„Schatz, ein Update: Er ist gerade gestorben“: SMS israelischer Gefängniswärter*innen enthüllen eine Routine der Misshandlungen
„Wir hatten es satt, sie zu schlagen“: Nachdem 2023 ein palästinensischer Häftling im Ketziot-Gefängnis gestorben war, deckten Ermittler auf, dass Wärter*innen des israelischen Strafvollzugsdienstes mit Misshandlungen prahlten und ihre Vorgesetzten darin verwickeltet sind.
Von Josh Breiner, Haaretz, 8. September 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Nur das verspritzte Blut zeugte davon, was sich im November 2023 in Zelle 6 des Trakts 24 des Ketziot-Gefängnisses ereignet hatte. Die an jener Nacht Beteiligten hielten sich an den üblichen Schweigekodex des Gefängnisses. Doch WhatsApp-Nachrichten, die die Wärter*innen während der Ereignisse austauschten und die später von den Ermittlern beschlagnahmt wurden, enthüllten einen Teil des Grauens.
„Du wirst stolz auf mich sein, auf meine Schicht. Nach dem, was passiert ist, dauerte die Zählung zwei Stunden und 23 Minuten. Zieh deine eigenen Schlüsse“, schrieb eine Wärterin an ihren Partner, ebenfalls ein Wärter. Sie fügte hinzu: „In der Klinik wird gerade eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt, Schatz! So Gott will, wird dieser Sohn von tausend Huren sterben.“
Ein anderer Wachmann schickte eine begeisterte Nachricht: „Heilige Scheiße, was für eine Zählung. Wir haben sie so richtig fertiggemacht.“ Eine Wachfrau schrieb einem Freund: „Was für eine verrückte Zählung. So etwas hat es noch nie gegeben. Wir haben Käse über sie geschüttet, ein paar Eier aufgeschlagen [das hebräische Wort für Eier ist im Slang auch ein Ausdruck für Hoden]. So viel Blut in den Flügeln.“ Dann fügte sie hinzu: „Oh mein Gott, sie machen gerade eine Herz-Lungen-Wiederbelebung bei einem Häftling, weil wir ihn verprügelt haben. Er ist tot. Hör mal, es ist schon komisch, wie das alles in einem Augenblick passiert ist: Bumm, Zählung. Bumm, toter Häftling.“
Bei dem Häftling handelte es sich um Thaer Abu Asab, ein Fatah-Mitglied, der wegen Terroranschlägen gegen Israel zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war. Er wurde im Soroka Medical Center in Be’er Sheva, wohin er noch am selben Abend gebracht worden war, für tot erklärt. Der Anklageschrift zufolge führte die schwere Misshandlung zu einer Herzverletzung, die seinen Tod zur Folge hatte.
Letzte Woche, fast drei Jahre nach seinem Tod, erhob die Staatsanwaltschaft eine ungewöhnliche Anklage gegen zwölf Wärter*innen des israelischen Strafvollzugsdienstes. Ihnen wird vorgeworfen, Abu Asab und acht weitere palästinensische Häftlinge in der Zelle zusammengeschlagen zu haben – als Vergeltung für den Tod drusischer Soldaten im Krieg. Der Bericht über den Tod der Soldaten stellte sich später als bloßes Gerücht heraus.
Seit dem 7. Oktober 2023 sieht sich der israelische Strafvollzugsdienst wiederholt mit schwerwiegenden Vorwürfen wegen Gewalt und Misshandlung palästinensischer Häftlinge konfrontiert. Doch die Schwierigkeiten der Häftlinge, Beschwerden einzureichen, und vor allem das hartnäckige Schweigen der Wärter*innen sowie ihre Bereitschaft, sich gegenseitig zu decken, machen es extrem schwierig, Fälle vor Gericht zu bringen. Diesmal lieferten jedoch die Textnachrichten der Wärter*innen und ihre Aussagen bei der Vernehmung, in denen sie sich gegenseitig belasteten, entscheidende Beweise, die die Mauer des Schweigens durchbrachen.
