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Neue israelische Umfrage zeigt, dass junge jüdische Wähler*innen die rechtsradikalsten, religiös fanatischsten und völkermordbefürwortenden in der Geschichte Israels sind

  • vor 6 Tagen
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Eine vom israelischen Fernsehsender Channel 12 durchgeführte Umfrage ergab, dass jene halbe Million an neuen jüdischen israelischen Wähler*innen die rechtsradikalsten und religiös fanatischsten in der Geschichte Israels sind. Sie werden bei den bevorstehenden Knesset-Wahlen ihre Stimme abgeben.


Von Jonathan Ofir, Mondoweiss, 27. Februar 2026


(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

Eine neue Umfrage des israelischen Fernsehsenders Channel 12 zeigt, dass jüdisch-israelische Erstwähler*innen, die an den diesjährigen Parlamentswahlen teilnehmen werden, in ihren Ansichten rechtsgerichteter und religiös-nationalistischer sind als ältere Wähler*innen. Channel 12 gilt als gemäßigt und ist der meistgesehene kommerzielle Nachrichtensender in Israel.

Die derzeitige Regierung unter Netanjahu ist die rechtsgerichtetste in der Geschichte Israels und besteht seit ihrer Wahl am 1. November 2022. Neuwahlen werden voraussichtlich zwischen Mai und Oktober 2026 stattfinden. Die neuen Wähler*innen in der Umfrage sind 18- bis 21-jährige jüdische Israelis, wobei Palästinenser*innen mit israelischer Staatsbürgerschaft ausdrücklich ausgeschlossen wurden, was zu Kritik an einer „Apartheid-Umfrage” geführt hat. Das ist nicht unwahr, aber angesichts der Apartheid-Realität, die vom Fluss bis zum Meer herrscht, sind die politischen Neigungen der Mitglieder der selbsternannten Herrenrasse nicht unerheblich.

Die Umfrage ergab, dass sich 75 % der Wähler*innen als „rechtsgerichtet“ bezeichneten, verglichen mit 68 % unter den älteren Wähler*innen. Die restlichen 25 % identifizieren sich als „Mitte-links“, und die selbsternannten „Linken“ machen nur 5 % aus.

An dieser Stelle ist es wichtig, auf die Relativität der Begriffe „rechts“ und „links“ in der israelischen Politik hinzuweisen. Oppositionsführer Yair Lapid, Vorsitzender der zentristischen Partei Yesh Atid, bekräftigte kürzlich, dass er mit der Aussage des US-Botschafters in Israel, Mike Huckabee, übereinstimmt, wonach Israel ein biblisches Recht habe, Palästina, Jordanien, den Libanon, Syrien und Teile Ägyptens und Saudi-Arabiens zu erobern. Dies wird als Vision eines „Großisrael” für die zukünftigen Grenzen Israels bezeichnet, die sich vom Nil bis zum Euphrat erstrecken würden.

In diesem Zusammenhang sprach sich der Vorsitzende der einzigen „linken” Partei im zionistischen Spektrum, Yair Golan, im Dezember 2023 dafür aus, die Bevölkerung Gazas auszuhungern. „Wir alle würden gerne eines Frühlingsmorgens aufwachen und feststellen, dass 7 Millionen Palästinenser*innen, die zwischen dem Meer und dem Fluss leben, einfach verschwunden sind“, sagte Golan im Jahr 2025. Aber kommen wir zurück zu den jungen zionistischen Wähler*innen.

Die neue Wählergruppe soll eine bedeutende zahlenmäßige Ergänzung von einer halben Million Wähler*innen zum Wahlergebnis darstellen, die größte in der Geschichte Israels. Das entspricht 17 Sitzen in der 120 Sitze zählenden Knesset.

