Stimmen zur "Wiedereröffnung" des Grenzübergangs Rafah
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„Grenzübergang Rafah wird geöffnet: Israel hat am Freitag angekündigt, den Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten in beide Richtungen wieder zu öffnen. In einem Statement erklärte der Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (COGAT), die israelische Militärbehörde, die für zivile Angelegenheiten in den palästinensischen Gebieten zuständig ist, dass „nur ein begrenzter Personenverkehr” über den Grenzübergang erlaubt sein werde. Israel beabsichtigt außerdem, die strenge Kontrolle über den Grenzübergang aufrechtzuerhalten. „Die Ausreise aus dem Gazastreifen und die Einreise in den Gazastreifen über den Grenzübergang Rafah wird in Abstimmung mit Ägypten, nach vorheriger Sicherheitsüberprüfung der Personen durch Israel und unter Aufsicht der Mission der Europäischen Union gestattet, ähnlich wie bei dem im Januar 2025 eingeführten Mechanismus”, erklärte COGAT. In der Erklärung heißt es weiter: „Die Rückkehr von Einwohner*innen aus Ägypten in den Gazastreifen wird in Abstimmung mit Ägypten nur für Einwohner*innen erlaubt, die Gaza während des Krieges verlassen haben, und nur nach vorheriger Sicherheitsüberprüfung durch Israel.” Es wurde hinzugefügt, dass zusätzlich zu einer ersten Überprüfung am Rafah-Grenzübergang durch die EU-Mission ein weiterer Überprüfungs- und Identifizierungsprozess in einem ausgewiesenen Korridor unter Kontrolle der israelischen Armee durchgeführt werde. Der Grenzübergang Rafah an der Grenze zu Ägypten war einst das wichtigste Tor der Palästinenser*innen zur Außenwelt. Er wurde im Mai 2024 vom israelischen Militär eingenommen und ist seitdem weitgehend geschlossen geblieben.“
Dropsite News, 30. Jänner 2026
„Am ersten Tag der „teilweisen Wiedereröffnung” des Grenzübergangs Rafah durften nur fünf Patient*innen ausreisen. Am zweiten Tag waren es 16, obwohl die ägyptische Seite angibt, dass sie 45 (zusammen mit 90 Angehörigen) erwartet hatte.
Selbst in der „Spitzenzeit“ dürfen nur 50 Patient*innen ausreisen. Wenn Sie also von der Zahl 150 gehört haben, dann liegt das daran, dass es sich um 50 Patienten plus jeweils 2 Angehörige handelt.
Rechnen Sie selbst. Bei etwa 20.000 Menschen, die auf eine medizinische Evakuierung warten, wird das weit über ein Jahr dauern. Und denken Sie daran, dass im letzten Jahr in einem Zeitraum von etwa sieben Monaten mehr als 1000 Menschen, die auf eine medizinische Evakuierung warteten, gestorben sind. Es sei auch daran erinnert, dass neben den israelischen Beschränkungen und dem, was Ägypten zu übernehmen bereit ist, auch andere Länder nicht ihren Beitrag leisten und sich nicht melden und sagen: „Wir nehmen Fälle auf.“
Das alles ist kaum mehr als ein Versuch Israels, die USA zu beschwichtigen. Außerdem gibt es keine Lastwagen, die Rafah passieren dürfen, sodass alle Probleme im Zusammenhang mit der Hilfe unverändert bleiben, vom Mangel an Unterkünften bis hin zu Medikamenten. Hinzu kommt das ganze Problem der „Registrierung“, ganz zu schweigen von all den anderen Hürden, mit denen wir konfrontiert sind.
Ich weiß nicht, ob Sie die Bilder von den wenigen Menschen gesehen haben, denen die Rückkehr nach Gaza gestattet wurde. Familien, die jahrelang getrennt waren, konnten sich endlich wieder in die Arme schließen. Aber ich denke auch an den Schock, den die Rückkehrer durchleben müssen. Es spielt keine Rolle, wie viele Videos man gesehen hat – wenn man es mit eigenen Augen sieht, ist es etwas ganz anderes. Das Gehirn friert ein, während es versucht, alles zu verarbeiten.“
Arwa Damon, ehemalige CNN-Korrespondentin und derzeitige Leiterin der Hilfsorganisation INARA, 3. Februar 2026
„Es gibt keine Erklärung dafür, warum sich die Grenzübertritte in Rafah verzögern. Israel nutzt die neuen Verfahren, um alles, was mit dem Grenzübergang in Rafah zu tun hat, zu beschränken und zu kontrollieren. Der Ablauf dauert extrem lange. Gestern durften nur fünf Patient*innen ausreisen, heute konnten 16 weitere die Grenze überqueren. Nur 12 Palästinenser*innen durften gestern nach Hause zurückkehren, und wir wissen nicht, wie viele heute zurückkehren dürfen. Familien warten nach Jahren der Trennung auf ihre Angehörigen.“
Hind Khoudary, palästinensische Journalistin, 4. Februar 2026
„Die Regeln für Palästinenser*innen, die nach Gaza zurückkehren, sind drakonisch.
