Im C-Gebiet ebnen schnellere Abrissmaßnahmen den Weg für jüdische Expansion
- 22. Feb.
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Da der größte Teil des Westjordanlands für palästinensische Bauvorhaben gesperrt ist, bauen die Bewohner*innen ohne Genehmigung – während Abrissmaßnahmen, Gewalt durch Siedler und Änderungen in der Landpolitik den jüdischen Bauausbau vorantreiben.
Von Amira Hass, Haaretz, 23. Februar 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Am Morgen des 8. Januar rollten drei israelische Bulldozer in Nablus ein, flankiert von fünf Jeeps der Grenzpolizei und einem weißen Fahrzeug, das als Eigentum der Zivilverwaltung gekennzeichnet war. Sie fuhren in das Viertel al-Taawon im Süden der Stadt. Die den Konvoi begleitenden Soldaten feuerten Tränengasgranaten auf Journalist*innen und Anwohner*innen ab, um sie fernzuhalten.
Aus mehreren hundert Metern Entfernung beobachtete Mirsal Hattab, wie zwei Bulldozer das Dach seines Hauses zerschmetterten, es zerstörten und die Wände zum Einsturz brachten. Gleichzeitig riss ein dritter Bulldozer das Haus der Familie al-Abbad ein, bis auch dieses zusammenbrach.
Die Szenen wiederholten sich am vergangenen Dienstag, als israelische Bulldozer das Haus der Familie al-Saber im selben Viertel abrissen. Mindestens acht weitere Häuser dort haben bereits aus dem gleichen Grund eine Baustopp- und Abrissverfügung erhalten: Sie befinden sich im C-Gebiet und wurden ohne Genehmigung der israelischen Behörden gebaut. Und das, obwohl das Viertel an regulierte Teile von Nablus grenzt und weit entfernt von jeglichen Siedlungen oder Siedlerstraßen liegt.
Al-Taawon ist nur ein Beispiel für die zunehmende Zahl von Abrissmaßnahmen im gesamten Westjordanland. Allein im Januar hat die Zivilverwaltung 24 Gebäude im C-Gebiet wegen fehlender Baugenehmigungen abgerissen. Nach Angaben des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) wurden in den letzten zwei Jahren 2 461 palästinensische Gebäude aus diesem Grund abgerissen, verglichen mit 4 984 in den vorangegangenen neun Jahren insgesamt. Infolgedessen verloren in diesen zwei Jahren etwa 2 500 Menschen ihr Zuhause.
Der Anstieg der behördlichen Abrissmaßnahmen steht in Zusammenhang mit zwei wichtigen Prozessen, die sich in den letzten Jahren im Westjordanland vollzogen haben. Erstens die Vertreibung von etwa 80 palästinensischen Gemeinden aufgrund der zunehmenden organisierten Gewalt durch neue und alte Siedlungsaußenposten und Farmen. Zweitens die von der Regierung eingeführten umfassenden Änderungen der Landregelungen in dem Gebiet.
Zu diesen Veränderungen gehören die Aufhebung des Verbots für einzelne Juden und Jüdinnen, Land im Westjordanland zu erwerben, die Aufhebung der Vertraulichkeit des Grundbuchs und die Reduzierung der Aufsicht der Zivilverwaltung über Transaktionen, die Erneuerung der Landbesiedlung und -registrierung nach Eigentumsverhältnissen sowie die beschleunigte Erklärung von palästinensischem öffentlichem Land – oder Land mit unklaren Eigentumsverhältnissen – zu Staatsland. Zusammen sorgen diese Maßnahmen dafür, dass stetig mehr Land „frei” von Palästinenser*innen wird.
Die durch die Osloer Verträge geschaffene künstliche territoriale Aufteilung gab den Palästinenser*innen nur in 39 Prozent des Westjordanlands – den Gebieten A und B – die Planungs- und Baugenehmigungshoheit zurück. Diese Regelung sollte 1999 auslaufen. Ab diesem Zeitpunkt sollten sich die Befugnisse der Palästinensischen Autonomiebehörde auf den größten Teil des Westjordanlands erstrecken, mit Ausnahme der bebauten Gebiete bestehender Siedlungen (wie es die palästinensischen Unterhändler interpretierten) und der Armeelager der israelischen Armee.
Stattdessen hat Israel die „Übertragung der Befugnisse” einseitig eingefroren. Das Gebiet, das die Palästinensische Autonomiebehörde für ihre Bevölkerung entwickeln kann, ist nach wie vor auf verstreute Enklaven beschränkt. Für jedes neue palästinensische Bauwerk, jeden Strommast oder jede Wasserleitung in den 61 Prozent des Westjordanlands, die als C-Gebiet ausgewiesen sind, ist eine Genehmigung der Zivilverwaltung erforderlich – eine Genehmigung, die so gut wie nie erteilt wird.
