermord ist stets organisiert, oft vom Staat. Spezielle Armeeeinheiten oder Milizen werden ausgebildet und bewaffnet. Es werden Pläne für völkermörderische Tötungen ausgearbeitet.
In Gaza
Die israelischen Geheimdienste Mossad und Shin Bet richteten ein spezialisiertes Einsatzzentrum und eine militärische Eliteeinheit namens „Nili“ ein. Darüber hinaus setzte Israel laut Recherchen zweier israelischer Medien, die von „The Guardian“ bestätigt wurden, zwei auf künstlicher Intelligenz basierende Zielerfassungssysteme ein: „Lavender“ und „Gospel“. „Lavender“ markierte Personen und setzte sie auf eine Todesliste, während „Gospel“ Gebäude und Bauwerke markierte. Ein Geheimdienstoffizier beschrieb seine Rolle als bloßes „Abstempel“ der Entscheidungen des Systems; er verbrachte nur wenige Sekunden damit, jede Empfehlung zu prüfen, und ließ dabei zu, dass bis zu 20 Zivilist*innen bei der Verfolgung eines einzigen niederen Hamas-Aktivisten getötet wurden. Unter der Führung künstlicher Intelligenz töteten israelische Luftangriffe Tausende Palästinenser*innen, darunter vor allem Frauen, Kinder oder Menschen, die nicht an den Kämpfen beteiligt waren.
VI. Polarisierung
Extremist*innen treiben die Gruppen auseinander. Hassgruppen verbreiten polarisierende Propaganda. Gesetze können Mischehen oder soziale Interaktion verbieten. Extremistischer Terrorismus zielt auf Gemäßigte ab und schüchtert die Mitte ein und bringt sie zum Schweigen.
In Gaza
Parallel zu seiner Militäroffensive hat Israel einen Online-Krieg geführt, und eine koordinierte Flut von Desinformation hat die sozialen Medien überschwemmt. Pro-israelische Accounts verwendeten die Begriffe „Pallywood“ und „Gazawood“, um zu suggerieren, dass Berichte aus dem Gazastreifen übertrieben oder manipuliert seien, und behaupteten, Palästinenser*innen würden Schauspieler in Krisenszenen einsetzen und Filmmaterial verändern, um das weltweite Publikum in die Irre zu führen. Expert*innen argumentieren, dass diese Begriffe darauf abzielen, das tatsächliche Leid der Zivilbevölkerung im Gazastreifen herunterzuspielen.
Journalist*innen aus Gaza werden seit Beginn der Offensive unerbittlich diffamiert und bedroht – von der Verbreitung gefälschter Bilder bis hin zur Einrichtung von Online-Plattformen, die darauf abzielen, sie zu diskreditieren. Israelische Amtsträger*innen haben eine aktive Rolle bei diesen Verleumdungskampagnen gespielt, und die Anschuldigungen wurden genutzt, um gezielte Angriffe auf Reporter*innen zu rechtfertigen. Bis Juni 2026 hat das Komitee zum Schutz von Journalist*innen (CPJ) 207 Journalist*innen und Medienmitarbeiter*innen dokumentiert, die in diesem Krieg von Israel getötet wurden, darunter mindestens 64, die als direkte Vergeltungsmaßnahme für ihre Arbeit getötet wurden – damit ist dies der tödlichste Konflikt, den das CPJ je verzeichnet hat.
Am 30. März 2026 verabschiedete Israel das Gesetz über die Todesstrafe für Terroristen, das ausschließlich für Palästinenser*innen gilt und eine eingeschränkte rechtliche Vertretung, die Hinrichtung durch Erhängen sowie Immunität für diejenigen vorschreibt, die die Hinrichtungen vollstrecken. Der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung warnte, dass das Gesetz „die Rassendiskriminierung gegen Palästinenser*innen aufrechterhält und einer schwerwiegenden Aushöhlung der Menschenrechte gleichkommt“.
VII. Vorbereitung
Die Anführer*innen der Täter*innengruppe planen die „Endlösung“ des „Problems“ der Zielgruppe. Oft verwenden sie Euphemismen, um ihre Absichten zu verschleiern, und tarnen Völkermord als Selbstverteidigung. Armeen werden aufgebaut, Waffen gekauft, Truppen ausgebildet. Die Bevölkerung wird mit Angst vor der Opfergruppe indoktriniert.
In Gaza
Von Beginn an stellte Israel seine militärischen Angriffe als Akte der Selbstverteidigung dar, die sich gegen Hamas-Terroristen und deren Infrastruktur richteten, und führte zivile Todesopfer auf den Einsatz menschlicher Schutzschilde durch die Hamas zurück. Als Israel im Januar 2024 vor dem Internationalen Gerichtshof aufgefordert wurde, seine Bombardements zu rechtfertigen, beharrte es darauf, dass es sich in einem Krieg gegen die Hamas befinde, nicht gegen das palästinensische Volk. Die Sprache der Terrorismusbekämpfung bot einen Rahmen, in dem die Vernichtung einer gesamten Zivilbevölkerung als bedauerliche, aber notwendige Folge legitimer Militäroperationen dargestellt werden konnte.
