Unterlagen zeigen: Eine Tochterorganisation von Aipac hat seit dem 7. Oktober aufwendige Reisen nach Israel für Dutzende Kongressabgeordnete finanziert
- 6. Juni
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Aufgedeckt: Die AIEF, eine gemeinnützige Tochterorganisation der pro-israelischen Lobby Aipac, hat Millionen für Reisen von Abgeordneten beider Parteien ausgegeben, obwohl die Unterstützung der Wähler*innen für Israel stark nachlässt.
Von Jason Wilson, The Guardian, 2. Juni 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Eine Analyse des Guardian hat ergeben, dass Dutzende Kongressabgeordnete und Mitarbeiter*innen des Capitol Hill seit dem 7. Oktober 2023 von einer AIPAC-Tochtergesellschaft finanzierte, aufwendige Reisen nach Israel genossen haben – und das inmitten der eskalierenden Kriege Israels gegen seine Nachbarn und trotz der stark sinkenden Unterstützung der amerikanischen Bevölkerung für die Politik des Landes.
Aus den Ethikberichten des Kongresses und anderen öffentlichen Unterlagen geht hervor, dass sich die von der American Israel Education Foundation (AIEF) organisierten Reisen um einseitige Briefings zur Politik im Nahen Osten sowie zur israelischen Innen- und Außenpolitik drehten. Abgeordnete und ihre Mitarbeiter*innen beider Parteien trafen sich mit israelischen Regierungsvertreter*innen (darunter auch Benjamin Netanjahu), Militärunternehmern und Persönlichkeiten der Zivilgesellschaft, darunter Befürworter*innen der Annexion des Westjordanlands und der Vertreibung von Palästinenser*innen aus Jerusalem.
Das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) und andere pro-israelische Gruppen organisieren solche Reisen seit Jahren, und sowohl demokratische als auch republikanische Abgeordnete haben daran teilgenommen. Die anhaltende Teilnahme demokratischer Abgeordneter und ihrer Mitarbeiter*innen an den jüngsten Reisen ist jedoch besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, wie sehr die Sympathie für Israel unter den demokratischen Wähler*innen nachgelassen hat und welche Anstrengungen einige demokratische Politiker*innen in letzter Zeit unternommen haben, um sich von der Lobbygruppe zu distanzieren.
Eine aktuelle Umfrage ergab, dass acht von zehn Demokrat*innen und demokratisch orientierten Unabhängigen eine ablehnende Haltung gegenüber Israel haben, ebenso wie sechs von zehn Amerikaner*innen insgesamt.
Aus den Ethikberichten des Kongresses geht hervor, dass Kongressabgeordnete und ihre Mitarbeiter*innen in luxuriösen Hotels untergebracht wurden, in Spitzenrestaurants speisten und in mindestens einer Siedlung im Westjordanland informiert wurden. Während über eine der in diesem Artikel erwähnten Reisen bereits zuvor in groben Zügen berichtet wurde, enthüllt der Guardian nun erstmals Details zu Reiserouten, Kosten und weiteren Reisen.
Seit dem 7. Oktober 2023 haben mindestens 26 demokratische und 52 republikanische Abgeordnete an AIEF-Reisen in mindestens 15 Delegationen für Kongressabgeordnete und deren Mitarbeiter*innen teilgenommen. Die Analyse des Guardian ergab, dass die Organisation mehr als 4,2 Millionen Dollar für diese Delegationen gezahlt hat – durchschnittlich über 26.600 Dollar pro Mitglied. Einige Abgeordnete – darunter die Demokraten Steny Hoyer, Greg Landsman und Brad Schneider – unternahmen in diesem Zeitraum mehrere von der AIEF finanzierte Reisen.
„Diese Reisen sind seit jeher ein gängiges Mittel, um im Kapitol Unterstützung für Israel zu gewinnen“, sagte Stephen Walt, Professor für Internationale Beziehungen an der Harvard Kennedy School, der sich intensiv mit der pro-israelischen Lobby befasst hat. „Die Zustimmung zu einer solchen Reise ist zudem ein Lackmustest für Politiker, die gegenüber AIPAC und wichtigen Spendern ihre pro-israelische Haltung signalisieren wollen.“
Die AIEF ist eine gemeinnützige Tochterorganisation von AIPAC und genießt den Status einer gemeinnützigen Einrichtung, der es AIPAC ermöglicht, bundesstaatliche Verbote zu umgehen, wonach Lobbyorganisationen keine Auslandsreisen für US-Beamte finanzieren dürfen. Die 1988 gegründete AIEF ist das Instrument, über das AIPAC die einwöchigen Israel-Reisen finanziert, die zu einem festen Bestandteil der außenpolitischen Ausbildung für neue Kongressabgeordnete und ihre leitenden Berater*innen geworden sind.
Obwohl rechtlich eigenständig, stützt sich die AIEF auf die Infrastruktur von Aipac, einschließlich der Büroräume. Allein im Jahr 2019, so berichtete The Intercept, sponserte die Stiftung 129 Reisen im Gesamtwert von 2,32 Millionen Dollar, finanziert von einer kleinen Zahl jüdischer philanthropischer Stiftungen, darunter jene von Paul Singer, einem republikanischen Großspender.
