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Grenzübergänge zum Gazastreifen geschlossen, Siedlerangriffe im Westjordanland

  • 1. März
  • 4 Min. Lesezeit

Nachdem die israelische Armee und die US-amerikanischen Streitkräfte mit den völkerrechtswidrigen Angriffen auf den Iran begonnen hatten, wurden die Grenzübergänge zum Gazastreifen am Samstag, 28. Februar, geschlossen. Davon betroffen ist auch der Grenzübergang Rafah, der erst Anfang Februar wieder geöffnet wurde und eine minimale Anzahl von Palästinenser*innen die Rückkehr nach Gaza und eine geringe Anzahl von medizinischen Evakuierungen ermöglichte. Erneut gelangen nun keine Lebensmittel, keine Medikamente, kein medizinisches Equipment und andere (überlebens-)notwendigen Materialien nach Gaza. Ebenso wurde die Einreise von humanitären Helfer*innen untersagt.


Praktisch die gesamte Bevölkerung von Gaza, die mehr als 2 Millionen Menschen umfasst, wurde während des genozidalen Krieges vertrieben und ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. Erst Mitte Februar erklärten die Vereinten Nationen, dass sie weiterhin mit Hindernissen bei ihren Versuchen konfrontiert seien, lebensrettende Hilfe nach Gaza zu liefern. Human Rights Watch erklärte in einem Bericht vom Februar, dass die israelischen Beschränkungen für Hilfslieferungen weiterhin zu einem Mangel an Medikamenten, Wiederaufbaugeräten, Lebensmitteln und Wasser im Gazastreifen führten.


COGAT erklärte in seiner Stellungnahme zur Schließung der Grenzübergänge zum Gazastreifen, dass seit Beginn der Waffenruhe „genügend Lebensmittel“ nach Gaza geliefert worden seien, um den Bedarf der Bevölkerung „viermal zu decken“, legte jedoch keinerlei Beweise für diese Behauptung vor.


Jose Andres, Gründer von World Central Kitchen (WCK), berichtete am 1. März 2026, dass seine Organisation WCK noch in dieser Woche die Lebensmittel ausgehen werden und sie keine Suppenküchen mehr aufrechterhalten können, da die spärlichen Lebensmittellieferungen, die Israel seit dem „Waffenstillstand“ durchgelassen hatte, nie dazu gereicht haben, um Vorräte anzulegen. WCK versorgt Hunderttausende Palästinenser*innen in Gaza jeden Tag mit einer warmen Mahlzeit und ist somit überlebensnotwendig für zahlreiche Familien. Andres bittet eindringlich darum, wieder Lebensmittellieferungen zuzulassen, um „die Familien zu ernähren, die mit diesem Krieg [mit dem Iran] nichts zu tun haben.“


Der Sprecher der Organisation Save the Children, Ahmad Alhendawi, sagte in einer ersten Stellungnahme: „Es ist ungeheuerlich, dass eskalierende Feindseligkeiten Kinder, die dringende Hilfe benötigen, nur noch weiter von lebensrettender Unterstützung trennen.“


„Die Schließung der Grenzübergänge verschärft die ohnehin schon katastrophale humanitäre Krise“, so der palästinensische Schriftsteller und Pulitzerpreisträger Mosab Abu Toha aus Gaza. „Es ist weder etwas Politisches noch mutig, Grenzen für Kinder, Kranke und ältere Menschen zu schließen. Das ist Sadismus gegenüber einer besetzten und vom Völkermord bedrohten Bevölkerung, insbesondere gegenüber den Kindern. Übrigens: Was zum Teufel macht oder sagt die Europäische Mission in Rafah?“


Dr. Ezzideen Shehab, ein junger praktischer Arzt aus Jabalia und Leiter einer einfachen Klinik in Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen, schreibt aus Gaza: „Israel hat beschlossen, Gaza auszuhungern. Gestern kündigte die israelische Armee eine Verlängerung der Schließung der Grenzübergänge zum Gazastreifen bis zum 13. März an. Keine Waren. Keine Lieferungen. Keine Hilfe. Für mindestens weitere dreizehn Tage. Vorerst. Diese bürokratischen und emotionslosen Formulierungen verschleiern, was sie bedeuten. Selbst wenn die Grenzübergänge geöffnet sind, kommt nicht Großzügigkeit ins Land, sondern Kalkül. Die Mengen werden streng kontrolliert und nach täglichen Kaloriengrenzen bemessen, die von derselben Behörde festgelegt werden, die die Schließung durchsetzt. Das Überleben hier ist auf Arithmetik reduziert worden. Nicht Würde, nicht Leben, wie es gelebt werden sollte, sondern das Minimum, das erforderlich ist, um den Tod hinauszuzögern. Und jetzt sind die Grenzübergänge wieder geschlossen. (…) Gaza wird in den Hunger getrieben, während die Welt ihren Blick woanders hinwendet, und die Geschichte hat uns gezeigt, was passiert, wenn man Leid stillschweigend zulässt.“


