Israelische Extremisten belagern zwei palästinensische Familien in ihren Häusern im Westjordanland
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Siedler und Soldaten unterbrechen die Wasser- und Stromversorgung der Häuser und verhindern medizinische Versorgung im Rahmen einer Terrorkampagne.
Von Emma Graham-Harrison, The Guardian, 13. Aug. 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Israelische Extremisten belagern seit dem Wochenende zwei palästinensische Familien in ihren Häusern, um durch eine Terrorkampagne deren Grundstücke im Dorf Qusra im Westjordanland zu übernehmen.
Eine Gruppe von Siedlern und Soldaten errichtete am Sonntagnachmittag ein Zelt vor dem Haus der Familie von Yousef Hassan und sperrte ihn damit zusammen mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern im Haus ein. Die israelischen Männer versammelten sich nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der der 28-jährige Amir Moatasem Odeh im März von einem Siedler getötet wurde. Ein weiterer Angreifer stach auf seinen Vater ein. Im Zusammenhang mit dem Mord und dem Angriff wurde bisher niemand festgenommen.
„Jede Nacht werfen die Siedler Steine, benutzen obszöne Sprache und schreien die ganze Nacht hindurch. Wir leben in einem Zustand des Terrors“, sagt Hassan. Auch seine Mutter, sein Bruder und seine Schwester sowie drei Nachbarn wurden im Haus eingeschlossen, und ihre Strom- und Wasserversorgung wurde unterbrochen.
Siedler wandten dieselbe Taktik an, um ein weiteres palästinensisches Haus im benachbarten Dorf Jalud zu rauben, und vertrieben die Familie al-Tubasi im Juli nach einer monatelangen Belagerung. Sie stellten die Wasser- und Stromversorgung der Häuser ein, obwohl Hassan in Qusra dank eines Solarpanels einige Geräte aufladen kann. Außerdem haben sie die medizinische Versorgung blockiert.
Als seine jüngere Tochter, zwei Jahre alt, am Montag mit Erbrechen und hohem Fieber erkrankte, hinderten Siedler einen Krankenwagen daran, das Haus zu erreichen. Die Mädchen und ihre Mutter wurden schließlich am Dienstag evakuiert. Hassan berichtet, den Menschen im Haus gingen die Lebensmittel aus, und sie trinken Wasser und Saft, die der Krankenwagen mitbrachte, der gekommen war, um seine Tochter abzuholen. „Die Lage ist äußerst dramatisch.“
Am Mittwochmorgen besuchte der Kommandeur der israelischen Streitkräfte in der Region, General Avi Bluth, die Familien und versprach, die Belagerung aufzuheben, wie ein Sprecher des israelischen Militärs mitteilte. Hassan bestätigt den Besuch. „Heute kam der Gebietsbefehlshaber, sprach mit uns und versicherte uns, dass er die Siedler evakuieren werde. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass die Armee es mit den Siedlern ernst meint“, sagt Hassan, fügt jedoch hinzu, dass dies noch keine greifbaren Ergebnisse gebracht habe.
Soldaten entfernten das Zelt, ließen jedoch die Bettwäsche und andere Habseligkeiten zurück und zogen sich nach kurzen Zusammenstößen mit den Siedlern zurück. „Die Siedler stehen immer noch vor dem Haus, und wir können immer noch nicht weg.“
Ein Sprecher des israelischen Militärs erklärte, die Befehlshaber seien „zutiefst besorgt“ über das Vorgehen der Siedler, und Soldaten, die diese unterstützt hätten, müssten mit Disziplinarmaßnahmen rechnen; er lehnte es jedoch ab, einen Zeitplan für die Aufhebung der Belagerung zu nennen.
Am Mittwochabend traf sich der Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, Eyal Zamir, mit weiteren hochrangigen Befehlshabern, um die Lage in Qusra zu erörtern. Er ordnete an, ein Bataillon von Infanterie-Reservisten aus dem Urlaub zurückzurufen, um die Truppen im Westjordanland zu verstärken.