Die nun ans Licht kommenden Ermittlungsakten bieten einen seltenen Einblick in den routinemäßigen Einsatz schwerer Gewalt durch die Wärter*innen gegen palästinensische Häftlinge. Sie enthüllen zudem Beweise dafür, dass hochrangige Beamte Berichte vertuscht und die Augen verschlossen haben, wenn sie nicht sogar selbst daran beteiligt waren. Mindestens ein Zeuge behauptete, der Leiter des Ketziot-Gefängnisses, Yosef Knipes, sei darin verwickelt gewesen. Yosef Knipes bestreitet dies.
„Sein Gesicht war blau“
Abu Asabs einziges Vergehen bestand darin, dass er es gewagt hatte, einen Wachmann zu fragen, ob es einen Waffenstillstand zwischen Israel und den Palästinenser*innen gebe. Der Wachmann leitete die Frage an seinen Kommandanten weiter, einen Beamten des Strafvollzugsdienstes und Hauptangeklagten in diesem Fall, der hier als „der Kommandant“ bezeichnet wird. Eine Veröffentlichungssperre verbietet die Nennung der Namen aller Angeklagten. Der Kommandant beschloss, dem Häftling und seinen Zellengenossen zu zeigen, dass die Antwort „nein“ lautete.
„Thaer fragte den Wachmann nach einem Waffenstillstand, und der Wachmann sagte: ‚Frag lieber nicht‘“, berichtete ein Häftling den Ermittlern. „Wir warteten auf die Zählung. Während der Zählung knien wir mit den Händen über dem Kopf und dem Gesicht nach unten. Fünfzehn Wärter und 15 Keter-Männer [Angehörige einer taktischen Schnellreaktionseinheit des Strafvollzugsdienstes] trafen ein. Sie riefen Thaers Namen, und die Keter-Einheit betrat die Zelle. Sie schlugen uns fünf Minuten lang mit Schlagstöcken, jeden im Raum. Sie sagten: ‚Kein Waffenstillstand.‘ Dann hetzten sie den Hund auf uns und fingen an zu fluchen und sagten: ‚Eine Hudna, ihr bittet um eine Hudna‘ [einen Waffenstillstand], und dann gingen sie. Wir lagen gebrochen auf dem Boden. Thaer stand nicht mehr auf. Er war bewusstlos. Er wurde am stärksten geschlagen. Er blutete, und sein ganzes Gesicht war blau. Seine Hände waren voller Blut.“
„Ich wusste nicht, wer aus Keter kam, wer der Offizier und wer ein Wachmann war“, sagte ein anderer Gefangener. „Dann sagte jemand: ‚Wer hat einen Waffenstillstand angeordnet? Wollt ihr einen Waffenstillstand?‘ Und mir wurde klar, dass es mit Thaer zu tun hatte, wegen seiner Frage an jenem Nachmittag. Ich hörte nur Geschrei und Schläge. Alle wurden geschlagen. Thaer traf es am schlimmsten. Er wurde am Kopf getroffen, sein Gesicht war blau und er hatte Spuren an den Armen. Er reagierte nicht mehr.“
Die Aussagen der Wachleute bei der Vernehmung bestätigen die Aussagen der Gefangenen.
„Der Kommandant und ein weiterer Wachmann fragten jeden in der Zelle, wer nach einem Waffenstillstand gefragt hatte“, sagte die Wachfrau Avia Arusi aus. „Dann zeigte der Wachmann auf ihn und fragte: ‚Warst du das?‘ Der Kommandant stand neben ihm, und dann fragten beide. Der Gefangene hatte Angst und stammelte etwas. Dann fingen sie an, wie wild auf ihn einzuschlagen.“
Laut der Wachbeamtin Diana Troitsky teilte der Kommandant ihnen während der Besprechung vor der abendlichen Zählung mit, er habe erfahren, dass zwei seiner Freunde in Gaza getötet worden seien, und er sei „am Boden zerstört“.