Zwischen 2009 und 2020 beispielsweise erteilte die Zivilverwaltung laut ihrer Antwort an die gemeinnützige Organisation Bimkom nur 66 Baugenehmigungen an Palästinenser*innen. Im gleichen Zeitraum wurden laut Daten des israelischen Zentralamts für Statistik 22 000 Baugenehmigungen für Wohneinheiten an jüdische Bürger*innen erteilt. Dieses Ungleichgewicht hält Palästinenser*innen und ihre Gemeinden davon ab, überhaupt zu versuchen, den formellen Weg zu beschreiten. Diejenigen, die lieber eine Genehmigung einholen würden, wissen, dass sie sich auf einen langen bürokratischen Prozess einlassen müssen, der mit ziemlicher Sicherheit mit einer Ablehnung endet.
Das Ergebnis ist Stagnation. Städte und Dörfer können ihre Bebauungspläne nicht um öffentliche oder private Grundstücke erweitern, die den wirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechen oder dem natürlichen Bevölkerungswachstum Rechnung tragen würden. Sie können nicht frei den geeignetsten Standort für neue Schulen, Krankenhäuser oder Spielplätze wählen.
Strukturelle Veränderungen in der Landpolitik würden in Verbindung mit der Welle von Abrissmaßnahmen es dem Staat und Privatpersonen erleichtern, zusätzliches Land zu beschlagnahmen. Diese Maßnahmen ergänzen bereits bewährte Methoden: Gewalt und Vertreibung, Ausweisung von militärischen Schießzonen, Enteignung aus Sicherheitsgründen, Ausweisung von Naturschutzgebieten, Verweigerung des Zugangs zu bestimmten Gebieten, Schaffung von Sicherheitszonen um Siedlungen herum und vieles mehr.
Nach der jüngsten Entscheidung, die Einstufung von Land als Staatseigentum zu beschleunigen, wird erwartet, dass Israel sich zunehmend auf seine verdrehte Auslegung des osmanischen Rechts stützt, die es ihm erlaubt, unbewirtschaftete Grundstücke als Staatsland für Juden und Jüdinnen auszuweisen. Dies gilt selbst dann, wenn das Land unbewirtschaftet blieb, weil seinen palästinensischen Eigentümer*innen der Zugang verwehrt wurde.
Wirtschaftliche Not kann Palästinenser*innen auch dazu zwingen, Land an Juden und Jüdinnen zu verkaufen. Diese Notlage ist eine direkte Folge von Regierungsentscheidungen: der Einstellung palästinensischer Arbeit innerhalb Israels und der Beschlagnahmung von fast 70 Prozent der Einnahmen der Palästinensischen Autonomiebehörde aus Zöllen und Steuern. Selbst wenn nur ein paar Dutzend Menschen kleine Grundstücke verkaufen, wird jeder Verkauf die Ausweitung der israelischen Übernahme erleichtern.
Seit Jahren fordern Siedlerorganisationen – angeführt von der rechtsgerichteten NGO Regavim – die Einführung der heutigen Änderungen in der Landpolitik der Regierung sowie eine verstärkte „Durchsetzung und Regierungsführung” im C-Gebiet. Ein aktuelles Dokument von Regavim behauptet, dass die verstärkte Durchsetzung bereits zu einem Rückgang der palästinensischen Bautätigkeit ohne Genehmigung geführt habe.
Die Organisation stellt solche Bauvorhaben als Teil eines palästinensischen Masterplans zur systematischen Eroberung von Territorium dar – obwohl das Land nach internationalem Recht von vornherein palästinensisch ist. Was als böswillige Strategie dargestellt wird, ist oft einfach nur eine Frage der fehlenden Alternativen.
Mirsal Hattab, etwa 65 Jahre alt, ist ein solcher Fall. Sein ganzes Erwachsenenleben lang lebte er mit seiner Familie in einer Mietwohnung in Nablus. Seine Ersparnisse, die er in seiner langjährigen Tätigkeit als Zahntechniker und später als Blumenladenbesitzer angesammelt hatte, reichten nicht aus, um für sich und seine Söhne ein Haus zu kaufen. Anfang der 2010er Jahre kaufte er ein Grundstück am südwestlichen Rand eines Gebiets, das als „Neues Nablus” bekannt ist, von einem Bewohner des Dorfes Iraq Burin, das auf einem hohen Bergrücken an der Südseite eines breiten Tals liegt.
