In Israels Gefängnissen sind Folter und Tod zur Normalität geworden, die kaum noch zu verbergen versucht wird
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Das Leid von Dr. Hussam Abu Safiya ist kein Einzelfall. Die Misshandlung palästinensischer Häftlinge findet vor aller Augen statt, doch es ändert sich nichts
Von Nesrine Malik, The Guardian, 13. Juli 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
„Das ist das Ende. Ich glaube nicht, dass ich das überleben werde. Sie haben mich hierhergebracht, um mich zu töten.“ Das waren die Worte von Dr. Hussam Abu Safiya an seinen Anwalt Anfang dieses Monats. Abu Safiya war Direktor des Kamal-Adwan-Krankenhauses im Norden des Gazastreifens. Vor achtzehn Monaten wurde er von israelischen Streitkräften festgenommen und wird seitdem ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten. Er berichtet, mit Hämmern und Schlagstöcken geschlagen worden zu sein, von täglichen Schlägen und Bewusstseinsverlusten. Die neuesten Bilder von ihm zeigen einen deutlich ausgezehrten Mann im Vergleich zu dem, der einst die Stimme der belagerten medizinischen Fachkräfte im Gazastreifen war, die ihre Arbeit unter unmöglichen Umständen verrichteten.
Im Juni wurde Abu Safiya in das Rakefet-Gefängnis verlegt, eine unterirdische Anlage, die ursprünglich zur Unterbringung hochrangiger Vertreter der organisierten Kriminalität errichtet und später mit der Begründung geschlossen wurde, sie sei unmenschlich. Ende 2023 wurde sie vom rechtsextremen Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, wiedereröffnet. Abu Safiya und die anderen palästinensischen Gefangenen dort sehen niemals Tageslicht, was einen Verstoß gegen die Genfer Konventionen darstellt. In den palästinensischen Gebieten und in Israel werden etwa 3.500 Gefangene wie er unter „Administrativhaft“ festgehalten, die alle sechs Monate auf unbestimmte Zeit verlängert werden kann. Fast 200 von ihnen sind Kinder. Sobald ein Palästinenser oder eine Palästinenserin nach diesen Regeln inhaftiert wird, wird er oder sie im Grunde genommen vom Staat entführt.
„Die wahre Hölle“ erlebt man erst, wenn man inhaftiert ist. Ali al-Samoudi, ein palästinensischer Journalist, wurde Anfang dieses Jahres freigelassen – bis zur Unkenntlichkeit verändert. Er hatte 60 kg abgenommen, etwa die Hälfte seines Körpergewichts. „Das Gefängnis ist heute im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle“, sagte er gegenüber CNN. „Alles, was sie mit uns gemacht haben, war Bestrafung und Rache.“
Das Ausmaß an Misshandlungen, Folter und Todesfällen in israelischen Gefängnissen ist gut dokumentiert, doch hin und wieder taucht ein Bild auf, das in seiner Schadenfreude und Hemmungslosigkeit an Abu Ghraib erinnert. Anfang dieses Monats wurde ein von einem israelischen Soldaten aufgenommenes Foto in den sozialen Medien gepostet. Es zeigt einen palästinensischen Mann aus dem Gazastreifen, der mit dem Gesicht nach unten liegt, bis auf die Unterwäsche entkleidet und mit Seilen an einem Brett und einer Eisenstange gefesselt ist. Die Bildunterschrift lautete auf Hebräisch „Guten Morgen“. Die Parallelen zu Abu Ghraib waren unübersehbar: die unheimliche Schadenfreude, die sexualisierte Demütigung entblößter Gefangener, das Fotografieren als eine Art Trophäe.
Dies sind keine Einzelfälle und auch keine Maßnahmen, die erst im aktuellen Konflikt eingeführt wurden, obwohl sie sich währenddessen verstärkt haben. Die Administrativhaft und die Misshandlungen sind Teil eines umfassenderen, seit langem bestehenden Systems, das den Palästinenser*innen ihre Menschenrechte vorenthält und offenbar darauf ausgelegt ist, zu terrorisieren, die Moral zu brechen und kollektiv zu bestrafen. Seit Jahrzehnten verfolgt der israelische Staat eine Politik, bei der die Leichen von Palästinenser*innen einbehalten und den Familien zur Bestattung vorenthalten werden. Einige Leichen sind in nummerierten Gräbern in abgesperrten Militärzonen beigesetzt, andere werden in Gefrierkammern aufbewahrt. Darunter befinden sich 100 Palästinenser, die in israelischer Haft starben. Es wurden keine Informationen darüber bereitgestellt, wie sie ums Leben kamen.