„Wir verstanden, dass wir sie schlagen mussten, damit sie begreifen, dass es keinen Waffenstillstand gab“, sagte sie den Ermittlern. „Der Kommandant sagte, dass alles, was an diesem Abend passierte, in seiner Verantwortung liege, dass er die Zustimmung des Schichtleiters und des Gefängnisleiters habe und dass jeder wisse, was passieren würde. Er sagte, wir sollten keine Angst haben und tun, was er sagt. Er sagte: ‚Wenn es eine Sache gibt, die mir zu Hause beigebracht wurde, dann ist es Gewalt gegen diesen Abschaum. Das sind die Werte, mit denen ich aufgewachsen bin, und dabei bleibe ich bis zum Schluss. Es ist mir egal, ob ich dafür meine Dienstmarke abgeben muss.‘ Er sagte, er habe dem Gefängnisdirektor mitgeteilt, dass er die von ihm ausgewählten Zellen betreten werde, und dass der Gefängnisdirektor ihn dabei unterstützt und ihm freie Hand gelassen habe.“
Troitsky fügte hinzu, dass der Leiter „nicht gesagt habe, was zu tun sei, sondern nur, dass keine Schlagstöcke eingesetzt werden sollten“. Sie sagte: „Die Wärter*innen sind durchgedreht. Sie haben die Häftlinge getreten und geschlagen. Alle Wärter*innen und alle Keter-Mitarbeiter in der Zelle haben sich an dem Übergriff beteiligt. Der Leiter sah, wie die Wärter*innen ihre Schlagstöcke zückten, unternahm aber nichts. Nach einer Weile rief er ‚Stopp‘, als er entschied, dass sie genug geschlagen worden waren.“
Die Keter-Wachen genießen Anonymität, unter anderem weil ihre schwarzen Helme es erschweren, sie auf Überwachungsaufnahmen zu identifizieren. Mehr als 20 männliche und weibliche Wachen wurden in diesem Fall befragt. Keiner berichtete von irgendetwas Ungewöhnlichem zu diesem Zeitpunkt, obwohl die Ermittlungsakte voller Fotos ist, die die Gefangenen aus Abu Asabs Zelle schwer geschlagen und mit Blutergüssen zeigen.“
„Haben Sie irgendwelche verdächtigen Anzeichen von Gewalt gesehen?“, wurde der Sanitäter des Strafvollzugsdienstes, Kfir Lavi, am Tag des Vorfalls gefragt. „Nein“, antwortete er knapp.
Da sich nicht nachweisen ließ, welche Wärter*innen die tödlichen Schläge ausgeführt hatten, beschlossen die Staatsanwälte, die zwölf Wärter*innen, die Abu Asabs Zelle betreten hatten, wegen des vergleichsweise milden Delikts der fahrlässigen Tötung anzuklagen. Die Wärterinnen, die am Zelleingang standen, wurden als Verdächtige befragt, jedoch nicht angeklagt. Einige der Angeklagten logen bei der Vernehmung und behaupteten zeitweise, es habe sich um einen Routineeinsatz zur Überwältigung von Häftlingen gehandelt. „Es gab nichts Ungewöhnliches. Ich glaube nicht, dass einer von uns Gewalt angewendet hat, denn wir gehen rein, bringen sie unter Kontrolle und gehen wieder“, sagte ein Wachmann aus Keter, der letztendlich angeklagt wurde.
Der Ermittler hakte nach: „Während die Wärter*innen auf die Gefangenen einschlugen, hörte man Leute Dinge rufen wie: ‚Wer hat Hudna gesagt? Es gibt keine Hudna, du Mistkerl.‘ Was sagen Sie dazu?“ „Davon weiß ich nichts“, beharrte der Wärter und fügte hinzu: „Schlagstöcke? Ich persönlich habe keine gesehen.“
Doch ein von den Ermittlern beschlagnahmter WhatsApp-Chat erzählte eine andere Geschichte. „Gleich wird eine Meldung über den Tod eines Häftlings an die Presse gehen. Er starb, als wir hineingingen“, schrieb er nach dem Vorfall an einen Freund. „Es gab einige heftige Prügel, aber das gehört nicht in WhatsApp.“
„Der Kommandant hat den Einsatz von Gewalt genehmigt. Es wurden Schlagstöcke eingesetzt“, bestätigte Arusi bei der Vernehmung. Sie hatte zusammen mit den anderen weiblichen Wachbeamten am Eingang der Zelle gestanden. In ihrer Aussage nannte sie Kollegen, die sie dabei beobachtet hatte, wie sie auf die Gefangenen einschlugen; einige von ihnen trugen Masken.
