top of page

Neue Studie deckt systematische Unterdrückung palästinensischer digitaler Inhalte auf allen Meta-Plattformen auf

  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

7amleh (ausgesprochen „Hamleh“), 09. Juni 2026


(Originalbeitrag in englischer Sprache)

 

Das Arabischen Zentrum für die Weiterentwicklung sozialer Medien veröffentlichte heute eine neue Studie mit dem Titel „The Platformicide of Palestine (2021–2025): A Data-Based Analysis of Meta’s Policy Application, Moderation Enforcement, and Communication“ (Der Platformizid Palästinas (2021–2025): Eine datenbasierte Analyse der Anwendung von Richtlinien, der Durchsetzung von Moderationsmaßnahmen und der Kommunikation bei Meta), in der Muster der Zensur und Unterdrückung palästinensischer Inhalte auf den Plattformen von Meta über einen Zeitraum von fünf Jahren dokumentiert werden.

Die von 7amleh in Zusammenarbeit mit Dr. Fabio Cristiano von der Universität Utrecht erstellte Studie basiert auf einer Analyse von 3.520 Fällen, die zwischen 2021 und 2025 bei der palästinensischen Beobachtungsstelle für Verstöße gegen digitale Rechte eingereicht wurden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Moderation palästinensischer Inhalte durch Meta nicht das Ergebnis vereinzelter Fehler ist, sondern wiederkehrende Muster bei der Anwendung der Richtlinien, den Durchsetzungspraktiken und der Kommunikation mit betroffenen Nutzer*innen widerspiegelt.

Die Untersuchung ergab, dass Meta palästinensische Inhalte häufig im Rahmen seiner Richtlinie zu „gefährlichen Organisationen und Personen“ (Dangerous Organizations and Individuals, DOI) moderiert, die ursprünglich zur Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Gewalt konzipiert wurde. Die Richtlinie wurde wiederholt auf Inhalte angewendet, die von Journalist*innen, Medienorganisationen, Akteur*innen der Zivilgesellschaft, Aktivist*innen und normalen Nutzer*innen veröffentlicht wurden, was Bedenken aufkommen ließ, dass palästinensische Meinungsäußerungen routinemäßig unter Sicherheitsgesichtspunkten behandelt werden, anstatt als legitime politische, journalistische oder zivilgesellschaftliche Äußerungen.

Die Ergebnisse zeigen zudem erhebliche Mängel hinsichtlich der Transparenz auf. In fast 70 Prozent der dokumentierten Fälle wurden die Nutzer*innen nicht klar darüber informiert, gegen welche Richtlinie sie angeblich verstoßen hatten, während viele Einsprüche entweder allgemeine Antworten oder gar keine Antwort erhielten. Zwischen 2021 und 2025 erhielt fast die Hälfte der 2.800 von 7amleh eingereichten Einsprüche keine Antwort von Meta.

Die Untersuchung dokumentiert zudem eine zunehmende Abhängigkeit von weniger sichtbaren Formen der Durchsetzung, darunter eine reduzierte Verbreitung, Filterung von Empfehlungen, „Shadowbanning“ [Ein Shadowban ist eine Maßnahme, bei der Online-Plattformen die Beiträge oder das Profil eines Nutzers heimlich einschränken, Anm.], Einschränkungen der Kontofunktionen und Beschränkungen bei Live-Übertragungen. Diese Maßnahmen beeinträchtigen häufig die Reichweite und Sichtbarkeit palästinensischer Inhalte, ohne dass die Nutzer*innen klar darüber informiert werden, dass Einschränkungen verhängt wurden.

„Der Bericht ‚The Platformicide of Palestine 2021–2025‘ liefert die bislang umfassendsten Belege für die systematische Ausblendung palästinensischer Nutzer*innen und Inhalte von den Plattformen von Meta. Indem dieser Prozess als ‚Platformicide‘ bezeichnet wird, zeigt die Untersuchung, dass Meta weit mehr tut, als nur außergewöhnlich strenge Moderationsmaßnahmen gegenüber Palästinenser*innen und palästinabezogenen Inhalten anzuwenden. Sein Vorgehen umfasst eine umfassendere soziotechnische Architektur, die durch eine zu weit gefasste Anwendung der Richtlinien, unverhältnismäßige Maßnahmen gegen Journalist*innen und Medienunternehmen, Ad-hoc-Änderungen der Richtlinien, algorithmische Unterdrückung, verzögerte Wiederherstellungen sowie mangelhafte oder fehlende Kommunikation mit betroffenen Nutzer*innen und Interessengruppen, darunter 7amleh, gekennzeichnet ist. Eine der zentralen Erkenntnisse des Berichts ist, dass sich der ‚Platformizid‘ nach dem 7. Oktober 2023 und während des gesamten Völkermords in Gaza verschärfte – genau zu einem Zeitpunkt, als die Palästinenser*innen die Plattformen am dringendsten benötigten“, so Dr. Fabio Cristiano, Assistenzprofessor für Konfliktforschung an der Universität Utrecht und leitender Forscher des Projekts.

„Palästinenser*innen nutzen zunehmend digitale Plattformen, um Verstöße zu dokumentieren, Informationen auszutauschen, das kollektive Gedächtnis zu bewahren und für ihre Rechte einzutreten“, so Nadim Nashif, Gründer und Geschäftsführer von 7amleh. „Diese Untersuchung zeigt, dass die Herausforderungen, denen palästinensische Inhalte gegenüberstehen, sich nicht auf vereinzelte Fälle von Zensur beschränken. Sie spiegeln tiefgreifendere strukturelle Voreingenommenheit und Rassismus innerhalb der Moderationssysteme von Meta wider, die weiterhin die digitalen Rechte der Palästinenser*innen untergraben, den Zugang zu Informationen einschränken und den zivilgesellschaftlichen Raum im Internet schwächen.“

Die Untersuchung fordert Meta auf, eine unabhängige Menschenrechtsprüfung seiner Moderationssysteme in Bezug auf Palästina durchzuführen, die Anwendung der Richtlinie zu gefährlichen Organisationen und Personen zu reformieren, den Schutz für Journalismus und Inhalte von öffentlichem Interesse zu stärken, die Moderation arabischsprachiger Inhalte zu verbessern, die Transparenz bei Moderationsentscheidungen zu erhöhen und wirksamere Eskalations- und Beschwerdemechanismen für Journalist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen einzurichten.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer öffentlichen Auftaktveranstaltung am 8. Juni 2026 in Zusammenarbeit mit der „Contesting Governance Platform“ der Universität Utrecht vorgestellt. Die vollständige Studie basiert auf Daten, die über „7or“, das palästinensische Observatorium für digitale Rechtsverletzungen von „7amleh“, erhoben wurden, und untersucht die Moderationspraktiken von Meta auf Facebook und Instagram im Zeitraum von Januar 2021 bis Dezember 2025.

 

Vollständiger Bericht:


The Platformicide of Palestine 2021 – 2025

A data-based analysis of Meta’s policy application, moderation enforcement, and communication

7amleh - The Arab Centre for the Advancement of Social Media, Juni 2026, 93 Seiten



Kommentare


bottom of page