Vor Ort wurden Zivilist*innen in ausgewiesene „Sicherheitszonen“ getrieben, nur um dort bombardiert zu werden. Unter internationalem Druck erklärte Israel im Oktober 2023 Al-Mawasi zur „Sicherheitszone“ und nutzte Flugblätter, soziale Medien und Telefonanrufe, um die Menschen dorthin zu leiten. Diejenigen, die dort ankamen, stellten fest, dass der Ort für Menschen unbewohnbar war. Der WHO-Chef bezeichnete die Maßnahme als „Rezept für eine Katastrophe“. Israel griff das Lager dann das ganze Jahr 2024 über an und tötete allein im Juli 2024 dort mindestens 90 Menschen und verletzte 300 weitere.
VIII. Verfolgung
Die grundlegendsten Menschenrechte der Opfergruppe werden durch außergerichtliche Tötungen, Folter und Zwangsvertreibung systematisch verletzt. Es werden Todeslisten erstellt. Manchmal werden sie in Ghettos isoliert, in Konzentrationslager deportiert oder in eine von Hungersnot heimgesuchte Region gesperrt und ausgehungert. Ihnen werden gezielt Ressourcen wie Wasser oder Nahrung vorenthalten, um die Gruppe langsam zu vernichten. Die Täter*innen beobachten aufmerksam, ob es eine wirksame internationale Reaktion auf solche Tötungen gibt. Gibt es keine Reaktion, erkennen sie, dass sie mit Völkermord davonkommen können.
In Gaza
Wie oben erwähnt, machten israelische Amtsträger*innen deutlich, dass sie der Zivilbevölkerung in Gaza Nahrung, Wasser und Treibstoff vorenthalten würden, und diese Äußerungen spiegelten sich in den nachfolgenden Militäroperationen wider.
Israelische Streitkräfte blockierten in mehreren Fällen absichtlich die Lieferung von Wasser, Nahrung und Treibstoff und entzogen der Zivilbevölkerung damit Dinge, die für ihr Überleben unverzichtbar sind. Die UNO hat zudem berichtet, dass die israelischen Behörden den Zugang der Bewohner*innen Gazas zu Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene stark beeinträchtigt und als Waffe eingesetzt haben.
Palästinenser*innen in Gaza wurden systematisch inhaftiert, gefoltert und deportiert. Der UN-Sonderberichterstatter für Folter hat 52 Fälle von Folter oder Misshandlung sowie weitere 33 Fälle sexueller Folter zusammengestellt. Mindestens 94 Todesfälle in Haft seit Oktober 2023 wurden nicht untersucht.
IX. Vernichtung
Die Vernichtung beginnt und entwickelt sich rasch zu einem Massenmord, der rechtlich als „Völkermord“ bezeichnet wird. Für die Täter*innen handelt es sich um „Ausrottung“, da sie ihre Opfer nicht als vollwertige Menschen betrachten. Wenn dies vom Staat gefördert wird, arbeiten die Streitkräfte häufig mit Milizen zusammen, um die Morde zu verüben. Im „totalen Krieg“ wird nicht zwischen Zivilist*innen und Kombattanten unterschieden. Flächenbombardements, Brandbombenangriffe und die Bombardierung von Krankenhäusern sind Kriegsverbrechen und Akte des Völkermords. Die Zerstörung kultureller und religiöser Stätten dient dazu, die Existenz der Gruppe aus der Geschichte auszulöschen.
In Gaza
Das Tempo und das Ausmaß der Zerstörung in Gaza sind, wie Amnesty International es formuliert, „in diesem Jahrhundert beispiellos“. Die israelische Militäroffensive hat mehr als 69.000 Palästinenser*innen getötet, darunter über 20.000 Kinder, und über 170.000 weitere verletzt. Ganze Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht, lebenswichtige Infrastruktur zerstört und weite Teile des Gebiets unbewohnbar gemacht.
Das Gesundheitssystem in Gaza wurde systematisch ins Visier genommen. Seit Beginn der Offensive wurden über 1.400 Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens getötet, wobei Krankenhäuser und Krankenwagen wiederholt angegriffen wurden. Amnesty International hat zudem die Tötung von Hunderten Palästinenser*innen dokumentiert, die an militarisierten Hilfsverteilungsstellen nach Lebensmitteln suchten – ein Muster, das die UNO als „killing field“ bezeichnet hat.
Amnesty International hat überzeugende Beweise zusammengetragen, die den Einsatz von Artilleriegeschossen mit weißem Phosphor durch die israelische Armee in dicht besiedelten Zivilgebieten im Gazastreifen belegen; viele dieser Angriffe können als rechtswidrige, wahllose Angriffe angesehen werden.