„Haben Sie definitiv Keter-Mitarbeiter mit gezogenen Schlagstöcken in der Zelle gesehen?“, fragte der Ermittler. Arusi bejahte dies. Auf die Frage, wie sie den Tod des Gefangenen erkläre, antwortete sie: „Durch die Schläge, die er einstecken musste. Sie haben sich auf ihn konzentriert, weil er derjenige war, der nach dem Waffenstillstand gefragt hatte. Der Kommandant und der Wachmann sagten, sie hätten den Gefangenen geschlagen, weil er danach gefragt hatte.“
Auch die Wachbeamtin Oshrit Eliga identifizierte Keter-Mitarbeiter als diejenigen, die Schlagstöcke einsetzten. „Alle Wachbeamten haben übermäßige Gewalt angewendet“, sagte sie bei der Befragung. „Nur Keter hat die Schlagstöcke gezogen. Die Anweisung lautete, sie zu schlagen, aber nicht mit Schlagstöcken. Das war ihre eigene Entscheidung. Der Kommandant sagte: ‚Leute, wir kommen zu Zelle 6, Keter geht rein.‘ ‚Reingehen‘ bedeutet ‚sie schlagen‘.“
Vor zwei Jahren war Eliga in einer Rekrutierungsanzeige des Strafvollzugsdienstes zu sehen. „Wenn Sie auf der Suche nach einem Job sind, der Sie fesselt, der etwas Besonderes ist, bei dem ständig Action und Spannung herrschen und der Ihnen die Chance bietet, beruflich weit zu kommen, dann kommen Sie zu uns“, forderte sie die Zuschauer*innen auf. „Ich liebe auch den Adrenalinkick, die Action und das Gefühl, etwas Sinnvolles geleistet zu haben“, sagte sie, während Aufnahmen zeigten, wie sie Boxen trainierte.
Abgesehen von den Einzelheiten zu Abu Asabs Tod offenbaren die Aussagen der Wachen eine Routine der Gewalt, von der hochrangige Beamt*innen wussten. „Es war sozusagen Routine, also haben wir den Vorfall niemandem gemeldet“, sagte ein Wachmann aus Keter über das, was in Zelle 6 geschah. „Was die obersten Befehlshaber betraf, war das in Ordnung. Das war die Vorgabe.“
Der Kommandant bestritt zunächst, was geschehen war. Einmal stellte er sich dumm: „Woher wissen Sie, dass sie sich das nicht selbst zugefügt haben?“ Doch dann konfrontierten ihn die Ermittler mit den belastenden Beweisen und brachten ihn mit den weiblichen Wachbeamten zusammen. Avia Arusi sagte, er habe ihnen befohlen, die Zelle zu betreten, „um ihnen zu zeigen, dass es keinen Waffenstillstand gab, hineinzugehen und die Häftlinge zu schlagen“. Sie beschrieb, was sie gesehen hatte: „Sie haben die Gefangenen einfach geschlagen. Diese lagen auf dem Boden und weinten. Der Kommandant stand am Zelleingang. Er hat alles gesehen. Er war derjenige, der den Befehl gegeben hat.“
Der Kommandant antwortete: „Ich habe bereits meine Wahrheit gesagt.“
Auch Eligas Nachrichten an ihren Partner, Tamer Tarudi, einen Wachmann im Trakt für weibliche Sicherheitsgefangene im Damon-Gefängnis, belasteten den Kommandanten. „Schatz, ein Update: Er ist gerade gestorben“, schrieb sie kurz nach Abu Asabs Tod in einer SMS und fügte hinzu, sie sei „sehr glücklich und zufrieden, aber jetzt ist alles ein Chaos. Es gab viel Blut und ihnen wurden die Knochen gebrochen.“ Sie fügte hinzu: „Es wird schon gut gehen. Ich bin froh, dass es passiert ist. Ich bin bereit, dafür meine Karriere aufs Spiel zu setzen. Ich habe meinen Frieden damit geschlossen. Das haben wir alle. Der Kommandant wusste, dass so etwas passieren würde. Er hat es uns bei der Einweisung gesagt und jeden gebeten, der das Gefühl hatte, es nicht tun zu können, dies zu sagen, denn er wollte sie [die Häftlinge, Anm.] wirklich fertigmachen. Mir geht es ehrlich gesagt gut, aber du weißt ja, wie das ist – Ermittlungen und all dieser Ärger.“
Im Verlauf der Ermittlungen begann der Kommandant, die Behandlung von Sicherheitshäftlingen durch den Strafvollzugsdienst zu beschreiben, und bezog schließlich auch den Gefängniskommandanten, Brigadegeneral Yosef Knipes, mit ein.