Kein Mitglied des Kongresses oder deren Mitarbeiter*innen reagierte auf Anfragen nach einer Stellungnahme zu diesem Bericht.
Die AIEF antwortete jedoch über ihre Sprecherin Deryn Sousa in einer E-Mail: „Die Missionen der AIEF dienen dazu, die Teilnehmer*innen über die Beziehungen zwischen den USA und Israel, die Sicherheitsprobleme unseres engsten Verbündeten im Nahen Osten sowie die geostrategischen Herausforderungen und Chancen in der Region aufzuklären.“
Sousa fügte hinzu: „Die Teilnehmer*innen besuchen historische und religiöse Stätten im ganzen Land und treffen sich mit israelischen Amtsträger*innen und Bürger*innen aus dem gesamten politischen Spektrum, die ein breites Angebot an Perspektiven und Meinungen einbringen und so umfassende Einblicke sowie vollständige Transparenz in die komplexe Kultur, Geografie, Politik und die Aussichten auf Frieden bieten.“
„Kontinuität statt Wandel“
Die von der AIEF finanzierten Kongressreisen nach Israel wurden nach den Anschlägen vom 7. Oktober und dem darauf folgenden Krieg im Gazastreifen für mehrere Monate ausgesetzt, bevor sie im März 2024 wieder aufgenommen wurden, als acht demokratische Abgeordnete und ein Mitarbeiter eine Reise unternahmen, die einen Besuch von Militäreinrichtungen an der libanesischen Grenze und eines israelischen Militärfriedhofs umfasste.
Die Reisekosten für die Abgeordneten variierten: Wie bei anderen Delegationen konnten die Abgeordneten Familienangehörige mitbringen, und die Teilnahme von Brad Schneiders Ehefrau führte laut den Unterlagen dazu, dass sich seine Reisekosten auf über 44.200 Dollar beliefen.
Die AIEF ist nicht die einzige Organisation, die Reisen von Abgeordneten nach Israel finanziert; die liberale zionistische Organisation J Street finanziert vor allem Reisen für Demokrat*inneen, und andere Organisationen – wie das Jewish Institute for National Security of America und der Thinktank für nationale Sicherheit Atlantic Council – finanzieren Reisen für Mitglieder beider Parteien. Doch die AIEF sticht durch ihre Großzügigkeit bei der Finanzierung von Israel-Reisen hervor. Die Zahl der Reisen ist seit 2024 weitgehend konstant geblieben, obwohl sich unter Menschenrechtsaktivist*innen, internationalen Organisationen und Wissenschaftler*innen zunehmend die Übereinstimmung herausbildet, dass Israels Vorgehen im Gazastreifen einen Völkermord darstellt.
Die Dokumente zeigen, dass eine AIEF-Reise vom 6. bis 14. August 2025 mindestens 15 Demokrat*innen nach Israel brachte, darunter Wesley Bell (Missouri), George Latimer (New York), Eugene Vindman (Virginia) und Gil Cisneros (Kalifornien). Anfang desselben Monats genossen 20 republikanische Abgeordnete, darunter Randy Fine, der lautstarke pro-israelische Vertreter aus Florida, eine von der AIEF gesponserte Reise mit ähnlicher Reiseroute.
Bell und Latimer wurden beide mit Hilfe von Millionen von Dollar aus dem Super-PAC der AIPAC gewählt, die eingesetzt wurden, um die Amtsinhaber Cori Bush und Jamaal Bowman zu besiegen.
Bell hat die Rolle von Aipac in der US-Politik verteidigt, unter anderem bei einer Bürgerversammlung in St. Louis im Dezember, wo er Demonstrant*innen entgegentrat, die forderten, dass Politiker*innen aus Missouri keine Spenden mehr von der Organisation annehmen sollten. Latimer hingegen sah sich in den letzten Wochen Kritik von progressiven Organisationen und seinem ehemaligen Vorwahlgegner Bowman ausgesetzt, weil er sich öffentlich freundlich mit Mike Lawler zeigte, dem pro-israelischen Republikaner aus New York, dessen Sitz im November im Fadenkreuz der Demokraten steht.
Die Eröffnungsrede der Reise im August 2025 mit dem Titel „Hindernisse für den Frieden überwinden“ sollte von Tal Becker gehalten werden, einem ehemaligen leitenden Rechtsberater des israelischen Außenministeriums. Becker ist der leitende Rechtsbeistand, der Israel vor dem Internationalen Gerichtshof in dem von Südafrika angestrengten Völkermordverfahren vertritt.
Für die Mitglieder war außerdem ein nächtlicher Besuch der archäologischen Stätte „Stadt Davids“ im besetzten Ostjerusalem geplant, die von der Elad-Stiftung betrieben wird, einer Siedlerorganisation, die palästinensische Grundstücke im angrenzenden Stadtteil Silwan „erworben“ [Anführungszeichen hinzugefügt, Anm.] hat und die Archäologie der biblischen Zeit als Mittel zur Ausweitung der jüdischen Siedlungen in Ostjerusalem nutzt.