X. LEUGNUNG
Die Leugnung ist die letzte Phase und gehört zu den sichersten Anzeichen für weitere völkermörderische Massaker. Die Täter*innen graben Massengräber aus, verbrennen Leichen, vernichten Beweismittel, schüchtern Zeug*innen ein und geben oft den Opfern die Schuld für das Geschehene. Während und nach einem Völkermord bestreiten Jurist*innen, Diplomat*innen und andere, dass diese Verbrechen der Definition von Völkermord entsprechen. Sie verwenden Euphemismen wie „ethnische Säuberung“. Sie stellen in Frage, ob Vorsatz nachgewiesen werden kann, und ignorieren dabei Tausende von Morden.
In Gaza
Seit Beginn ihrer Militäroperation in Gaza nach den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023 hat die israelische Regierung Vorwürfe, sie begehe Völkermord, konsequent zurückgewiesen.
Genocide Watch hat zwölf verschiedene Taktiken der Leugnung identifiziert, die von Israel angewendet werden:
1. Todesopfer herunterspielen. Alle Statistiken der Hamas oder der UNO sind übertrieben.
2. Diejenigen angreifen, die die Wahrheit sagen. Kritiker*innen sind „antisemitisch“, Lügner*innen oder Hamas-Sympathisant*innen.
3. Vorsatz leugnen. Zivile Todesopfer sind unbeabsichtigte „Kollateralschäden“ im Rahmen der Selbstverteidigung.
4. Entmenschlichung. Palästinenser*innen sind „Tiere“, die Terrorismus und Völkermord unterstützen.
5. Den uralten Konflikt verantwortlich machen. Der Krieg ist die Fortsetzung eines ethnischen Konflikts seit biblischen Zeiten.
6. Fehler verantwortlich machen. Zivile Todesopfer sind Fehler, Unfälle oder Verstöße gegen Befehle.
7. Beschwichtigung vorwerfen. Kritiker*innen beschwichtigen die Mörder, Vergewaltiger und Völkermörder der Hamas.
8. Die Bewaffnung Israels rechtfertigen. Die Bewaffnung Israels ist legal. Sie unterstützt Israels Selbstverteidigung.
9. Gute Behandlung behaupten. Palästinenser*innen werden gut behandelt und erhalten ausreichend Nahrung.
10. Rechtstreue. Israels Angriffe entsprechen nicht der rechtlichen Definition von Völkermord.
11. Den Opfern die Schuld geben. Der Terrorismus der Hamas rechtfertigt die Verteidigung des jüdischen Volkes in Israel.
12. Frieden geht vor Gerechtigkeit. Friedensstiftung wiegt schwerer als Gerechtigkeit im Falle von Völkermord.
(Mehr dazu unter https://www.genocidewatch.com/single-post/israel-s-twelve-tactics-of-genocide-denial)
Israel behauptet, in Notwehr zu handeln und gleichzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um zivile Opfer so gering wie möglich zu halten. Israelische Regierungsvertreter*innen argumentieren, das Ziel sei die Niederlage der Hamas und die Befreiung der Geiseln, nicht die Vernichtung des palästinensischen Volkes.
Israel und seine Unterstützer*innen haben die von palästinensischen Behörden, UN-Organisationen und Menschenrechtsorganisationen vorgelegten Opferzahlen und Beweise angefochten und argumentieren, dass Informationen aus dem Gazastreifen möglicherweise von der Hamas beeinflusst seien und nicht immer unabhängig überprüft werden könnten. Israelische Regierungsvertreter*innen haben Kritik an Israels Vorgehen häufig als voreingenommen, antisemitisch oder der Hamas wohlgesonnen bezeichnet. Kritiker*innen argumentieren, dass diese Reaktionen darauf abzielen, die Glaubwürdigkeit von Ermittler*innen, Journalist*innen, humanitären Organisationen und internationalen Institutionen zu untergraben, die die Ereignisse im Gazastreifen dokumentieren.
Das Modell der „Zehn Phasen des Völkermords“ dient dazu, Völkermord zu verhindern, nicht ihn im Nachhinein zu dokumentieren. Prävention erfordert Maßnahmen in jeder Phase. Die internationale Gemeinschaft hatte in jeder der hier dokumentierten zehn Phasen die Möglichkeit zu intervenieren, hat dies jedoch nicht getan. Darüber hinaus hat Genocide Watch die Vereinigten Staaten als aktiv mitschuldig an den Handlungen Israels identifiziert. Die Geschichte wird nicht nur festhalten, was dem palästinensischen Volk angetan wurde, sondern auch, was von denjenigen, die die Macht hatten, dies zu verhindern, zugelassen und ermöglicht wurde.
Genocide Watch wurde 1999 von Dr. Gregory Stanton gegründet, einem weltweit anerkannten Experten für Genozidforschung und ehemaligen Rechtsberater des US-Außenministeriums. Er entwickelte das Modell der „Ten Stages of Genocide“ (Zehn Phasen des Völkermords). Dieses wissenschaftliche Analyseraster wird heute weltweit von Universitäten, den Vereinten Nationen (UN) und Regierungen genutzt, um Frühwarnzeichen für drohende Massengewalt zu identifizieren.




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