„Das Bataillon, das sich derzeit in einer Erholungs- und Ausbildungsphase befindet, wird in den Sektor verlegt, um die operative Kontrolle zu stärken. Darüber hinaus werden weitere Soldaten in Bereitschaft bleiben, um bei Bedarf eingesetzt zu werden“, erklärte ein Militärsprecher. Das Militär arbeite mit der Polizei zusammen, um „die für die Unruhen Verantwortlichen vor Gericht zu bringen“, fügte der Sprecher hinzu.
Der Vorfall ist für Israel zu einem internationalen Thema geworden. Am Donnerstag bezeichnete der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, der die Siedlerbewegung im weiteren Sinne unterstützt, die Gruppe, die die Häuser umzingelt hatte, als „israelische Terroristen“. Israelische Extremisten greifen Palästinenser*innen im besetzten Westjordanland nahezu straffrei an. Seit 2020 haben israelische Zivilisten und Soldaten dort mehr als 1.100 Palästinenser*innen getötet, und es gab nur eine einzige Anklage im Zusammenhang mit diesen Todesfällen.
Gewalt wird als Teil einer umfassenderen Kampagne der ethnischen Säuberung eingesetzt. Israel hat in den letzten drei Jahren 64 palästinensische Gemeinden gewaltsam vertrieben, so die Menschenrechtsorganisation B’Tselem. Fünfzehn weitere Gemeinden haben Einwohner*innen verloren, wobei mehr als 4.800 Menschen aus ihren Häusern vertrieben wurden.
„Was in Qusra geschieht, ist kein Einzelfall“, so Yuli Novak, Geschäftsführer von B’Tselem. „Siedlermilizen, unterstützt vom israelischen Militär, weiten ihre Angriffe auf palästinensische Dörfer und Städte aus – sie beschlagnahmen Land, greifen Häuser an und vertreiben Familien. Israels ethnische Säuberung des Westjordanlands beschleunigt sich und weitet sich vor aller Augen aus.“
Dutzende Israelis aus der Sicherheits-, Politik- und Kulturelite des Landes haben ihrer Regierung mit rechtlichen Schritten gedroht, weil sie es versäumt habe, gegen den „jüdischen Terrorismus“ im besetzten Westjordanland vorzugehen. Als Besatzungsmacht im Westjordanland ist Israel nach internationalem Recht dafür verantwortlich, die Sicherheit der palästinensischen Zivilbevölkerung zu gewährleisten und deren Grundbedürfnisse zu decken. Das israelische Militär hat das Gebiet zur gesperrten Militärzone erklärt und Journalisten daran gehindert, sich den palästinensischen Häusern zu nähern. Israelische Siedler unterliegen denselben Anordnungen, wurden jedoch nicht entfernt.
Nachtrag:
Wie der Guardian am 13. August berichtet, wurden entgegen der Versprechungen von General Avi Bluth, die Belagerung zu beenden, am Donnerstag beide Familien von der israelischen Armee dazu gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Israelische Soldaten besetzten am frühen Donnerstag zudem acht weitere Häuser in Qusra und teilten dem Bürgermeister des Dorfes, Abdul Azim Wadi, mit, dass die Gebäude für eine mehrtägige Operation zur Vertreibung der Siedler benötigt würden. Später gaben sie sechs davon wieder frei. Die Siedler halten sich weiterhin im Dorf auf.
Ehud Olmert, ehemaliger israelischer Premierminister kommentierte dies im Guardian mit: „Diese Belagerung ist ein abgestimmter und sorgfältig geplanter Versuch der ethnischen Säuberung und löst bei mir Abscheu und Scham aus. Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die von der israelischen Regierung aktiv unterstützt und durch die Gleichgültigkeit und völlige Untätigkeit der israelischen Streitkräfte und der israelischen Polizei begünstigt werden. Das ist unvergesslich und unverzeihlich.“




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