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Israel verübt ein Gemetzel an Sanitätern und Rettungskräften im Libanon

  • vor 5 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Seit dem 2. März hat Israel im Libanon über 120 Rettungskräfte getötet, 16 Krankenhäuser beschädigt und über 130 Krankenwagen angegriffen.


Von Katrine Dige Houmøller, Dropsite News, 22. Mai 2026


(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

DEIR QANOUN AL-NAHR, Libanon – Ein Bagger stand auf dem, was einst ein Haus in Deir Qanoun Al-Nahr im Südlibanon gewesen war, und schob zerbrochenen Beton von einer Seite des Kraterlochs zur anderen. Rettungskräfte in fluoreszierenden Westen gruben mit bloßen Händen in den Trümmern. Unter ihnen befand sich Ahmed Hariri, Rettungssanitäter und Fotojournalist.

Staub stieg aus den Trümmern auf, während die Männer hastig nach Anzeichen von Leben – oder Tod – gruben. „Da ist etwas“, rief einer von ihnen. Er zog ein blutbeflecktes Stück Beton aus den Trümmern. Die anderen eilten zu ihm und begannen, schneller zu graben. Irgendwo unter dem zerstörten Familienhaus lagen die Überreste von drei Menschen, die am Mittwoch noch vermisst wurden, nachdem ein israelischer Luftangriff am Vortag 14 Menschen, darunter vier Kinder, getötet hatte – einer der tödlichsten Angriffe im Libanon seit Wochen. Zehn der Toten gehörten drei Generationen derselben Familie an. Eine vierköpfige syrische Familie wurde ebenfalls getötet.

„Schaut“, sagte einer der Rettungskräfte und hob eine mit grauem Staub bedeckte Schultasche mit Heften und Kinderbüchern darin hoch. „Die gehörte einem der Kinder.“ In der Ferne hallten weitere Luftangriffe über die Landschaft, deren tiefe Dröhnen über die Trümmer hinweghallte.

Kaum zwei Tage später wurde Ahmed Hariri zusammen mit zwei weiteren Rettungssanitätern bei einem weiteren israelischen Luftangriff auf Deir Qanoun Al-Nahr am Freitag getötet, bei dem insgesamt fünf Menschen starben. Dieser Luftangriff folgte auf die Tötung von vier Rettungssanitätern und die Verwundung von fünf weiteren in der Nacht zum Donnerstag bei einem israelischen Angriff auf Hannawiyah, bei dem sowohl das Hauptzentrum der Gesundheitsbehörde der Stadt als auch eine neu eingerichtete Rettungswache in Tyros zerstört wurden.

Israels mutwillige Tötung von Rettungskräften und die gezielten Angriffe auf die medizinische Infrastruktur im Libanon gehören zu den ungeheurlichsten Merkmalen dieses Krieges. In den vergangenen fünf Wochen wurden die unerbittlichen israelischen Luft- und Bodenangriffe fortgesetzt, obwohl Präsident Donald Trump am 16. April einen nominellen Waffenstillstand verkündet hatte. Letzte Woche einigten sich Israel und der Libanon nach ihrer dritten Runde direkter Gespräche in Washington – an denen die Hisbollah nicht beteiligt ist – auf eine Verlängerung des „Waffenstillstands“ um 45 Tage. Die Erklärung eines Waffenstillstands hat das israelische Militär nicht davon abgehalten, seine Bombardements auf den Libanon fortzusetzen, vor allem im Süden und im östlichen Bekaa-Tal. Seit dem 2. März hat Israel laut dem libanesischen Gesundheitsministerium landesweit mehr als 3.100 Menschen getötet und mehr als 9.400 verletzt, davon über 900 seit Inkrafttreten des sogenannten Waffenstillstands.

Israel behauptet, es ziele auf Hisbollah-Kämpfer und „terroristische Infrastruktur“ ab – doch vor Ort machen zivile Männer, Frauen, Kinder und ältere Menschen den Großteil der Opfer aus, und Wohnhäuser sowie zivile Infrastruktur wurden systematisch zerstört. Allein im Jahr 2026 wurden mindestens neun Journalist*innen getötet, was den Libanon in diesem Jahr zum tödlichsten Ort für Journalist*innen weltweit macht. Am skrupellosesten ist jedoch, dass Israel Rettungskräfte und medizinisches Personal mit erschreckender Regelmäßigkeit angegriffen hat.

