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Israel vernichtet Beweise für Völkermord im Gazastreifen und transportiert täglich Trümmer und Leichenreste in 100 Lastwagen ab

  • vor 2 Tagen
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Die israelischen Streitkräfte führen gemeinsam mit zivilen israelischen Auftragnehmern eine groß angelegte und organisierte Operation durch, um die Trümmer aus den von ihnen im Gazastreifen zerstörten Stadtvierteln und Einrichtungen zu beseitigen und aus den unter ihrer militärischen Kontrolle stehenden Gebieten außerhalb des Gazastreifens zu verbringen.


Euro-Med Human Rights Monitor, 3. August 2026

(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

Dies geschieht ohne jegliche offizielle Erfassung der abtransportierten Mengen oder unabhängige Aufsicht und bevor internationale und lokale Untersuchungskommissionen die Möglichkeit hatten, die Orte zu begutachten, zu untersuchen und zu dokumentieren. Dadurch besteht die Gefahr, dass entscheidende Beweise für Völkermord sowie die Überreste von Opfern, deren Verbleib unter den Trümmern noch ungeklärt ist, vernichtet werden.

Diese Maßnahmen sind nicht Teil organisierter humanitärer Bemühungen zur Rettung Vermisster, zur Freigabe von Straßen oder zur Vorbereitung des Wiederaufbaus. Stattdessen handelt Israel einseitig in gesperrten Gebieten unter seiner militärischen Kontrolle, indem es verbleibende Gebäude abreißt und anschließend die Trümmer zerkleinert, durchmischt und abtransportiert, bevor forensische Teams, Beweismittelsachverständige und Spezialist*innen für Blindgänger die Orte sowie die Beweismittel und menschlichen Überreste untersuchen, dokumentieren und sichern können.

Die im April 2026 gemeinsam von der Weltbank, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union veröffentlichte „Gaza Rapid Damage and Needs Assessment“ schätzte auf der Grundlage von Schadensberichten bis Oktober 2025, dass sich im Gazastreifen etwa 68 Millionen Tonnen Schutt befinden. Diese Zahl berücksichtigt nicht automatisch jene Schäden, die durch spätere Abriss- und Zerstörungsmaßnahmen verursacht wurden. Nach seinen ersten Felddaten schätzt der Euro-Med Human Rights Monitor, dass mindestens 10 Millionen Tonnen Schutt innerhalb der Gebiete unter Israels rechtswidriger militärischer Kontrolle – die etwa 66 Prozent des Gazastreifens umfassen – abtransportiert, zerkleinert oder von ihren ursprünglichen Standorten entfernt wurden.

Im Osten und Süden des Gazastreifens sind etwa 400 schwere Maschinen für Aushub-, Abriss-, Zerkleinerungs- und Transportarbeiten im Einsatz, die von israelischen Zivilunternehmen unter militärischem Schutz betrieben werden. Sie reißen verbleibende Gebäude ab, zerkleinern Trümmer aus zerstörten Stadtvierteln und verladen die Trümmer auf Lastwagen, um sie von ihren ursprünglichen Standorten abzutransportieren.

In den letzten Wochen hat Euro-Med Monitor täglich fast 100 israelische Lastwagen erfasst, die den Gazastreifen mit Trümmern verließen. Diese Lastwagen transportieren Trümmer zu unbekannten Orten innerhalb Israels und weiter südlich in das besetzte Westjordanland. Die israelischen Behörden haben keine Angaben zu den abtransportierten Mengen, den zurückgelegten Routen, den Zielorten oder der Verwendung des Materials gemacht. Sie haben zudem keine unabhängige Überwachung der Sortier-, Wiege- oder Transportvorgänge zugelassen. Diese mangelnde Transparenz macht es sehr schwierig, das transportierte Material zurückzuverfolgen, Beweismittel zu identifizieren oder möglicherweise vorhandene menschliche Überreste zu bergen.

