Von 400 Bienenstöcken auf 35: Der Imker aus Gaza, der sich weigert, sein Lebenswerk durch den Krieg zu verlieren
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Ibrahim al-Dabba kümmert sich weiterhin um seine Bienenvölker, obwohl er sein Zuhause und den Großteil seiner Bienenstöcke und seiner Ausrüstung verloren hat.
Von Lina Abu Zayed; Fotos von Omar Ashtawy, The Guardian, 29. Juli 2026
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Jeden Morgen klettert Ibrahim Naji al-Dabba auf das Dach eines beschädigten Wohnhochhauses im Stadtteil Tel al-Hawa in Gaza-Stadt, wo Reihen von Bienenstöcken stehen, umgeben von zerbrochenem Beton und den Narben des Krieges. Das Dach ist alles andere als ein idealer Ort für die Imkerei, aber für den 49-jährigen Vater von sieben Kindern ist es der einzige Ort, an dem er den Beruf weiter ausüben kann, der seine Familie seit Jahrzehnten ernährt.
Vor dem Krieg besaß al-Dabba mehr als 400 Bienenstöcke, die über den Osten des Gazastreifens verteilt waren. Seine Bienenstände, seine Ausrüstung, seine Lagerräume und sein Geländewagen ermöglichten es ihm, einen florierenden Imkereibetrieb zu führen, der seine Familie ernährte. Heute ist fast alles, was er sich in jahrelanger Arbeit aufgebaut hat, verschwunden.
„Die Imkerei ist nicht nur ein Geschäft“, sagt er. „Sie ist die einzige Einkommensquelle meiner Familie. Sie ist unser Leben, unser Lebensunterhalt und unsere Zukunft.“
Al-Dabba, der auch Vorsitzender der Imkergenossenschaft von Gaza ist, sagt, die Imkerei sei schon lange bevor sie zu seinem Beruf wurde zu seiner Leidenschaft geworden. Im Laufe der Jahre spezialisierte er sich auf die Honigproduktion, die Zucht von Bienenköniginnen und die Entwicklung von Bienenrassen, die an das Klima in Gaza angepasst sind. Vor dem Krieg war der Imkereisektor in Gaza trotz jahrelanger Blockade stetig gewachsen; Hunderte von Imker*innen produzierten Honig und unterstützten durch die Bestäubung die lokale Landwirtschaft.
Das änderte sich, nachdem der Krieg ausgebrochen war.
Da er seine Bienenstände aufgrund von Bombardements und Vertreibung nicht erreichen konnte, musste al-Dabba mit ansehen, wie sein Lebenswerk zugrunde ging. Er verlor sein Zuhause, mehr als 400 Bienenstöcke, seine Honigverarbeitungsgeräte, Lagerräume und fast alle für seinen Beruf notwendigen Werkzeuge. Er schätzt seine finanziellen Verluste auf mehr als 300 000 Euro.
„Der schwerste Moment war die Erkenntnis, dass alles, was ich über Jahre hinweg aufgebaut hatte, verloren war“, sagt er. „Ich habe nicht nur meine Bienenstöcke verloren, sondern auch mein Zuhause, meine Ausrüstung und meine einzige Einkommensquelle.“
Wie Hunderttausende Palästinenser*innen im Gazastreifen wurde auch al-Dabba während des gesamten Krieges immer wieder vertrieben und zog mit seiner Familie von einem Gebiet zum nächsten. Als sich die Lage etwas beruhigte, suchte er nach einer anderen Arbeit, fand jedoch keine. Stattdessen kehrte er zu dem Beruf zurück, den er am besten beherrschte. Mit seinen Ersparnissen und viel Entschlossenheit kaufte er gerade einmal drei Bienenstöcke für mehr als 2 600 Euro – unter den derzeitigen Bedingungen im Gazastreifen eine beträchtliche Investition. Da das Bewegen zwischen landwirtschaftlichen Gebieten gefährlich geworden war und der Transport der Bienenstöcke nahezu unmöglich war, stellte er sie auf das Dach eines schwer beschädigten Wohnhochhauses.
Er war sich der Risiken bewusst. Das Gebäude selbst war beschädigt, und sogar die hölzernen Bienenstockkästen konnten von Menschen gestohlen werden, die verzweifelt nach Brennholz oder Baumaterial suchten. Dennoch glaubte er, dass das Dach die beste Chance bot, das Wenige zu schützen, das noch übrig war. „Ich wollte, dass sich die Bienen an diese rauen Bedingungen anpassen, so wie wir uns auch anpassen mussten“, berichtet er.
Zusammen mit seinen Söhnen baute er diese drei Völker nach und nach auf 35 Bienenstöcke aus. Auch wenn die Honigproduktion nach wie vor begrenzt ist, bedeutet jede erfolgreiche Ernte weit mehr als nur Einkommen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich nur um Bienen kümmere“, sagt al-Dabba. „Ich versuche, einen Teil des Lebens zu bewahren, den ich durch den Krieg verloren habe.“
Die Herausforderungen halten jeden Tag an. Unverzichtbare Versorgungsgüter wie Medikamente, Wachsgrundplatten, Zusatzfutter und Imkereiausrüstung sind knapp geworden oder unerschwinglich teuer. Der Wiederaufbau einer Imkerei ist für viele Imker*innen finanziell unmöglich geworden, während die hohen Kosten für Verpackungsmaterial den Verkauf von Honig zunehmend erschweren. Trotz dieser Hindernisse ist al-Dabba überzeugt, dass die Imkerei nicht nur für die Honigproduktion, sondern auch für den Erhalt der Landwirtschaft selbst unverzichtbar bleibt. „Ohne Bienen gibt es keine nachhaltige Landwirtschaft“, sagt er. „Die Unterstützung der Imker bedeutet, die Nahrungsmittelproduktion und die Lebensgrundlage Tausender Familien zu sichern.“
Al-Dabba steht zwischen den Bienenstöcken auf dem beschädigten Dach und sagt, die Bienen erinnerten ihn an die Menschen in Gaza. „Die Bienen sind wie die Menschen hier“, sagt er. „Sie arbeiten trotz aller Entbehrungen weiter. Sie finden immer ihren Weg zurück zum Bienenstock.“ Für ihn birgt jede überlebende Kolonie eine Botschaft, die über die Honigproduktion hinausgeht: „Solange es auch nur einen Bienenstock gibt und einen Imker, der an diesem Beruf festhält, gibt es Hoffnung, dass das Leben von Neuem beginnen kann.“




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