Insgesamt wurden seit dem 2. März bei israelischen Luftangriffen im gesamten Libanon mehr als 120 Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens getötet und über 260 verletzt. Nicht weniger als 139 Krankenwagen und 16 Krankenhäuser wurden beschädigt, wodurch drei Krankenhäuser zur Schließung gezwungen wurden. Das libanesische Gesundheitsministerium hat Israel vorgeworfen, den medizinischen Sektor und dessen Personal systematisch ins Visier zu nehmen. Anstatt diese Vorwürfe zurückzuweisen, hat Israel wiederholt die Hisbollah beschuldigt, Krankenwagen und medizinische Einrichtungen für militärische Zwecke zu nutzen, ohne jedoch Beweise zur Untermauerung dieser Behauptungen vorzulegen.

Rettungskräfte berichten von wiederholten israelischen Angriffen, die direkt auf ihre Mitglieder abzielen, oft in Form von Doppel- oder Dreifachschlägen, bei denen ein Ort, nachdem er getroffen wurde, ein zweites oder sogar drittes Mal bombardiert wird, sobald die Rettungskräfte am Einsatzort eintreffen.

„Wir versuchen, vorsichtig zu sein und vor Einsätzen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, wie zum Beispiel zehn Minuten zu warten, um die Doppelangriffe zu vermeiden“, sagt Abdullah Halal, der Leiter des Rettungsteams der Zivilschutzstation in Nabatieh, gegenüber Drop Site News. Doch selbst diese Vorsichtsmaßnahmen haben nicht immer ausgereicht. Letzte Woche verlor Halal zwei seiner Kollegen bei einem Doppelangriff.

Am 12. Mai traf eine israelische Drohne laut Angaben des Zivilschutzes ein Tuk-Tuk (eine motorisierte Rikscha) in Nabatieh. Der Fahrer wurde verletzt, überlebte jedoch und schaffte es, sich zum Zivilschutzzentrum zu begeben, um Hilfe zu holen. Als zwei Rettungskräfte – Hussein Jaber und Ahmad Noura – herauskamen, um ihm zu helfen, traf ein zweiter Angriff das Gebiet, tötete alle drei Männer und verletzte eine Sanitäterin.

„Ich war nur 20 Meter entfernt. Ich habe alles gesehen“, berichtet Hussein Saad, ein 23-jähriger Mitarbeiter des Zivilschutzes, am nächsten Tag bei der Beerdigung der beiden Sanitäter in Saida. Seine Augen sind geschwollen und gerötet. Er stockt mitten im Satz, als ihn die Tränen erneut überwältigten.

Die Trauer bei der Beerdigung, zu der unzählige Trauergäste gekommen waren, war laut und eindringlich. Viele weinten, schrien oder riefen ihren letzten Abschiedsgruß, während andere vor Schock wie erstarrt dastanden. Als die Leichen durch die Straßen getragen wurden, reckten die Trauergäste ihre Fäuste in die Höhe und skandierten: „Tod für Israel.“

Viele der Trauernden waren Kolleg*innen von Jaber und Noura, die gemeinsam Schichten absolviert und gefährliche Rettungsmissionen bestritten hatten. „Sie sind nicht nur Kollegen, wir sind alle Brüder. Ich kenne Ahmad seit 20 Jahren. Hussein seit zehn. Das ist sehr schwer für uns“, sagt Abdullah Halal, der Leiter des Rettungsteams des Zivilschutzes in Nabatieh.

Im ganzen Libanon dienen Krankenhäuser und medizinische Zentren den Rettungskräften gleichzeitig als Arbeitsplatz und Zuhause. Neben dem Najda-Krankenhaus in Nabatieh bedecken Matratzen den Boden eines großen Raums, in dem das Team der Nabatieh Ambulance Association schläft, sich ausruht und auf den nächsten Einsatz wartet. Während ihre Familien an andere Orte evakuiert wurden, blieben sie zurück und leben und arbeiten Seite an Seite.

