Kinder in Gaza zahlen weiterhin den Preis: In den kommenden Monaten werden voraussichtlich mehr als 74.000 Kinder an akuter Unterernährung leiden
- 23. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Neuen Daten zufolge werden im Zeitraum bis April 2027 mehr als 74.000 Kinder unter fünf Jahren im Gazastreifen an akuter Unterernährung leiden. Dies macht deutlich, dass die Krise weiterhin katastrophale Ausmaße annimmt und Kinder den höchsten Preis dafür zahlen.
Save the Children, 23. Juli 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Neue Daten der „Integrated Food Security Phase Classification“ (IPC) zeigten eine leichte Verbesserung gegenüber dem letzten IPC-Bericht vom Dezember 2025, in dem prognostiziert wurde, dass zwischen Oktober 2025 und Oktober 2026 101.000 Kinder an akuter Unterernährung leiden würden.
Der jüngste Bericht zeigte jedoch, dass die Auswirkungen auf Kinder nach wie vor verheerend sind und bis zum kommenden April mehr als 11.000 Kinder von schwerer akuter Unterernährung bedroht sein könnten – der tödlichsten Form des Hungers bei Kindern, die eine dringende Behandlung erfordert. Zuvor war prognostiziert worden, dass bis Oktober dieses Jahres 31.000 Kinder von akuter Unterernährung betroffen sein würden.
Diese Zahlen seien nach wie vor unannehmbar hoch und die Lage sei weiterhin prekär, so „Save the Children“. Ohne humanitäre Nahrungsmittelhilfe würden bis Dezember 2026 rund 90 % der Bevölkerung im Gazastreifen – also 1,9 Millionen Menschen – unter einem hohen Maß an akuter Ernährungsunsicherheit leiden.
Der IPC, die weltweit führende Organisation zur Überwachung des Hungers, führt die jüngsten Verbesserungen der Ernährungslage auf die Ausweitung der humanitären Hilfe im Gazastreifen nach dem „Waffenstillstand“ im Oktober letzten Jahres zurück. Seit Februar 2026 ist der Zustrom humanitärer Hilfe jedoch rückläufig, wobei die Verteilung von nahrhaften Lebensmittelpaketen und die Durchführung von Ernährungsprogrammen deutlich zurückgegangen sind. Gleichzeitig berichten Mitarbeiter*innen von „Save the Children“, dass die Märkte voll von teuren Handelswaren wie Chips und Schokolade sind, denen es an Nährstoffen mangelt, was bedeutet, dass bedürftige Familien Schwierigkeiten haben, erschwingliche, nährstoffreiche Lebensmittel zu beschaffen.
Der IPC hat gewarnt, dass die Lage trotz der jüngsten positiven Trends bei den Zahlen zu Unterernährung und Ernährungsunsicherheit weiterhin prekär und leicht umkehrbar ist, was durch überfüllte Wohnverhältnisse und beeinträchtigte Gesundheits-, Wasser- und Sanitärsysteme noch verschärft wird.
Ahmad Alhendawi, Regionaldirektor von „Save the Children“ für den Nahen Osten, Nordafrika und Osteuropa, sagte:
„Die jüngste IPC-Analyse darf nicht als Zeichen dafür missverstanden werden, dass es den Kindern in Gaza wieder besser geht. Sie ist eine Warnung, dass humanitäre Hilfe zwar dazu beigetragen hat, eine noch tiefgreifendere Katastrophe zu verhindern, diese Fortschritte jedoch nach wie vor gefährlich fragil sind. Die Nahrungsaufnahme ist immer noch unzureichend, humanitäre Hilfe bleibt für die meisten Familien die einzige Lebensader, und jede Unterbrechung des humanitären Zugangs birgt die Gefahr, die bescheidenen Fortschritte zunichte zu machen. Kinder sollten nicht den Preis für politische Untätigkeit zahlen müssen. Jede Verzögerung bei der Gewährleistung eines sicheren, nachhaltigen und verlässlichen humanitären Zugangs setzt mehr Kinder der Gefahr von Hunger, Unterernährung und vermeidbaren Krankheiten aus. Die Regierungen müssen alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um einen dauerhaften Waffenstillstand zu erreichen, einen sicheren, nachhaltigen und verlässlichen Zugang für humanitäre Hilfe zu gewährleisten, grundlegende Versorgungsleistungen wiederherzustellen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass palästinensische Kinder nicht nur überleben, sondern sich erholen und entwickeln können.“




Kommentare