Wie aus Gaza berichtet wird, versuchten viele Bewohner*innen, noch an Lebensmittel zu gelangen, ehe die Quellen zur Neige gehen, während die Preise für diese sprunghaft anstiegen – und für viele Familien schlichtweg zu teuer sind. Wenn die (ohnehin zu geringen) humanitären Lieferungen nicht bald wieder aufgenommen werden und aufgrund der ohnehin in der Bevölkerung weit verbreiteten Mangelernährung droht Gaza in kurzer Zeit erneut eine Hungersnot.


Auch das Westjordanland wurde hermetisch abgeriegelt. Die palästinensische Journalistin Zena Tahhan schrieb am 28. Februar 2026:

„Drei Millionen Palästinenser*innen im besetzten Westjordanland stehen seit heute Morgen unter israelischer Militärsperre. Alle palästinensischen Städte und Dörfer sind abgeriegelt. Familien wurden voneinander getrennt. Der Zugang zu Krankenhäusern ist blockiert. Arbeiter*innen und Student*innen sind eingeschlossen. Eine ganze Bevölkerung steht unter Ausgangssperre.“


Wie die israelische Organisation Breaking the Silence am 1. März 2026 berichtete, kam es zu noch massiveren Gewaltausbrüchen von Seiten israelischer Siedlerterroristen:

„Wie so oft, wenn sich die Aufmerksamkeit der Medien verlagert, nutzte Israel den Moment, um seine Angriffe gegen Palästinenser*innen zu verstärken. Hier ist, was geschah, während die Welt wegschaute: Mit den ersten Bombenangriffen im Iran verstärkten Siedler ihre Angriffe auf Palästinenser*innen im Westjordanland. Mit Gewehren, Knüppeln und Pfefferspray bewaffnet, griffen Siedlerterroristen Dörfer in Masafer Yatta an und schossen mit scharfer Munition auf Kinder, die Akoub [eine Pflanze, Anm.] pflückten. Vor wenigen Stunden kam es zu einer Reihe von Angriffen in Duma. Bewaffnete Terroristen, die vom Staat und der israelischen Armee voll unterstützt wurden, griffen Palästinenser*innen und Aktivist*innen an und verletzten einige von ihnen. Verhaftungen? Ja, sechs Personen wurden festgenommen: vier Palästinenser und zwei Aktivisten.“


Die israelische Menschenrechtsorganisation B’tselem berichtete über weitere Angriffe:

„Heute (2. März 2026) haben bewaffnete Siedlermilizen und israelische Streitkräfte das Dorf Qaryut im Bezirk Nablus überfallen und zwei Palästinenser getötet, die Brüder Muhammad ‘Azem (51) und Fahim ‘Azem (47). Drei weitere Personen wurden durch Schüsse verletzt, darunter ein dritter Bruder. Augenzeug*innen berichteten, dass das Militär mehr als 20 Palästinenser im Dorf festgenommen habe. Aufgrund der von Israel verhängten Sperrung des Westjordanlands konnten Krankenwagen die Verletzten über eine Stunde lang nicht erreichen und evakuieren. In Qusrah im Bezirk Nablus drangen Siedler in den Hof eines palästinensischen Hauses ein, nachdem sie am Samstag einen Bewohner der Gemeinde angegriffen und am Kopf verletzt hatten. Am Freitag griffen Siedler israelische Aktivist*innen im Dorf an und fügten ihnen Verletzungen zu, die eine Krankenhausbehandlung erforderlich machten. Ebenfalls heute blockierten Siedler im Bezirk Ramallah den Eingang zum Dorf al-Mughayir und griffen Palästinenser*innen an. Militärkräfte, die am Ort des Geschehens eintrafen, feuerten Tränengas auf die Bewohner*innen ab. In Kafr Malik griffen Siedler Hirten an und versuchten, Schafe von Weideland in der Nähe des Dorfes zu stehlen. In der Nähe des Dorfes Duma griffen Siedler zwei palästinensische Gemeinden an (gestern Shakara und heute Zuhara) und verursachten mehrere Verletzungen, darunter eine Kopfverletzung. In Rujum 'Ali in Masafer Yatta, südlich von Hebron, griffen Siedler, die mit mehreren Geländewagen unterwegs waren, heute Hirten an.“



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