„Es ist schwer, alles zurückzulassen“, sagt Ali Rida Hammoud, ein Rettungssanitäter des Teams. „Es ist schwer mitanzusehen, wie meine Familie und meine Landsleute leiden und versuchen, eine Unterkunft oder einen sicheren Ort zu finden. Es ist wie ein zweischneidiges Schwert: Entweder man lässt alles zurück oder man bleibt und riskiert den Tod.“

Kurz nach Beginn der Eskalation des Krieges durch Israel am 2. März kritisierten Menschenrechtsorganisationen Israel für Angriffe auf medizinisches Personal im Libanon. „Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens riskieren ihr Leben, um andere zu retten, und Krankenhäuser, andere medizinische Einrichtungen sowie Krankenwagen genießen besonderen Schutz nach dem humanitären Völkerrecht“, erklärt Kristine Beckerle, stellvertretende Regionaldirektorin von Amnesty International für den Nahen Osten, in einer Stellungnahme am 19. März. „Der gezielte Angriff auf medizinisches Personal, das seine humanitären Aufgaben erfüllt, ist ein schwerwiegender Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und könnte ein Kriegsverbrechen darstellen.“

Am Dienstag erließ Israel Räumungsbefehle für Teile von Nabatieh, darunter das Gebiet um das Najda-Krankenhaus, eines der letzten funktionierenden medizinischen Zentren im Bezirk. Krankenpfleger*innen, Ärzt*innen und Rettungskräfte hatten sich dort bereits neu formiert, nachdem mehrere ihrer eigenen Notfallzentren bei früheren israelischen Angriffen getroffen worden waren. Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet, doch die Arbeit geht weiter.

„Die Israelis haben in der Vergangenheit wiederholt gegen Regeln verstoßen, unter anderem durch Angriffe auf medizinisches Personal. Trotzdem hält uns nichts davon ab, diese Arbeit fortzusetzen“, sagt Mahdi Sadiq, Geschäftsführer des Rettungsdienstverbands. „Wir sind der Überzeugung, dass wir zu unserem Volk stehen, es retten und den Zurückgebliebenen helfen müssen. Das ist Teil unserer Lebensaufgabe, und wir sind bereit, dafür Opfer zu bringen.“

Er fügte hinzu: „Dies ist eine Arbeit, die Risiken birgt, und wir waren uns dieser Möglichkeit vom ersten Tag an bewusst. Was uns antreibt, ist unser humanitäres Gewissen und unsere nationalen Werte.“

In Nabatieh sind die Straßen, in denen einst Geschäfte und Verkehr herrschten, nun unheimlich leer und still, abgesehen vom Dröhnen der israelischen Kampfflugzeuge am Himmel. Die Gebäude sind von Luftangriffen gezeichnet, und ganze Häuserblocks wirken verlassen.

„Dort drüben wurden Joud und Ali getötet, als sie Zivilist*innen mit Essen versorgten“, berichtet ein Rettungshelfer, der anonym bleiben will, und zeigte die Straße hinunter. Er bezog sich dabei auf den Angriff vom 24. März, bei dem seine Kollegen Joud Souleiman (16) und Ali Jaber (19) ums Leben kamen, als sie mit ihrem Motorroller in Richtung des Zentrums von Nabatieh fuhren, um warme Mahlzeiten auszuliefern.

Ein paar Häuserblocks weiter deutet der Rettungshelfer erneut: „Und dort wurden Hussein und Ahmad getötet, als sie versuchten, die Verwundeten zu retten“, sagt er. „Mahdi wurde ebenfalls getötet, zusammen mit drei weiteren Sanitätern in Mayfadoun“, sberichtet er und bezieht sich dabei auf den 40-jährigen Mahdi Abou Zeid, der bei einem israelischen Angriff am 15. April getötet wurde.

„Ich habe die Überreste meiner Freunde eingesammelt. Wir haben keine andere Wahl“, sagt er. Während er spricht, erschüttert plötzlich eine laute Explosion das Tal jenseits der Stadt, gefolgt von einem weiteren Luftangriff. Das Team der Rettungskräfte blickt auf den Rauch, der hinter den Hügeln aufsteigt. „Es ist Zeit zu gehen“, sagt einer von ihnen.

 

Katrine Dige Houmøller ist eine dänische freiberufliche Journalistin mit Sitz in Beirut, Libanon, die sich auf die Berichterstattung über den Nahen Osten spezialisiert hat, wobei ihr Schwerpunkt auf Krieg, Krisen und Menschenrechten liegt.



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