Die systematische Beseitigung von Trümmern in diesem Tempo verschleiert die Beweise für die entsetzlichen Verbrechen, die Israel in Gaza begangen hat, insbesondere solche im Zusammenhang mit Völkermord, wie etwa summarische Hinrichtungen und die Tötung unbewaffneter Zivilist*innen. Diese Orte bedürfen einer sorgfältigen Untersuchung und gründlichen strafrechtlichen Ermittlung, bevor Eingriffe erfolgen, die ihre Beschaffenheit verändern oder auslöschen könnten.

Zu den im gesamten Gazastreifen verstreuten Trümmern gehören mögliche Orte rechtswidriger Tötungen und Bombenangriffe, die sich gegen ganze Familien richteten, sowie Orte, von denen angenommen wird, dass sie Massengräber oder Leichen enthalten, die in zerstörten Häusern, Krankenhäusern, Notunterkünften und zivilen Einrichtungen begraben sind. An diesen Orten befinden sich Beweismittel, die entscheidend sind für die Identifizierung der Waffe, des Ablaufs des Angriffs, der Positionen von Opfern und Angreifern, der Schussreichweiten, der Todesursache und der Todesart sowie von Fragmenten, Projektilen, leeren Patronenhülsen, biologischen Spuren und persönlichen Gegenständen.

Das Zerkleinern, Vermischen und Abtransportieren von Trümmern kann Beweise, Ortsangaben und Zusammenhänge am Tatort vernichten. Dieser Vorgang unterbricht zudem die Beweiskette, wodurch es unter Umständen unmöglich wird, nachzuvollziehen, wo Beweismittel gesichert wurden, oder sie mit einem bestimmten Vorfall oder Opfer in Verbindung zu bringen. Diese Schäden lassen sich nicht durch Luftbilder oder spätere Zeug*innenaussagen rückgängig machen, da die Aufklärung internationaler Verbrechen auch greifbare Beweismittel erfordert, die untersucht, verglichen und rechtlich überprüft werden können.

Diese Maßnahmen stellen ein direktes Risiko für die sterblichen Überreste von Tausenden vermisster Personen dar, deren Zahl der Zivilschutz von Gaza im Juli 2026 auf etwa 8.500 schätzte. Der Einsatz von Baggern und schwerem Gerät ohne vorherige forensische und humanitäre Untersuchungen könnte die Überreste zermalmen oder verstreuen, sie mit Trümmern vermischen und sie von persönlichen Gegenständen und Dokumenten trennen, die für die Identifizierung der Opfer unerlässlich sind. Dieser Vorgang kann zudem dazu führen, dass die Überreste an unbekannte Orte transportiert werden, die später möglicherweise nicht mehr zugänglich sind.

Dieses Vorgehen verletzt das Recht der Familien, das Schicksal ihrer vermissten Angehörigen zu erfahren und deren sterbliche Überreste in Würde zu bergen und zu bestatten. Es widerspricht zudem internationalen Standards, die die Suche nach den Verstorbenen, die Erfassung und Sicherung von Informationen über sie sowie die Gewährleistung einer ordnungsgemäßen Identifizierung und Erfassung vorschreiben. Darüber hinaus verstößt die Beseitigung von Fundstellen vor Abschluss der Ermittlungen gegen die im „Minnesota-Protokoll zur Untersuchung potenziell rechtswidriger Todesfälle“ festgelegten Richtlinien. Dieses Protokoll legt besonderen Wert auf die Sicherung und Dokumentation des Tatorts, die Sicherung von Beweismitteln unter Wahrung der Beweiskette sowie die Bergung und Untersuchung von sterblichen Überresten mit wissenschaftlichen Methoden, die die Würde der Opfer und die Rechte ihrer Familien wahren.

Die Trümmer im Gazastreifen bestehen aus mehr als nur Schutt; sie umfassen privates und öffentliches Eigentum, wichtige Baumaterialien wie Stahl, Stein und Beton, die recycelt und wiederverwendet werden könnten, sowie andere wertvolle Güter, die die Palästinenser*innen für den Wiederaufbau ihrer Häuser, Straßen und Infrastruktur benötigen. Sie können auch Eigentumsdokumente, amtliche Unterlagen und persönliche Gegenstände enthalten, die Teil der Rechte und Erinnerungen von Einzelpersonen und Familien sind.

