„Wir sind immer noch hier.“ Katholischer Patriarch hält Weihnachtsmesse in einer von Israel während des Krieges bombardierten Kirche in Gaza
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Der ranghöchste katholische Geistliche im Heiligen Land forderte die Palästinenser*innen auf, in Gaza „nicht nur zu überleben“, sondern „ihr Leben wieder aufzubauen“, als er dort am Sonntag vor dem Hintergrund apokalyptischer Zerstörung und Vertreibung die Weihnachtsmesse las.
Von Tareq El-Hilou, Abeer Salman, Ibrahim Dahman, Sana Noor Haq; CNN, 21. Dezember 2025
(Originalbeitrag in englischer Sprache)
Kardinal Pierbattista Pizzaballa, der lateinische Patriarch von Jerusalem, besuchte die Kirche der Heiligen Familie in Gaza-Stadt bei seiner vierten Reise in das palästinensische Gebiet, nachdem Israel dort seine Offensive gestartet hatte – und zum ersten Mal seit einem tödlichen israelischen Angriff auf die Gemeinde im Juli.
„Wir befinden uns wie viele andere in praktisch ganz Gaza in einer sehr prekären Lage“, sagte Pizzaballa am Sonntag in einer Predigt vor den Gläubigen der Gemeinde.
„Wir glauben, dass die Mächte der Welt über unsere Zukunft entscheiden werden. Aber in Wirklichkeit sind es wir, die Menschen hier, die entscheiden werden, wie alles wieder aufgebaut wird“, sagte er. „Ich ermutige Sie, verlieren Sie nicht die Hoffnung. Jetzt befinden wir uns in einer neuen Phase dieser Situation, wir müssen nicht nur überleben, sondern auch unser Leben wieder aufbauen.“
„In dieser neuen Phase müssen wir den Geist der Weihnacht, den Geist des Lichts, den Geist der Zärtlichkeit, den Geist des Wachstums einbringen“, fügte Pizzaballa hinzu. „Jetzt scheint es unmöglich, aber nach zwei Jahren schrecklichen Krieges sind wir immer noch hier.“
Seit Oktober 2023 rief der verstorbene Papst Franziskus jeden Tag in der Kirche der Heiligen Familie in Gaza-Stadt an, um mit Kirchenführern und einigen der in der Gemeinde lebenden Palästinenser*innen zu sprechen, berichtete Pater Gabriel Romanelli zuvor gegenüber CNN.
Der Besuch von Pizzaballa erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Palästinenser*innen in Gaza weiterhin mit Problemen des Überlebens zu kämpfen haben – mehr als zwei Monate, nachdem Israel und die Hamas einem von den USA vermittelten Waffenstillstand zugestimmt hatten. Israelische Angriffe, strenge Hilfsbeschränkungen, Ernährungsunsicherheit und Sturzfluten haben die Krise in dem Gebiet weiter verschärft.
Seit dem Waffenstillstand am 11. Oktober sind mindestens 401 Menschen getötet worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza am Samstag mit. Insgesamt seien seit dem 7. Oktober 2023, als die Hamas und andere militante Gruppen einen Angriff auf Israel starteten, 70.925 Palästinenser*innen getötet und 171.185 Menschen verletzt worden, so das Gesundheitsministerium.
CNN-Aufnahmen aus Gaza-Stadt vom Sonntag zeigten laute Glocken, die über der Gemeinde läuteten, wo laut dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem ein Baby namens Mario getauft wurde, um „neues Leben“ und „neue Hoffnung“ zu symbolisieren. Rote und goldene Kugeln, grüne Kränze und Bänder waren in der Kirche der Heiligen Familie verteilt, und in einer Ecke stand ein hoher, mit Lametta geschmückter Weihnachtsbaum.
Der 11-jährige Palästinenser George Bisan sagte gegenüber CNN, er sei immer noch unter Schock wegen des Angriffs auf die Kirche im Juli: „Als sie die Kirche von oben beschossen haben, wurden viele Menschen verletzt und starben“, so George am Sonntag. „Mein Wunsch für das neue Jahr ist es, hier wegzukommen und meine Familie im Ausland zu treffen, damit wir in Frieden leben können. ... Wir wollen leben.“
„Die Menschen in Gaza lieben das Leben“
Für andere Mitglieder der christlichen Gemeinschaft spenden die Reisen von Glaubensführern nach Gaza den Palästinenser*innen, die unter Belagerung und Blutvergießen leben, Trost.
„Die Besuche werden als eine Form der Unterstützung und Solidarität für die Mitglieder der Gemeinschaft angesehen“, erklärte Ramez Al-Souri, der aus Gaza-Stadt vertrieben wurde, am Sonntag gegenüber CNN. „Die Menschen in Gaza lieben das Leben und streben danach, in Frieden zu leben.“
Innerhalb der ersten zwei Wochen der Kämpfe wurden Al-Souis drei Kinder – Suhail (14), Julie (12) und Majd (11) – bei einem israelischen Angriff getötet, als sie im Oktober 2023 in einer anderen Kirche im Norden Gazas Zuflucht suchten.
Bei dem Angriff auf die griechisch-orthodoxe St.-Porphyrius-Kirche – eine der ältesten Kirchen der Welt – kamen laut palästinensischen Gesundheitsbehörden mindestens 17 Menschen ums Leben. Damals erklärte das israelische Militär, der Angriff habe sich gegen die Hamas gerichtet, wie CNN zuvor berichtete.
„Es gibt keine Kinder mehr. Sie sind alle Opfer dieses Krieges geworden“, fügte Al-Souri hinzu. „Mit dem Beginn des neuen Jahres hoffen wir, dass es ein Jahr der Liebe und des Friedens wird, in dem alle Menschen in Freiheit und mit Hoffnung auf eine bessere Zukunft leben können“, sagte er.




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