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Siedlergewalt eskaliert: Vier Palästinenser bei Massaker getötet

  • 27. Juli
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Juli

„Wir schauen dabei zu, wie das Westjordanland ethnisch gesäubert wird aus einem einzigen Grund: Weil Leute einer anderen ethnischen Gruppe das Land will und stärkere Freunde weltweit hat, eines dieser Länder ist Deutschland. Etwas muss getan werden, damit Israel aufhört. Jetzt.“

Tomer Dotan-Dreyfus, israelischer Schriftsteller und Übersetzer, 25. Juli 2026



„Das Ziel der jüdischen Terroristen, die – mit voller Unterstützung der Regierung – im Westjordanland wüten, ist einfach: Die Palästinenser*innen so lange zu provozieren, bis eine dritte Intifada ausbricht, und diese dann als Vorwand für noch mehr Unterdrückung, noch mehr Vertreibungen und noch mehr Landraub zu nutzen. Deshalb müssen sie gestoppt werden.“

Ami Dar, israelisch-amerikanischer Unternehmer und Gründer von Action Without Borders, 26. Juli 2026

 


„Um es klar zu sagen: Wanderer betreten kein privates palästinensisches Land in Begleitung bewaffneter Männer. Sie belästigen keine Bewohner*innen, schänden keine Häuser, greifen keine Gemeinden an und vergiften keine Schafherden. Sie machen das Leben nicht so unerträglich, dass ganze Gemeinden ihre Habseligkeiten zusammenpacken und fliehen. Dies sind keine Einzelfälle oder Missverständnisse, sondern Teil eines umfassenderen, staatlich angeordneten Musters von Gewalt und Straffreiheit, das weiterhin palästinensische Gemeinden vertreibt und die Rechtsstaatlichkeit im gesamten besetzten Westjordanland untergräbt.“

Statement von Combatants for Peace, 26. Juli 2026. Die israelische Armee hatte eine Gruppe israelischer Siedler, die gewaltsam in das palästinensische Dorf Tal eindrangen, zynischerweise zunächst als „Wanderer“ bezeichnet, bevor später eingeräumt wurde, dass einige von ihnen bewaffnet waren.

 


„Nachdem man die Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln des "Angriffs" im Dorf Tal gesehen hat, gibt es keinen anderen Schluss als diesen: Der Dorfbewohner Farouk Ramdan ist ein Held, dem es gelang, die Waffe aus den Händen des jüdischen Terroristen zu entwenden und ihn in letzter Sekunde unschädlich zu machen, nur einen Bruchteil einer Sekunde, bevor der Terrorist mit der Handfeuerwaffe, die er bei sich trug und die Farouk nicht entreißen konnte, einen der Anwesenden ermorden konnte. Farouk ging mit bloßen Händen gegen bewaffnete Eindringlinge in seinem Dorf vor und starb zusammen mit drei anderen Familienmitgliedern im Feuer der israelischen Armee, die den Terroristen schützen wollten. Möge sein Andenken gesegnet sein.“

Tom Zandmann, israelischer Friedensaktivist, 26. Juli 2026

 


„An einem Punkt richtet ein Siedler seine Waffe auf das Gesicht eines Palästinensers, der sich daraufhin wehrt. Das Ergebnis ist, dass der Siedler getötet wird. Ich vergieße keine einzige Träne um diesen Siedler, so wie ich generell keine Tränen für Nazis vergieße, die getötet werden – erst recht nicht, wenn es geschieht, während sie gerade ihren Nazismus praktizieren. Die israelischen Medien behandeln dies jedoch als „Terroranschlag“ und trauern um den toten Faschisten. Damit ihr es wisst: Das wird morgen auch das Framing in Deutschland sein. Man erwartet von deutschen Journalisten ja nicht, nach drei Jahren Staatsräson, zu recherchieren. (…)“

Tomer Dotan Dreyfus, israelischer Schriftsteller und Übersetzer, 25. Juli 2026

 


„Ein Massaker an Palästinensern in der West Bank (wie sie es inzwischen fast täglich gibt), bei dem auch einer der angreifenden Siedler-Terroristen in einem Akt der Selbstverteidigung getötet wird. Und das dümmste, was der ARD Korrespondent in Tel Aviv in die Tasten haut: Das ewige Narrativ von Gewalt auf beiden Seiten. Dass die Besatzung und damit auch die Präsenz der Siedler-Terroristen und Soldaten dort illegal ist, sucht man im Text vergeblich.“

F.M. Lang, Fotograf und Journalist, kommentiert den ARD-Beitrag „Gewalt im Westjordanland eskaliert: Im Westjordanland hat es bei Gewalt zwischen Palästinensern und israelischen Siedlern erneut Tote gegeben: Auf beiden Seiten wurden Menschen getötet“, 25. Juli 2026

 