Die Beseitigung von Trümmern aus dem Gazastreifen und deren kommerzielle Verwertung ohne Zustimmung der Eigentümer*innen oder Entschädigung kann je nach den Umständen und der Absicht der Beschlagnahme eine rechtswidrige Enteignung oder Plünderung darstellen. Solche Handlungen sind nach dem humanitären Völkerrecht verboten, insbesondere gemäß Artikel 33 der Vierten Genfer Konvention und den einschlägigen Bestimmungen des Römischen Statuts.

Diese Handlungen sind Teil eines umfassenderen Musters, zu dem auch das Planieren von Stätten, von denen angenommen wird, dass sie Massengräber enthalten, das Stürmen und Beschädigen von Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen, nachdem diese im Verdacht standen, Schauplätze schwerer Verbrechen zu sein, der anhaltende Abriss von Gebäuden in militärisch kontrollierten Zonen sowie Angriffe auf palästinensische Journalist*innen gehören. Zudem wurde internationalen Ermittler*innen und unabhängigen Medien der Zugang zu den am stärksten zerstörten Gebieten verwehrt.

Diese vorsätzliche Beseitigung von Beweismitteln erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) noch immer Ermittlungen zu Verbrechen in Palästina durchführt, parallel zu anderen Verfahren vor nationalen Gerichten im Rahmen der universellen Gerichtsbarkeit. Die Zerstörung von Tatorten vor Abschluss der Ermittlungen behindert die rechtliche Rechenschaftspflicht und erschwert die Bemühungen internationaler Ermittler*innen und Staatsanwält*innen, den Sachverhalt aufzuklären, da wichtige Beweismittel verloren gehen könnten, sobald sie aus dem Gazastreifen entfernt werden.

Darüber hinaus werden gemäß Artikel 70 Absatz 1 Buchstabe c des Römischen Statuts „die Vernichtung, Manipulation oder Behinderung der Beweissicherung“ als Straftaten angesehen, die den Justizauftrag des IStGH behindern, wenn sie vorsätzlich begangen werden. Der Ankläger des IStGH sollte diese Handlungen als vorsätzliche Behinderung der Beweissicherung im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen zur Lage im Staat Palästina untersuchen, wozu auch die rechtswidrige Zerstörung, Beschlagnahme oder Plünderung von Eigentum gehört.

Das großflächige Zerkleinern und Abtransportieren von Trümmern zerstört nicht nur Beweismittel, sondern löscht auch Grundstücksgrenzen, Hausfundamente, Straßennetze und die charakteristischen Merkmale von Stadtvierteln aus. Dieser Prozess beraubt die Palästinenser*innen der physischen Zeichen ihres Eigentums und ihrer Verbindung zum Land, was es ihnen erschwert, zurückzukehren und ihre Gemeinschaften wieder so aufzubauen, wie sie einst waren.

Die Umwandlung gewaltsam entvölkerter palästinensischer Städte und Stadtviertel in ebene, offene Flächen unter israelischer Kontrolle ist eine konkrete Maßnahme, die die Vertreibung und ethnische Säuberung vertieft. Dieser Prozess ist untrennbar mit dem israelischen Siedlerkolonialismus verbunden, der darin besteht, Palästinenser*innen zu entwurzeln, Spuren ihrer Anwesenheit zu beseitigen und das Land ohne sie neu zu definieren. Dies ebnet den Weg für Israels Bestrebungen, Siedlungen im Gazastreifen wieder aufzubauen und palästinensische Bewohner*innen zu vertreiben, wodurch eine neue Phase der Kolonisierung und die anhaltende Verweigerung von Land und des Rückkehrrechts vorangetrieben wird.