Außerdem besuchten sie eine Einrichtung von Rafael Advanced Defense Systems in Haifa zu einer Veranstaltung mit dem Titel „US-Israel Defense Cooperation“ und trafen sich mit Netanjahu, Yair Lapid und dem US-Botschafter Mike Huckabee. Sie wohnten im luxuriösen King David Hotel in Jerusalem und im gehobenen Magdala Hotel in Galiläa.
Am dritten Tag des Aufenthalts der Delegation in Israel genehmigte das Sicherheitskabinett des Landes eine vollständige militärische Wiedereinnahme von Gaza-Stadt. Die Reise endete acht Tage, bevor das von der UNO unterstützte System zur integrierten Klassifizierung der Ernährungssicherheit (IPC) erstmals eine Hungersnot in Gaza bestätigte.
Die AIEF gab die Kosten pro Reisendem mit etwa 16.000 Dollar für Einzelmitglieder bis zu mehr als 37.000 Dollar für diejenigen an, die mit einem gesponserten Familienmitglied reisten. Der angegebene Gesamtwert der geschenkten Reisen allein für demokratische Abgeordnete belief sich auf etwa 400.000 Dollar. Eine frühere Reise der AIEF für „hochrangige Kongressmitarbeiter*innen“ im Februar 2025 sollte 13 hochrangige Mitarbeiter*innen des Repräsentantenhauses nach Israel bringen – fünf demokratische und acht republikanische Mitarbeiter*innen.
Auf dieser Reise traf die Delegation in der Knesset mit Simcha Rothman von der Religiös-Zionistischen Partei zusammen. Rothman ist der legislative Architekt von Netanjahus Justizreform von 2023, jener Verfassungskrise, die die landesweiten Proteste auslöste, welche Israel in den Monaten vor dem 7. Oktober lahmlegten. Am letzten vollen Tag der Reise erhielt die Delegation eine Informationsveranstaltung in Alfei Menashe im besetzten Westjordanland. Alfei Menashe ist eine illegale israelische Siedlung östlich der Grünen Linie, um die herum Israels Trennmauer umgeleitet wurde, um die Siedlung und eine Reihe palästinensischer Dörfer auf der israelischen Seite einzuschließen.
Die Gastfreundschaft der AIEF setzte sich bis ins Jahr 2026 fort, bis zum Vorabend des Krieges Israels und der USA gegen den Iran. An einer für Februar dieses Jahres geplanten AIEF-Reise – die weniger als eine Woche vor den ersten Angriffen endete – nahmen fünf Mitarbeiter*innen der Demokraten und sieben Republikaner*innen teil.
Auf dieser Reise hörten die Reisenden einen Vortrag von Ohad Tal, einem Knesset-Abgeordneten der Partei „Religiöser Zionismus“, deren Vorsitzender Bezalel Smotrich, Israels Finanzminister, ist. Tal hat sich öffentlich für die vollständige Annexion der besetzten Gebiete ausgesprochen, ganz im Sinne von Smotrichs Programm zur Ausweitung der Siedlungen und zur Vertreibung der Palästinenser*innen.
Laut den Unterlagen zahlte die AIEF knapp 17.000 Dollar pro Mitarbeiter*innen; sie wohnten in Viereinhalb-Sterne-Hotels in Jerusalem, Tel Aviv und Tiberias.
Eine AIEF-Reise vom 16. bis 24. August 2025 brachte Mitarbeiter*innen der Demokraten im Repräsentantenhaus nach Israel, während israelische Streitkräfte Bodenoperationen in Gaza-Stadt durchführten. Vertreten waren die Büros von John Larson (Connecticut), Kathy Castor (Florida), Luz Rivas (Kalifornien), Cleo Fields (Louisiana), Yassamin Ansari (Arizona), der ehemaligen Abgeordneten Sheila Cherfilus-McCormick (Florida) und dem verstorbenen David Scott (Georgia).
Während Aipac und seinen finanzstarken Verbündeten diesen Monat zugeschrieben wurde, den Ausschlag gegen den Republikaner Thomas Massie in Kentucky gegeben zu haben, deuten die jüngsten Ergebnisse der demokratischen Vorwahlen darauf hin, dass ihr Einfluss in der Partei nachlässt, da viele Demokrat*innen nun versuchen, sich zu distanzieren, während das Ansehen Israels und seiner US-Befürworter*innen weiter schwindet.
„Ich glaube, diese jüngsten Reisen stehen eher für Kontinuität als für Wandel“, erklärte Walt, der Professor für Internationale Beziehungen, in einer E-Mail. Er fügte jedoch hinzu: „Angesichts der Lage in Gaza und im Westjordanland sowie des Rechtsrucks in der israelischen Politik selbst wird es immer schwieriger, Menschen für sich zu gewinnen.“
Jason Wilson ist ein investigativer Journalist mit Sitz in Portland, Oregon.




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