„Ein Graffiti in hebräischer Sprache im palästinensischen Dorf Far'ata unweit von Nablus. Darauf steht „Rache für Bnayahu“ – so heißt der Siedler, der am Freitag getötet wurde. Seit Freitag dringen Hunderte maskierter Siedler in ein Dorf nach dem anderen ein und zünden Häuser, Autos und Moscheen an. Viele Palästinenser*innen werden durch Steine, scharfe Munition, Messerstiche oder Schläge verletzt. Soweit ich weiß, wurden bisher zwei Siedler wegen der Brandstiftung an einer Moschee festgenommen. Unterdessen zerstört die israelische Armee seit drei Tagen Häuser, hat über 80 Menschen festgenommen, alle Zugänge zum Westjordanland gesperrt, ein Krankenhaus in Nablus gestürmt usw. usw. Die Liste ist endlos.“

Ilan Volkov, israelischer Dirigent, 26. Juli 2026



„Alles wird von der israelischen Armee und der israelischen Regierung koordiniert, inszeniert, unterstützt, finanziert und vor allem verteidigt, und wir sollten dies nicht als eine Art Eigeninitiative einzelner Personen betrachten. Es ist Israels Politik, die Palästinenser*innen zu tyrannisieren und zu versuchen, sie von den Feldern zu vertreiben, sie einzuschüchtern und Terror gegen sie anzuwenden. Dorf für Dorf. Woche für Woche. Diese Dinge geschehen tagtäglich. Die einzig wirklich offene Frage lautet: Haben die Palästinenser*innen ein Recht auf Selbstverteidigung? Denn das, was heute geschehen ist, ist eindeutig Selbstverteidigung der Palästinenser*innen. Und nun werden sie einen höllischen Preis dafür zahlen, dass sie versucht haben, sich zu verteidigen. (...) Hunderte und Aberhunderte gewalttätiger Siedler, die dies nun schon seit Monaten und Monaten tun, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, ohne dass sie jemand aufhält.“

Gideon Levy, israelischer Journalist, im Interview mit Al Jazeera, 25. Juli 2026

 

 

„Zur falschen Gleichsetzung:

Menschen, die in andere Länder einfallen und diese kolonisieren, und Menschen, in deren Länder eingedrungen wird und die kolonisiert werden, sind nicht miteinander gleichzusetzen.

Menschen, die Apartheid praktizieren, und Menschen, denen Apartheid auferlegt wird, sind nicht miteinander gleichzusetzen.

Menschen, die Häuser und Land stehlen, und Menschen, denen Häuser und Land gestohlen werden, sind nicht miteinander gleichzusetzen.

Menschen, die über eine der modernsten Streitkräfte der Welt verfügen, und Menschen, die weder über eine Armee noch über eine Luftwaffe oder Marine verfügen, sind nicht miteinander gleichzusetzen.

Menschen, die frei sind, zu reisen, wohin und wann immer sie wollen, und Menschen, die in einem Freiluftgefängnis gefangen sind, sind nicht miteinander gleichzusetzen.“

Sara Haddad, libanesisch-australische Schriftstellerin, 26. Juli 2026

 


„Man möchte uns glauben machen, dass die Selbstverteidigung der Palästinenser*innen gegen gewalttätige israelische Besatzer „Terrorismus“ ist, während der Völkermord Israels an den Palästinenser*innen als „Selbstverteidigung“ gilt.“

Assal Rad, Historikerin, Autorin und Politologin, 25. Juli 2026

 


„Die Dörfer im Westjordanland sollten genauso behandelt werden wie Beit Hanoun im Gazastreifen.“

Itamar Ben Gvir, Minister für die Nationale Sicherheit, 24. Juli 2026

 


„Dringender Appell an die internationale Gemeinschaft, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Gewalt Israels zu beenden und Pogrome durch Siedlermilizen und die israelische Armee im gesamten Westjordanland zu verhindern!“

Aufruf von B’tselem, 24. Juli 2026

 

 

 

 


Am vergangenen Freitag um 8.30 Uhr früh wurde das palästinensische Dorf Tal (aufgrund der phonetischen Übersetzung existieren auch andere Schreibweisen: Tel oder Tell) südwestlich von Nablus zur jüngsten Gemeinde, die die verheerenden Folgen der immer schlimmer werdenden Gewalt durch Siedler im besetzten Westjordanland zu spüren bekam. Walid Zidan, der Vorsitzende des Dorfrats von Tel, erklärte gegenüber der Agence France-Presse, dass etwa 20 israelische Siedler in das Dorf eindrangen. „Die Dorfbewohner kamen heraus, um ihre Häuser und ihr Eigentum zu verteidigen. Es kam zu Zusammenstößen und Handgreiflichkeiten zwischen den Bewohner*innen und den Siedlern“, so Zidan. „Israelische Soldaten waren vor Ort und begannen gemeinsam mit den Siedlern, das Feuer zu eröffnen … Es waren die Siedler, die das Dorf stürmten, mit der Absicht, zu töten, zu randalieren und Eigentum in Brand zu setzen.“


Was damit begann, dass eine Gruppe israelischer Siedler in das Dorf eindrang – vom israelischen Militär unterstützt und begleitet sowie zynischerweise zunächst als „Wanderer“ bezeichnet, bevor später eingeräumt wurde, dass einige von ihnen bewaffnet waren –, eskalierte rasch zu tödlicher Gewalt. Erschütternde Videoaufnahmen zeigen, wie sich ein bewaffneter Siedler mehreren palästinensischen Männern in der Nähe des Dorfes nähert und sie mit seinem Gewehr zurückdrängt, woraufhin ein Handgemenge ausbricht und einer der palästinensischen Bewohner – Sheikh Farouk Ramdan – nach der Waffe greift. Die israelische Armee eröffnet daraufhin das Feuer, vier unbewaffnete Palästinenser werden regelrecht hingerichtet, zahlreiche weitere Menschen mitunter schwer verletzt.