Die internationale Gemeinschaft, einschließlich des Sicherheitsrats, der UN-Generalversammlung und der Vertragsstaaten des Römischen Statuts, muss dringend eingreifen, um die systematische Beseitigung und den Abtransport von Trümmern aus dem Gazastreifen zu stoppen. Sie sollte sich zudem dafür einsetzen, dass unabhängige internationale forensische und strafrechtliche Ermittlungsteams Zugang erhalten, um die Zerstörungsorte zu begutachten und zu dokumentieren, bevor weitere Beseitigungs- oder Transportmaßnahmen erfolgen, damit die materiellen Beweise erhalten bleiben und die für den Völkermord Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Euro-Med Monitor fordert die internationale Gemeinschaft nachdrücklich auf, Israel dazu zu drängen, alle Aktivitäten zur Beseitigung und zum Abtransport von Trümmern unverzüglich und vollständig einzustellen. Dazu gehört die Forderung nach detaillierten Angaben zu den transportierten Materialien, Wiegeprotokollen, Lkw-Routen, Endzielen, Namen von Unternehmen und Auftragnehmer*innen, begünstigten Parteien, Zahlungsinformationen, Zulassungsnummern von Maschinen und Lkws sowie Tracking-Daten, ebenso wie Transparenz hinsichtlich jeglichen Verkaufs, Recyclings oder jeglicher kommerziellen Verwertung von aus dem Gazastreifen entnommenen Materialien.

Darüber hinaus sollte die Abfuhr von Trümmern oder wiederverwertbaren Materialien aus dem Gazastreifen untersagt werden, bis ein transparentes palästinensisches und internationales System zur Verwaltung dieser Materialien eingerichtet ist. Dieses System sollte sicherstellen, dass rechtswidrig transportierte Materialien entweder zurückgegeben werden oder den Eigentümer*innen ihr voller Wert ersetzt wird. Zudem sollten für die Wiederverwendung geeignete Trümmer lokalen Wiederaufbauprojekten zugeführt werden, die der palästinensischen Bevölkerung zugutekommen und die Eigentumsrechte von Privatpersonen und der öffentlichen Hand schützen.

Staaten, in denen die betroffenen Unternehmen oder Maschinenhersteller ihren Sitz haben, sollten die Einstellung aller Maßnahmen anordnen, die zum Abriss von Eigentum, zur Beseitigung von Beweismitteln oder zur Beschlagnahmung von Bauschutt führen könnten. Sie müssen außerdem alle relevanten Verträge, Korrespondenz und Betriebsdaten aufbewahren und unabhängige Untersuchungen zur Rechenschaftspflicht ihrer Führungskräfte und Mitarbeiter*innen durchführen. Euro-Med Monitor fordert gezielte Maßnahmen gegen Personen und Unternehmen, von denen festgestellt wurde, dass sie von diesen illegalen Aktivitäten wussten und daran beteiligt waren, wie beispielsweise den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen, das Einfrieren von Vermögenswerten und die strafrechtliche Verfolgung.

Alle Bemühungen zur Beseitigung von Trümmern oder zum Wiederaufbau im Gazastreifen müssen von Palästinenser*innen geleitet werden, unter Einbeziehung der Bewohner*innen, Grundstückseigentümer*innen und der Familien der Vermissten. Diese Initiativen sollten den Schutz von Beweismitteln, die Bergung von sterblichen Überresten, die Räumung von Blindgängern, die Sortierung gefährlicher Stoffe, die lokale Wiederverwendung von Trümmern sowie die Erhaltung von Grundstückskarten und der städtischen Struktur gewährleisten und verhindern, dass der Wiederaufbau dazu genutzt wird, die Kontrolle zu festigen oder die geografische oder demografische Zusammensetzung der Enklave zu verändern.

Euro-Med Monitor bekräftigt, dass ein Waffenstillstand oder politische Vereinbarungen Verbrechen oder deren Beweise nicht auslöschen. Der Wiederaufbau und die Beseitigung von Trümmern sollten Hand in Hand gehen mit der Sicherung von Beweismitteln, der Aufklärung über das Schicksal der Vermissten, der Rückgabe von Eigentum, der Rechenschaftspflicht der Täter sowie der Gewährleistung der Rechte der Opfer auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung.

 

Euro-Med Human Rights Monitor ist eine unabhängige und gemeinnützige Organisation, die sich für die Menschenrechte aller Menschen in Europa und der MENA-Region einsetzt, insbesondere für diejenigen, die unter Besatzung, inmitten von Krieg oder politischen Unruhen leben und/oder aufgrund von Verfolgung oder bewaffneten Konflikten vertrieben wurden.



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