Kein Wasser. Keine Deodorants oder Cremes. Keine Zigaretten. Ein Limit von 640 Dollar, das 24 Stunden im Voraus genehmigt werden muss. Ein Kind darf sein Spielzeug nicht mitbringen. Die Habseligkeiten der Menschen werden weggeworfen.
Wie lässt sich das rechtfertigen?
Wie sollen Menschen ihr Leben mit einem Koffer voller Kleidung und kaum etwas anderem neu aufbauen?
Warum werden ihre übrigen Habseligkeiten weggeworfen?
Was rechtfertigt diese erniedrigende Behandlung?
Oder soll das alles nur dazu dienen, niemanden zur Rückkehr zu bewegen?“
Jasmine El-Gamal, britische Analystin für Außenpolitik, 3. Februar 2026
„Eine palästinensische Frau, die heute über den Militärkontrollpunkt Rafah zurück nach Gaza kam, berichtete, wie sie und andere Frauen von Israel mit verbundenen Augen und Handschellen gefesselt wurden. Sie sagte aus, dass einigen mit Haft gedroht und sie erniedrigenden und repressiven Behandlungen ausgesetzt wurden, darunter Versuche, eine Frau zur Kollaboration mit Israel zu zwingen.“
Mosab Abu Toha, palästinensischer Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger aus Gaza, 3. Februar 2026
„Der Rote Halbmond teilte mit, dass Patient*innen in einem Krankenhaus in Khan Yunis angekommen seien, um sich auf die Überführung nach Rafah zur Behandlung vorzubereiten, nur um dann zu erfahren, dass Israel die Evakuierungen ausgesetzt hat.
„Sie riefen die Patient*innen an und sagten, dass heute überhaupt keine Überquerungen stattfinden würden, da der Grenzübergang geschlossen ist“, berichtet Raja'a Abu Teir, ein palästinensischer Patient, der auf seine Evakuierung wartet, im Krankenhaus, wo mehrere Patient*innen in Krankenwagen warteten.“
“Israeli strikes kill 18 in Gaza and patient crossings at Rafah halted, Palestinian officials say”, The Guardian, 4. Februar 2026
„Durch israelische Panzerangriffe und Luftschläge sind in Gaza mindestens 21 Menschen getötet worden, darunter sechs Kinder und sieben Frauen. Israel hat die Evakuierung von Patient*innen über den Grenzübergang Rafah nur zwei Tage nach dessen Wiedereröffnung eingestellt.
Unter den Opfern befand sich ein Sanitäter [vom Roten Halbmond, Anm.], der zur Hilfe geeilt war, um den Verwundeten zu helfen, und bei einem zweiten Angriff auf denselben Ort in der südlichen Stadt Khan Yunis ums Leben kam. Zelte in al-Mawasi, einem Lager für Vertriebene in Khan Yunis, wurden durch die Explosionen zerstört. Die Angriffe galten Gaza-Stadt und Khan Yunis. (…)
„Während wir in unserem Haus schliefen, beschoss uns der Panzer, und die Granaten trafen unser Haus. Unsere Kinder wurden getötet – mein Sohn wurde getötet, der Sohn und die Tochter meines Bruders wurden getötet“, sagte Abu Mohamed Habouch bei der Beerdigung seiner Kinder.“
“Israeli strikes kill at least 21 in Gaza as Rafah patient crossings halted”, von William Christou, The Guardian, 4. Februar 2026
„Israel öffnete Grenzübergang Rafah zwischen Gazastreifen und Ägypten“ (orf.at, 2. Februar 2026), „Grenzübergang Rafah wieder für Personenverkehr geöffnet“ (News, 2. Februar 2026), „Nahost: Grenzübergang Rafah wieder offen“ (Kurier, 2. Februar 2026), „Israel hat Grenzübergang Rafah wieder geöffnet“ (Kronen Zeitung, 3. Februar 2026), „Grenzübergang Rafah öffnet für Personenverkehr“ (heute, 2. Februar 2026) – so einige der positiv klingenden Schlagzeilen von österreichischen Medien rund um die „Wiedereröffnung“ des Grenzübergangs Rafah.
Kaum berichtet wurde jedoch über die Realität vor Ort: die (ohnehin magere) Anzahl von 50 medizinischen Evakuierungen wurde nicht durchgeführt und es gelang nur wenigen Menschen tatsächlich, nach Gaza zurückzukehren. Zusätzlich wurden Rückkehrer*innen folgende Bedingungen auferlegt:
Jede Person darf nur eine persönliche Tasche mit Kleidung und persönlichen Dokumenten mitbringen.
Jede Person darf nur bis zu 2.000 Schekel (ca. 550 Euro) in bar mitbringen, sofern 24 Stunden im Voraus eine Genehmigung eingereicht wird.
Flüssigkeiten sind nicht erlaubt, darunter Wasser, Deodorants, Cremes und ähnliche Artikel.
Pro Person ist nur ein Mobiltelefon erlaubt. Andere elektrische oder elektronische Geräte sind nicht gestattet.
Zigaretten sind nicht erlaubt.
Wie The Guardian am 4. Februar berichtete, hat Israel die Evakuierung von Patient*innen über den Grenzübergang Rafah nur zwei Tage nach dessen „Wiedereröffnung“ wieder eingestellt.




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