Ein Siedler und ein Soldat werden ebenfalls getötet; wie The Guardian berichtet, ist es bisher noch unklar, wer die beiden erschossen hat. Der israelische Militärkorrespondent Shai Levy berichtete gestern, am 27. Juli 2026, dass die israelische Armee eine Untersuchung angeordnet hat, die sich „mit der Frage beschäftigt, ob die beiden israelischen Todesopfer – oder zumindest eines von ihnen – durch Beschuss der eigenen Truppen getötet wurden“. Das israelische Medienunternehmen Kan News berichtete bereits am 26. Juli, dass einer der beiden israelischen Männer mit Sicherheit von den eigenen Truppen getötet wurde.


In den darauffolgenden Stunden waren nahegelegene palästinensische Gemeinden schlimmen Racheangriffen ausgesetzt: Gebäude – darunter auch zwei Moscheen – wurden in Brand gesetzt, Häuser mit Graffitis wie „Jüdische Rache“ beschmiert, Eigentum beschädigt und Familien mussten erneut um ihre Sicherheit fürchten.

Dies geschah nur einen Tag, nachdem vier palästinensische Männer von der israelischen Armee und Siedlern in verschiedenen Teilen des besetzten Westjordanlands getötet wurden: In Beit Furik, östlich von Nablus, wurden zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt; ein 25-jähriger Palästinenser aus Tubas wurde in Jenin von israelischen Streitkräften erschossen; und ein weiterer junger Palästinenser starb, nachdem er an einem Checkpoint im Flüchtlingslager Shuafat im besetzten Ostjerusalem von israelischen Soldaten angeschossen und festgenommen worden war.


Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich erklärte, die Dörfer Tal, Iraq Burin und Beit Furik „müssten genau so aussehen wie die Flüchtlingslager in Nablus und Tulkarem“, und bezog sich dabei auf die massive Zerstörungskampagne, durch die im vergangenen Jahr Zehntausende in den Städten des Westjordanlands vertrieben wurden. Itamar Ben-Gvir, Minister für nationale Sicherheit, erklärte, er werde fordern, dass die Dörfer im Westjordanland „wie Beit Hanoun im Gazastreifen behandelt und palästinensische Häuser bombardiert und dem Erdboden gleichmacht werden“. Israels Verteidigungs- und Finanzminister kündigten kürzlich Pläne für neue illegale Siedlungen im Gazastreifen an, und der Militärkommandant des Landes für die Region bezeichnete gewalttätige Außenposten als seine „Sicherheitspartner“.


Als Folge der Siedler- und Armeegewalt in Tal stürmte die israelische Armee die Notfallaufnahme eines Krankenhauses in Nablus. Nach Angaben von Krankenhausmitarbeiter*innen fesselten Soldaten Ärzt*innen und Pflegekräften die Hände und nahmen zwei Brüder fest, darunter einen, der wegen einer Schussverletzung behandelt wurde, die ihm bei dem Angriff auf Tal zugefügt worden war.


Zur Erinnerung: Alle israelischen Siedlungen im Westjordanland sind nach internationalem Recht illegal. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden allein im Jahr 2025 im Westjordanland 230 Palästinenser*innen von israelischen Streitkräften und Siedlern getötet und zahlreiche Menschen verletzt. In keinem einzigen Fall wurde Anklage erhoben. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 kam es jeden Tag durchschnittlich zu sechs Angriffen israelischer Siedler auf palästinensische Gemeinden und deren Bewohner*innen. Israelische Menschenrechtsorganisationen wie Yesh Din und B’tselem forderten ein sofortiges internationales Eingreifen, um zu verhindern, was ihrer Warnung zufolge zu „Massenpogromen“ im gesamten besetzten Westjordanland führen könnte.


Die vier von der israelischen Armee am Freitag im Dorf Tal getöteten Palästinenser stammen alle aus der Familie Ramdan, zwei Brüder und ihre Cousins. Ihre Namen waren Farouk, Ibrahim, Jawad and Imran. Die israelische Armee veröffentlichte Aufnahmen, die zeigen, wie Soldaten Messungen vornehmen, um den Abriss des Hauses der Familie des getöteten Farouk Ramdan im Dorf Tal vorzubereiten.

 

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Informationen entnommen aus:

Israel planning ‘extensive’ military operation in West Bank after settler attack

Four Palestinians and two Israelis killed and several hurt after armed settlers entered village with military support

The Guardian, 24. Juli 2026

 

Four Palestinians and two Israelis killed in incendiary settler attack

Drop Site News, 24. Juli 2026

 

Another Weekend. Another Community Under Attack.

Newsletter von Combatants for Peace, 26. Juli 2026



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