Da das C-Gebiet für palästinensische Bauvorhaben gesperrt blieb, stiegen die Grundstückspreise in den Stadtzentren – die meist als A-Gebiet klassifiziert sind – und in Dörfern, deren Grundstücke zwischen den Gebieten B und C aufgeteilt sind, sprunghaft an. Viele Familien, darunter auch die Hattabs, entschieden sich, das Risiko einzugehen und im C-Gebiet zu bauen. Sie hofften, dass die Zivilverwaltung sich nicht die Mühe machen würde, Orte zu erreichen, die weit von Siedlungen oder Siedlerstraßen entfernt und nur wenige Autominuten von anerkannten Wohngebieten entfernt sind.
„Wir haben unser Haus Stück für Stück gebaut“, sagt Hattab, während er neben den Trümmern steht. „Eine Wohnung für meine Frau und mich. Eine für meinen ältesten Sohn und unsere Enkelkinder. Und eine weitere für seinen Bruder, der sich verlobt hat.“ Vor zwei Jahren sind sie eingezogen.
Die Bewohner*innen von Qaffin, nördlich von Tulkarm, machten eine ähnliche Rechnung. An der Kreuzung zweier Dorfstraßen errichteten sie auf einer Fläche von etwa fünf Dunam (0,5 Hektar) eine Tankstelle, eine Betonfabrik und einen Kiosk. Die Tankstelle war 2018 aus dem Dorf dorthin verlegt worden; der Kiosk wurde nach Ausbruch des Krieges am 7. Oktober von einem jungen Mann errichtet. Anfang dieses Monats hängten Soldaten aufgrund fehlender Genehmigungen Baustoppverfügungen an der Baustelle aus.
„Wohin sollen wir gehen und wie sollen wir unseren Lebensunterhalt verdienen?“, fragt der Kioskbesitzer. „Als der Krieg ausbrach, habe ich meinen Job in einem Restaurant in Israel verloren. Andere Familienmitglieder, die in Israel gearbeitet haben, sind jetzt arbeitslos. Unsere landwirtschaftlichen Flächen liegen jenseits der Trennmauer, und wir dürfen sie weder betreten noch bewirtschaften. Das Land hier gehört uns. Wen stören wir mit unserem Kiosk?“
Die Eigentümer überlegen nun, ob sie einen bürokratischen und rechtlichen Kampf beginnen sollen, indem sie Einspruch gegen die Baustoppverfügungen einlegen – wohl wissend, dass wahrscheinlich Abrissverfügungen folgen werden.
Die Familie Hattab tat dies und verlor. Weder der Höhere Planungsrat der Zivilverwaltung noch der Richter Avraham Rubin vom Bezirksgericht Jerusalem gingen auf das ein, was sie als die zentrale Absurdität ansehen: dass es der Stadtverwaltung von Nablus seit 30 Jahren untersagt ist, das Gebiet unter ihrer Planungshoheit zu erweitern.
Den Hattabs wurde ein Monat Zeit gegeben, um ihr Haus zu räumen. „Wir haben eine kleine Wohnung gemietet, und dort ist nicht genug Platz für alles, was wir aus dem neuen Haus mitgenommen haben. Viele Dinge sind noch in Kisten“, sagt Hattab weniger als einen Monat nach dem Abriss. Waschbecken, ein zerbrochener Wassertank und Holzbretter liegen noch immer verstreut auf dem Gelände. Er hat auch die 14 Katzen zurückgelassen, die er früher gefüttert hat. Als er auf den Haufen aus Betonbrocken klettert, der einst sein Zuhause war, reiben sich einige von ihnen an seinem Bein. Zum ersten Mal bricht seine Stimme, als er sich an den Tag des Abrisses erinnert.
Er kann nicht verstehen, warum die israelischen Behörden den Bau nicht gestoppt haben, als er 2014 begann. „Warum haben sie gewartet, bis wir unsere gesamten Ersparnisse in den Bau investiert hatten? Warum haben sie bis 2021 gewartet, als wir die erste Baustoppverfügung erhielten?“
Er beantwortete seine eigene Frage mit der Vermutung, dass die Anordnung erteilt wurde, als in der Siedlung Har Bracha, ebenfalls im C-Gebiet, mehrstöckige Gebäude entstanden. Die Siedlung liegt auf dem südlichen Bergrücken des Berges Gerizim, etwa zwei Kilometer Luftlinie von seinem zerstörten Haus entfernt, getrennt durch ein breites Tal, das die physische Entfernung noch vergrößert.
Wie seine eigene Antwort vermuten lässt, ist die Zivilverwaltung – die Minister Bezalel Smotrich, einem Gründer von Regavim, unterstellt ist – bereit, Bulldozer tief in palästinensische Stadtgebiete zu schicken, um Smotrichs umfassenden Plan voranzutreiben: die unerbittliche Expansion jüdischer Gemeinden. Die Palästinenser*innen müssen sich unterdessen in sechs dicht besiedelten Enklaven drängen, die zusammen etwa 18 Prozent des Westjordanlands ausmachen.




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