Und dann sind da noch die Vermissten. Menschen in Gaza, die laut Augenzeugen von israelischen Behörden festgenommen, aber nie registriert wurden. Laut der in Israel ansässigen Menschenrechtsorganisation HaMoked, die versucht, den Verbleib von fast 2.000 Menschen aufzuklären, handelt es sich hierbei um „Verschleppungen“.
Dies sind nur Ausschnitte, Momentaufnahmen eines Zustands, in dem Palästinenser*innen unter einem Regime der Qual leben. Das Ergebnis sind vielschichtige, vielfältige und komplexe Formen des Traumas, die den Palästinenser*innen offenbar signalisieren, dass ihr Leben und sogar ihre Leichen dem israelischen Staat gehören. Die praktische Infrastruktur des Missbrauchs ist schon schockierend genug, doch es scheint, als gäbe es auch eine wichtige psychologische Dimension, eine Art permanentes Ersticken des Selbstbestimmungsgedankens. Unter den Inhaftierten befinden sich so viele Menschen mit Rollen und Profilen, die auf Führungsqualitäten hindeuten oder gemeinschaftliche Werte verkörpern: Journalist*innen, Ärzte und Mitglieder der Zivilgesellschaft. Diese Menschen sind Teil des Netzwerks, das einem Staat oder einer Gesellschaft zugrunde liegt und das zerschlagen werden muss, um zu vermitteln, dass es so etwas wie Palästina oder ein palästinensisches Volk nicht gibt.
Bemerkenswert ist, wie viel davon vor aller Augen geschieht. Wie oft es durch ein Bild deutlich wird, sei es eine Aufnahme eines palästinensischen Gefangenen, der offenbar sexuell missbraucht wird, oder die eines Mannes in Unterwäsche, der an eine Stange gefesselt ist. Wie viel davon von Menschenrechtsorganisationen dokumentiert, von israelischen Soldaten gepostet und von israelischen Politikern zur Schau gestellt wird. Und wie wenig dagegen innerhalb Israels protestiert wird oder wie selten es Israels Verbündete im Westen dazu bewegt, echte Empörung zu äußern oder konkrete Maßnahmen zu fordern. In Großbritannien liegt der Fokus auf der Gewalt der Siedler, auf Sanktionen gegen Siedler und – wie Andy Burnham kürzlich vorschlug – auf einem Handelsverbot mit illegalen Siedlungen. Doch das wirkt wie der Versuch, das Hauptproblem vom Kern des israelischen Staates wegzuverlagern.
Während dahinsiechende palästinensische Gefangene in Kerkerzellen vor den Augen der Welt erscheinen und ihr Tod vorhersehbar ist, denke ich an Abu Ghraib zurück und daran, wie sehr diese Bilder bewegten, empörten und schließlich eine ganze Ära der zügellosen Macht, des Rassismus und der Grausamkeit prägten. Damit dies geschehen konnte, bedurfte es einer Medien- und Politiker*innenklasse, die auf Ermittlungen und Rechenschaft drängte.
Wo ist das heute zu finden – sei es innerhalb Israels oder unter denen, die von außen Einfluss ausüben können? Ein gewisser Hoffnungsschimmer ergibt sich aus der Tatsache, dass der stellvertretende Ständige Vertreter Großbritanniens bei den Vereinten Nationen kürzlich erklärte, Großbritannien sei besorgt über „die dokumentierten Fälle sexueller Gewalt, die von israelischen Streitkräften gegen palästinensische Häftlinge verübt wurden“, und Israel aufforderte, Ermittlungen einzuleiten. Aber ich vermute, jeder weiß, dass das nicht geschehen wird.
Denn was dort geschieht, ist keine Anomalie, keine Abweichung, sondern eine Norm, die von aufeinanderfolgenden Generationen israelischer Politiker*innen und, wie es scheint, auch von der israelischen Gesellschaft ausdrücklich umgesetzt und gebilligt wird. Solange man sich dieser Tatsache nicht stellt, werden Palästinenser*innen weiterhin inhaftiert, zum Verschwinden gebracht, gefoltert und sexuell missbraucht werden, und die Täter werden höflich, besorgt und gelegentlich gebeten, bitte selbst Ermittlungen einzuleiten.




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