Netanjahus Likud-Partei ist mit 20 % die mit Abstand beliebteste unter ihnen. Danach folgt mit 11 % das Vereinigte Torah-Judentum, eine ultraorthodoxe aschkenasische (d.h. europäischer Herkunft) jüdische Partei, die sich zu einer ultra-zionistischen Partei entwickelt hat. Dann kommt die Partei von Naftali Bennett mit 10 %, der ein noch fanatischerer religiöser Zionist ist als Netanjahu. Schließlich gibt es noch die Partei „Jüdische Kraft“ von Itamar Ben-Gvir, die mit 7 % führt. Die übrigen Parteien erhalten geringere Prozentsätze von 5 % oder weniger.

Unter diesen jungen Wähler*innen bevorzugen 59 % den derzeit regierenden rechten Block, während 41 % die Opposition bevorzugen. Bei der Frage nach Netanjahu oder Bennett als Premierminister unterstützen 49 % Netanjahu und nur 24 % Bennett.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt in der Umfrage von Channel 12 ist die Entwicklung hin zu religiösem Fanatismus. Ganze 80 % der jungen Wähler*innen betrachten sich selbst als religiös (im Vergleich zu 75 % der älteren Wähler*innen). Um die Umfragedaten anschaulicher darzustellen, lud Channel 12 zwölf junge potenzielle Wähler*innen zu seiner Samstagsnachrichtensendung ein. Alle gaben eindeutig an, seit dem 7. Oktober 2023 religiöser geworden zu sein: Auf die direkte Frage, ob der 7. Oktober sie religiöser gemacht habe, hoben 11 von 12 die Hand.

Religiosität geht hier Hand in Hand mit einer radikalen Form des Zionismus. Die Wähler*innen sind in ihrer Einstellung alle militaristischer geworden, und auf die Frage, ob sie gegen die Beteiligung „arabischer Parteien“ an der israelischen Knesset seien, antworteten erneut 11 von 12 mit Ja.

Der 18-jährige Oz, der angibt, für die religiös-zionistische Partei des Hardliners Bezalel Smotrich stimmen zu wollen, sagte, dass die Generation seiner Eltern mit Friedensliedern aufgewachsen sei, während die Kinder von heute mit „Harbo Darbo“ aufwachsen, einem populären Lied aus dem November 2023, das zum Völkermord aufruft. „Früher haben wir vom Frieden geträumt“, sagte er. „Und heute leben wir eher nach dem Motto ‚Lebe mit dem Schwert‘.“ 

Man ist oft daran gewöhnt, dass die jüngere Generation etwas progressiver ist als ihre Eltern. In der jüdisch-israelischen Gesellschaft ist es umgekehrt.

 

Neun von zehn Israelis befürworten Völkermord

Die während des Völkermords in Gaza durchgeführten Umfragen zeigten einen einheitlichen allgemeinen Trend in der jüdisch-israelischen Gesellschaft. Etwa vier von fünf jüdischen Israelis unterstützten den Völkermord in verschiedenen Formulierungen, von 79 %, die sich nicht um die Hungersnot in Gaza kümmerten (August 2025), über 75 %, die der Meinung waren, dass es „keine Unschuldigen in Gaza“ gebe (Juni 2025), bis hin zu 82 %, die die vollständige Vertreibung der Bewohner*innen Gazas unterstützten (Mai 2025).

In dieser letzten Umfrage, die von der Pennsylvania State University in Auftrag gegeben wurde, stellten die Autoren Shai Hazkani und Tamir Sorek fest, dass nur 9 % der Männer unter 40 Jahren, die Hauptzielgruppe der israelischen Armee in Gaza, „alle ihnen vorgestellten Ideen der Deportation und Vernichtung ablehnten“.

Anders ausgedrückt: Wenn Sie Palästinenser*in in Gaza sind, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 9 zu 10, dass der israelische Soldat, der Ihr Leben kontrolliert, Ihren Tod will.

Diese jungen neuen Wähler*innen sind Teil dieser genozidalen Wende. Sie treten nicht nur in die Wahlpolitik ein – sie treten auch in die Armee ein. Der Militärdienst dürfte sie zusätzlich radikalisieren. Sie sind bereit, nach dem Gesetz des Schwertes zu leben.

 

Jonathan Ofir ist israelischer Musiker und Dirigent, Autor und Blogger mit Sitz in Dänemark.



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