„Im Nachhinein hätte der Vorfall protokolliert werden müssen“, sagte er. „Die Führungsspitze ist gut darin, Berichte über die positiven Dinge zu veröffentlichen und zu sagen: ‚Wow, das haben wir gut gemacht‘, während niemand etwas von den negativen Dingen erfährt. Von dem Moment an, als ich dort ankam, war ich in diese Situation und diese Kultur verwickelt. Wissen Sie, wie oft sie Zellen gestürmt haben, während ich Schichtleiter war, und mir nicht einmal davon berichtet haben? Man sagte mir, ich müsse das nicht wissen.“
Ermittler: „Wer?“
Kommandant: „Alle, angefangen beim Gefängnisdirektor. Er zieht seine Uniform aus und legt Keter-Ausrüstung an [einschließlich eines Helms, der sein Gesicht verdeckt], geht in die Zellen, und ich höre Schreie, ohne zu wissen, was dort drinnen vor sich geht. Letztendlich ist es meine Pflicht, seine Befehle und Vorschriften zu befolgen.“
Ermittler: „Wer noch, außer dem Gefängnisleiter?“
Kommandant: „Ich habe keine Ahnung, wer diese Leute sind. Leute aller möglichen Dienstgrade, hochrangige Personen.“
Ermittler: „Sie wissen also, dass es falsch ist, und verhalten sich trotzdem so wie sie?“
Kommandant: „Ich verhalte mich nicht so wie sie. Das ist ja gerade der Punkt. Ich ziehe mich nicht um und verkleide mich nicht als jemand anderes, damit ich nicht erkannt werde, um dann hineinzugehen und das zu tun, was sie tun. Und ich bin auch nicht derjenige, der vor einer Operation oder einem Einsatz die Kameras ausschaltet. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich weiß nicht, wer diese Leute sind, aber ich bin kein Idiot. Ich weiß, was der Kommunikationsraum ist [wo die Überwachungskameras überwacht werden], und genau zehn Minuten später dringt ein Trupp dort ein. Was haben Sie im Kommunikationsraum zu suchen?“
Ermittler: „Was Sie mir da erzählen, ist sehr schwerwiegend.“
Kommandant: „Was dort vor sich geht, ist ‚harbu darbu‘ [totales Chaos]. Anscheinend sind sie es gewohnt, so vorzugehen, besonders Keter, denn sie sind immer diejenigen, die hineingehen, um Gefangene zu überwältigen. Bei mir ist das nicht so.“
Ermittler: „Aber so war es doch.“
Kommandant: „So habe ich mir das nicht vorgestellt.“
Angesichts der Schwere der Vorwürfe luden die Ermittler auch Knipes vor. In seiner Aussage behauptete er, der Kommandant habe sich „Dinge ausgedacht“ und sei nicht an Besprechungen teilgenommen. Er sagte, die seit Kriegsbeginn erlassenen Anweisungen sähen eine strengere Meldung von Vorfällen vor.
