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Sexuelle Gewalt im Folterlager Sde Teiman - Anklage fallen gelassen

  • 16. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. März

Im Folterlager Sde Teiman werden etwas mehr 1 000 Palästinenser in unfassbaren Zuständen gefangen gehalten. Der israelische Oberste Gerichtshof hat im August 2024 die israelische Regierung gezwungen, zu beantworten, wie viele der Gefangenen als Hamas-Kämpfer gelten. Die Antwort war: 28.

 

Vielleicht erinnern Sie sich an die Bilder einer Überwachungskamera aus dem für seine Folterpraktiken berüchtigten Lager Sde Teiman – am 5. Juli 2024 wurde ein palästinensischer Gefangener von fünf israelischen Soldaten schwer misshandelt und vergewaltigt. Medizinischen Unterlagen zufolge wurde der Häftling mit Verletzungen wie gebrochenen Rippen, einer punktierten Lunge und schweren Verletzungen am Enddarm ins Krankenhaus gebracht, wie israelische Medien über die Anklage berichteten.


Sexuelle Gewalt an palästinensischen Gefangenen – Frauen wie Männer – wurde bereits in mehreren Berichten (B’tselem, UN, PCHR, etc.) dokumentiert, in diesem Fall stellte jedoch das Beweisvideo eine Besonderheit dar, die die zuständigen Gerichte zum Handeln zwangen. Nach den ersten Verhaftungen der Täter drang ein rechtsextremer Mob, darunter ein Minister und mehrere Knesset-Abgeordnete, in das Lager Sde Teiman ein und forderte die Freilassung der Männer. In den israelischen Medien wurde das „Recht auf Vergewaltigung“ diskutiert und die Täter zu Talk Shows eingeladen und wie Helden gefeiert.


Der oberste Militärstaatsanwalt Israels hat nun alle Anklagen gegen jene fünf Soldaten fallen gelassen, denen gewaltsame Misshandlung und Vergewaltigung eines palästinensischen Häftlings aus Gaza vorgeworfen wurde. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begrüßte die Entscheidung, die Anklage fallen zu lassen, und bezeichnete es als inakzeptabel, dass dies so lange gedauert habe. Er beschrieb die Männer als „heldenhafte Krieger“.


Sari Bashi, Geschäftsführerin der Menschenrechtsorganisation Public Committee Against Torture in Israel, sagte dazu: „Der israelische Militärstaatsanwalt hat seinen Soldaten gerade die Erlaubnis erteilt, zu vergewaltigen, solange das Opfer Palästinenser*in ist.“


In den mehr als zwei Jahren des genozidalen Krieges gab es nur eine einzige Verurteilung eines israelischen Soldaten wegen Übergriffen auf Palästinenser*innen in Haft, obwohl in Israels Gefängnissystem weit verbreitete Folter und Misshandlungen dokumentiert sind, darunter auch sexualisierte Folter. Dutzende Palästinenser sind seit Oktober 2023 in Gefangenschaft gestorben.


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Zum Weiterlesen:


Neuer Bericht von B'Tselem: "Willkommen in der Hölle - Das israelische Gefängnissystem als ein Netzwerk von Folterlagern

August 2024

 

Die Spitze des Eisbergs: Israel kann die schrecklichen Misshandlungen von PalästinenserInnen durch seine Soldaten nicht mehr vertuschen

Von Hagai El-Ad, Haaretz, 6. August 2024

 

Jeder israelische Soldat, der im berüchtigten Lager Sde Teiman Dienst verrichtet, weiß, was mit den palästinensischen Häftlingen dort geschieht

Ich habe gehört, wie der Kommandant der Einrichtung erklärte: „Die hohen Tiere sagen, dass Sde Teiman ein Friedhof genannt wird.“ Dennoch ignorieren die israelischen Medien und die Öffentlichkeit absichtlich das erschütternde Gesamtbild, das das Gefangenenlager zeigt.

Kommentar verfasst von einer anonymen Quelle, Haaretz, 1. Juni 2025

 

Die Ausschreitungen für Straffreiheit zeigen, wie stolz Israel auf seine Verbrechen ist

Rechtsextreme Demonstranten, Soldaten und Abgeordnete demonstrierten für Wachleute, die der Vergewaltigung eines palästinensischen Gefangenen verdächtigt werden. Einst eine Randerscheinung, sind sie heute das öffentliche Gesicht des Staates.

Von Oren Ziv, 972Mag in Kooperation mit Local Call, 1. August 2024

 

Ausschreitungen für das Recht auf Vergewaltigung von Palästinensern

So sieht es aus, wenn man heute in Israel lebt.

Von Diana Buttu, Zeteo, 31. Juli 2024

 

Neue Daten: 98 Palästinenser in israelischer Haft gestorben

Obduktionsberichte der Verstorbenen und Aussagen ehemaliger Häftlinge deuten darauf hin, dass viele von ihnen an den Folgen von Folter, medizinischer Vernachlässigung und Nahrungsentzug gestorben sind. Laut einer durchgesickerten Datenbank des israelischen Geheimdienstes handelte es sich bei Dutzenden von ihnen um Zivilisten.

Von Yuval Abraham, +972Mag in Kooperation mit Local Call, 17. November 2025

 

Beide Seiten der Debatte um den Sde Teiman-Leak spiegeln den moralischen Verfall Israels wider

Die oberste Juristin der israelischen Armee wird wegen ihrer Rolle in einem Skandal, der die Nation gespalten hat, verfolgt. Ihre Mitschuld am Völkermord bleibt unerwähnt.

Von Ori Goldberg, 972Mag, 7. November 2025

 

PCHR dokumentiert Zeug*innenaussagen über systematische Vergewaltigungen und sexuelle Folter in israelischen Haftanstalten gegen (mittlerweile freigelassene) palästinensische Gefangene

Bericht der Menschenrechtsorganisation Palestinian Centre for Human Rights (PCHR), veröffentlicht am 10. November 2025


 

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