„Er ist ein neuer Offizier, der voller Werte hierhergekommen ist“, sagte Knipes über den Kommandanten. „Alles läuft vorschriftsmäßig ab. Es gibt kein ‚Harbu Darbu‘, und die von ihm beschriebene Situation hat nichts mit der Realität zu tun. Zu Beginn des Krieges habe ich ein paar Mal meine ‚Keter‘-Einsatzausrüstung angezogen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals mit ihm zusammen in Zellen gegangen zu sein, in denen geschrien wurde. Diese Dinge haben nichts mit der Realität zu tun, sie sind reine Fantasie. Die Organisation wird niemandem verzeihen, der einen Fehler begangen hat.“
Diese bekundete Weigerung, Fehlverhalten zu tolerieren, hat wenig mit der Realität zu tun, die sich in den Nachrichten und Aussagen der Wärter*innen widerspiegelt. Der Schichtfeldwebel erzählte den Ermittlern beispielsweise, dass er kurz nach dem Vorfall einen Freund kontaktiert habe, weil er sich Sorgen darüber machte, was als Nächstes passieren würde. Der Freund, ein Offizier im Ofer-Gefängnis, habe ihn beruhigt, sagte er. „Etwa vier Gefangene sind dort während des Krieges gestorben“, sagte er. „Er sagte mir: ‚Mach dir keine Sorgen, sie werden nichts unternehmen, aber sie müssen der Form halber einen Untersuchungsausschuss einrichten.‘“
Ein Thema, das in den Ermittlungen nicht zur Sprache kam und offenbar von der Ermittlungsstelle der Nationalen Gefängniswache überhaupt nicht untersucht wurde, war Abu Asabs Vorgeschichte mit den Wärtern in Ketziot. „Er arbeitet mit der Gefängnisverwaltung zusammen. Er ist der Sprecher der Zelle“, erklärte einer seiner Zellengenossen den Ermittlern. Im Dezember 2022 wurde Abu Asab unter dem Verdacht angeklagt, einem Wachbeamten 70.000 Schekel gezahlt zu haben, um Mobiltelefone ins Gefängnis zu schmuggeln. Bei dem Wachbeamten handelte es sich um einen Wehrpflichtigen, der seinen Pflichtdienst im Strafvollzugsdienst leistete. Abu Asab hatte ihn zuvor bereits dafür bezahlt, eine E-Zigarette einzuschmuggeln.
Laut einem Bericht von Kan News drohte Abu Asab während des Verhörs damit, weiteres Fehlverhalten anderer Wachbeamter im Gefängnis aufzudecken. Doch sein Tod beendete den Fall – und damit auch die Möglichkeit, dass er andere im Strafvollzugsdienst belasten könnte.
Berichte über weitere Vorfälle von Gewalt gegen Häftlinge seit Beginn des Gaza-Kriegs tauchten während der Ermittlungen auf, wurden jedoch nicht weiterverfolgt. Troitsky gab zu, dass sie am Abend, an dem Abu Asab geschlagen wurde, auf Anweisung des Kommandanten einen anderen Häftling in Flügel 21 geohrfeigt hatte.
„Dort passierte dasselbe wie in Flügel 24. Sie gingen in eine Zelle und schlugen die Gefangenen“, sagte sie. „Ich hielt die Tür fest. Der Kommandant rief: ‚Bringt mir Diana.‘ Sie hielten einen Gefangenen fest, den Kommandanten auf der einen Seite und einen Mann von Keter auf der anderen. Der Kommandant fragte den Gefangenen auf Arabisch: ‚Zu welcher Organisation gehörst du?‘, und er antwortete: ‚Islamischer Dschihad.‘ Dann sagte der Kommandant zu mir: ‚Diana, schlag ihn.‘ Ich habe ihn geschlagen, weil der Kommandant es mir befohlen hatte. Er hatte sich an diesem Tag unter vier Augen mit mir getroffen und gesagt, es sei ihm wichtig, dass die Mädchen an allem teilnehmen, was passiert, und nicht nur am Rande stehen.“
Auf die Frage, ob sie die Identität des Gefangenen kenne, den sie geschlagen habe, oder in welcher Zelle sich das ereignet habe, verneinte Troitsky.
Auch Arusis Nachrichten an ihren Partner an jenem Abend zeigen, dass die Gewalt kein Einzelfall war. Sie bestätigte, dass die Wachen über Abu Asabs Tod „glücklich“ waren, sich aber „nur Sorgen um unseren Kommandanten machten, weil wir einen wirklich tollen Kerl haben. Wie gestern in meiner Schicht: Drei Zellen beteten intensiv und versuchten, uns auf die Probe zu stellen, weil sie sehen, dass wir bei den Schlägen etwas nachgelassen haben“, sagte sie. „Also versuchten sie, laut zu beten. Wir sind reingegangen und haben sie am Morgen ordentlich zusammengeschlagen.“
Eligas WhatsApp-Nachrichten zeigen zudem, wie alltäglich die Gewalt geworden war. Im Dezember 2023, etwa einen Monat nach Abu Asabs Tod, schrieb sie einer Freundin eine Nachricht über neu eintreffende Häftlinge:
Oshrit Eliga: „Ein Haufen Huren, Söhne Amaleks, haben sich direkt dort auf der Straße ergeben. Sie sitzen da auf dem Boden in Unterwäsche, mit verbundenen Augen. Ich bereite mich und die Schicht schon auf ihre Ankunft an diesem Schabbat vor. Wir werden ihnen einen ordentlichen Schabbat-Empfang bereiten.“
Eligas Freundin: „Lol, funktioniert dein Schlagstock noch?“
Oshrit Eliga: „Mein Schlagstock wurde schon mehr als nur ein paar Mal desinfiziert.“
Oshrit Eliga: „Stell dir vor, du und ich hinter einer Trennwand mit zwei aneinander gefesselten Gefangenen, und der Schichtleiter sagt so was wie: „Na los, tobt euch aus.“ OMGGG, ich schwöre, du hättest hier mit mir einen Riesenspaß.“
Eligas Freundin: „Das gibt’s doch nicht, du schlägst sie ernsthaft? Du machst das tatsächlich selbst?!“
Oshrit Eliga: „Ich wünschte, ich könnte es dir beweisen, dir was zeigen. Ich schwöre, Mädel, ich verprügle sie richtig. So hast du mich noch nie gesehen. Das ist Routine. Egal, welche Gruppe reinkommt [offenbar in Bezug auf neu eintreffende Häftlinge] – wenn er am Ende keinen Nierenriss hat, lasse ich ihn nicht in den Trakt.“
In einem weiteren Austausch in jenem Monat schrieb Eliga an ihren Partner Tamer Tarudi: „Wir haben seit dem 7. Oktober weitere 70 Huren bekommen. Natürlich hat jeder seinen ganz persönlichen Empfang bekommen. Manche bekamen ihn zu zweit, weil wir nur eine begrenzte Anzahl Handschellen hatten.“
Tamer Tarudi: „Haha, ich liebe es, dass es immer einen Empfang gibt.“
Eliga: „Wir hatten es so satt, sie zu verprügeln, dass der Kommandant seinen Gürtel abnahm und sie windelweich prügelte. Und das Geschrei – wie kleine Mädchen, als wären sie Boxsäcke.“
Eliga sagte später, sie bereue die Nachrichten. „Ich wollte Eindruck schinden und habe mich mitreißen lassen. Ich habe dumme Sachen geschrieben. Ich habe geprahlt. Es tut mir wirklich leid.“ Die Ermittler zeigten kein Interesse an den Nachrichten, in denen routinemäßige Prügelattacken auf Gefangene beschrieben wurden.
Der israelische Strafvollzugsdienst erklärte: „Dieser Vorfall ereignete sich während der Amtszeit des früheren Leiters, bevor der derzeitige Strafvollzugsleiter sein Amt antrat. Dennoch und im Einklang mit den Werten der Organisation beschloss der Leiter zu Beginn seiner Amtszeit, einige der an der Angelegenheit Beteiligten zu entlassen, um ein unmissverständliches Signal zu senden, dass es keine Toleranz gegenüber Verstößen gegen das Gesetz oder die organisatorische Disziplin gibt und auch in Zukunft nicht geben wird.“
Zum Weiterlesen:
Neuer UN-Bericht: Folter und Völkermord
23. März 2026




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